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Monatsschrift der Berliner Logen UOBB · 1928-08-01 · 5 (8.1928) · p. [Seite]

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Journal
Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
Volume
8 (1928-1929)
Issue
5 (8.1928)
Date
1928-08-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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derBEBLINERAEOEi E N UORB BERLIN W 62, KLEISTSTR. 10, LOGENHAUS ' ' > 1 8. JAHRGANG AUGUST 1928 NÜMMER5 Ideal und Wirklichkeit Ein Beitrag zur l'rage: Ist unsere Ordensdcvisc noch zeitgemäß- Von Br. II. Stern (T. J. L.). ' ■!' '■ ■ | In der Auffassung l>vi|uemer Zeitgenossen, die vor .sich wie vor der Mitwelt einer Entschuldigung oder Rechtfertigung bedürfen, wenn sie sieh ihr Lehen nach ihren oft gar nicht einwandfreien Neigungen und Grundsätzen einrichten, gilt das Idelil als ein an skh gewiß recht lobenswertes, leider aber wirklichkeitsfremdes \\ unschhild, gestaltet von Ideologen, die selbst außerhalb der realen Welt leben und sich schon dadurch des Anspruchs auf Beachtung von seiten real denkender Menschen begeben Italien. füll Wunschbild ist nun das Ideal gewiß; aber die Loslüsting von der W irklichkeit oder gar die Gegenüberstellung zur W irklichkeit bedeutet eine völlige Verkennung, ja Entstellung der Idee, wobei die eingangs erwähnte Geistcshaltung wohl als Vater des Gedankens unzusprcchcn ist. Jedes Ideal entspringt nämlich dem eingeborenen Streben der unverdorbenen Einzel- oder Gemeinschaftsseele nach Vervollkommnung, nach einem greifbaren — wenn auch nur gedanklich greifbaren Ziel der Selbstbildung, das unbedingte Geltung besitzt, das will sagen, das einen Wert in sich trägt, der unter allen Umständen, sei es, wo auch immer, sei es, wie auch immer, Anspruch auf V erwirklichung erhebt, und zwar mit Recht erhebt. Kurz gesagt: das Ideal will n i e h t nur gelobt, je s will g e 1 e b t werden. Gerade in dieser Forderung auf Verwirklichung, die das Ideal jederzeit an den Menschen stellt, beruht sein W esen und zugleich seine unlösbare Verbundenheit mit der W irklichkeit. Sobald das Ideal diesen Forderungscharakter verliert oder, vom Menschen aus betrachtet, sobald der Forderu'ngscharakler aus unserem Bewußtsein schwindet, ist das vermeintlicheideal mir ein bloßer Schemen ohne Sinn und Wert. In diesem Sinne einer duuernd lebendigen Forderung auf j Vcrvv irklichung haben sich die Menschheitsgruppen in Religion und Sittlichkeit, habest sich dje Völker in nutionulen Gedanken, ihre Ideale geschaffen, hat auch unser Orden in „W ohltätigkeit, Bruderliebe und Eintracht" seiner Idee der Vollkommenheit sowie seinem Zielstreben sinneijfälligen Ausdruck verliehen. Mit dem Schicksal des Ideals ist das Schicksal der Gemeinschaft, die darauf aufgelmut ist, unlösbur verknüpft. Aufstieg. Blüte und Verfall gilt für beide gleichermaßen. In dem Augenblick, also, wo das Ideal aufhört, seine Krnft auf seine ßekcnnerschaft uuszustrahlen, tritt für beide eine Krise ein. Die Ursache kann darin bestehen, daß das Ideal unter veränderten Verhältnissen seine Geltung verloren hat, oder daß die objektiv noch zu Recht bestehende Geltung mißachtet wird. Im ersten Falle muß es durch ein neues ersetzt, im anderen muß es in seiner Gemeinschaft zu neuem Leben erweckt werden. Es ist dies übrigens ein Problem, das die'ganze abendländische Kulturwelt beschäftigt; denn die tiefgehende Kultur- und VVellaiischaiiungskri.se unserer Zeit ist darauf zurückzuführen, daß die tragenden Kulturideale zum grölten Teil problematisch geworden sind und darum einer Revision' unterworfen werden müssen. i ' ■ W ic stellt cs nun lim unser (Irilcnsidcal, das ja seit geraumer Zeit auch in Untersuchung genommen ist? W esen und Kern desselben ist die B r U de r I i e1i k c i t: denn Wohltätigkeit ist nicht nur unserer Gebieinschal't eigentümlich, und Eintracllt ist nichts anderes als eine Seite der Brüderlichkeit. Ist diese nun für. uns noch, ein Ideal im Sinne dei* oben entwickelten Anschauung vom Wesen desselben? Lassen wir ^Tatsachen sprechen: Ich bin Gast einer auswärtigen Loge. Während der Sitzung, ciiiundeinchulhc Stunde, fühle ich mich vv irklieh als. Bruder unter . Brüdern. Kaum hat sich jedoch die Für des Tempels hinter uns geschlossen, da bin ich Herr unter' Herren mit allen Attributen der berulsständisch gegliederten Gesellschaft. Ich bin nur noch in einem Verein liebenswürdiger Herren., dessen Zweck und Bedeutung gar nicht mul festzustellcn ist. Also Brüderlichkeit auf Zeit und noch dazu auf eine peinlich kurze. In anderen Lögen, ist eine solche Gepflogenheit unmöglich, ja sogar in anderen liemcinschuftcn auf ideeller Basis. So besitze ich einen Brief einer bekannten rechtsstehenden Organisation in Ordensgesfalt an einen' Prinzen aus ehemals regierendem Hause, in dem nur. vom Bruder, nirgends aber vom „sehr geehrten Herrn“, geschweige denn von der Durchlaucht die Rede ist. / Doch soweit handelt es sich nur ipn die Form, die aber >gar nicht so nebensächlich ist. Steht es um den Inhalt besser? Es gilu bekanntermaßen Logen, in denen der Begriff der Neutralität so aufgefaßt wird, daß Strittige Probleme, die draußen die W elt, v or allem auch die'jüdische, in ihren Fielen aufwühlen, nicht behandelt werden dürfen und können —eben der Brüderlichkeit wegen. Düs ligißt und beweist, dgß Slie zentipetale KraTt der Brüderlichkeit nicht stark genug erscheint, den zentrifugalen Kräften der natürlichen Richtungen und Parteiungen ein Gegengewicht zu bieten.

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