Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Journal
- Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Volume
- 8 (1928-1929)
- Issue
- 3 (6.1928)
- Date
- 1928-06-01
- Page
- Seite 114 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 114 MONATSSCHRIFT DER BERLINER LOGEN U.O.B.B. Nr. 3 Arbeitslosigkeit und Arbeitsnachweis Von S; Adler-Rudel, Geschäftsführer des Arlieitcrfürsorgeamtes Als \or mehr als drei Jahrzehnten die Berliner Logen als erste die Initiative zur Schaffung eines jüdischen Arbeitsnachweises in Berlin ergriffen, waren die Verhältnisse wesentlich anders geartet als heute. Das Arbeitsnachweiswesen stand erst am Anfang seiner Kntwicklung. Die allgemeine wirtschaftliche Situation war günstiger und demgemäß auch die Lage der Juden in Deutschland. In den Jahren, die seither vergangen sind, namentlich aber in den Jahren seit Kriegsende, hat sich die wirtschaftliche Situation Deutschlands verschlechtert, die I.age breiter jüdischer Kreise in einer geradezu katastrophalen Weise geändert. Der Krieg und seine Folgen, die F.rschüttcrung der W irtschaft, die Inflation haben den jüdischen Mittelstand als die stärkste Gruppe des deutschen Judentums viel schwerer und stärker getroffen, als alle anderen Bevölkerungskreisc. Die kleinen jüdischen Vermögen sind durch die Inflation entwertet worden, /.ehntausende von Menschen, denen früher ein sorgloses Leben gesichert schien, wurden als Arbeitsuchende auf den Arbeitsmarkt geworfen. Die Kinder des Mittelstandes, denen früher die akademischen und freien Berufe offen standen, sind ebenfalls gezwungen, schon in frühei Jugend ins Erwerbsleben zu treten. Dazfurch ist die Zahl der jüdischen Arbeitnehmer bedeutend größer geworden, als sie vor dem Kriege w.ar. Diese vergrößerte Zahl Arbeitender und Arbeitsuchender steht »einer verminderten Zahl von Arl>eitsplätzen gegenüber. Die dauernde Arbeitslosigkeit, mit der wir in der. allgemeinen Wirtschaft seit Jahren rechnen, trifft wieder die jüdischen Arbeitnehmer schwerer als alle der jüdischen Organisationen Deutschlands. anderen tBevölkerungsschichten. Die Zahl der Betriebe und Unternehmungen, die grundsätzlich Juden nicht mehr einstellen, wächst zusehends. Auch in jüdischen Geschäften wird es immer schwerer, als Jude eine Arbeitsstelle zu erlangen. Die Zphl der Berufe, aus denen Juden überhaupt verdrängt werdep. nimmt ebenfalls zu. Die Folge davon ist, daß der Arbeitsmarkt für den jüdischen Arbeitsuchenden in einem außerordentlichen Umfange sich stetig verengert. Das Ergebnis dieser Entwicklung ist eine zunehmende Verarmung und Verelendung breiter jüdischer Schichten, ein außerordentliches. Anwachsen der Unterstützungsempfänger und damit eine Belastung der gemeindlichen und freien Wohlfahrtspflege. Die eigenartige berufliche Struktur der Juden in Deutschland bewirkt es auch, daß die wirtschaftliche Entwicklung. die Rationalisierung der Betriebe den Umfang der Arbeitslosigkeit stärker steigen läßt als bei anderen Bevölkerungsschichten. Denn dort, wo anstelle von Buchhaltern und Kontoristen Maschinen in den Betrieb eingesetzt werden, wird > die menschliche Arbeitskraft überflüssig. Die Juden sind mit derartigen Berufskategorien überbesetzt, sie stellen deshalb eine größere Zahl der Opfer der wirtschaftlichen Entwicklung und des Rationalisierungsprozesses. In dieser Situation gewinnt der jüdische Arbeitsnachweis besondere Bedeutung. Ist er doch nicht nur dazu berufen, als Mittler zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer für die Linderung der Arbeitslosigkeit zu sorgen, sondern auch durch (Maßnahmen katastrophale Arbeitslosigkeit, wie wir sie jetzt MAX SELLCE Baumkuchenfabrik £^4 W62Kurfürstenstr7f (JJux/ezaichnerer ' 'CcJ.'gexhrnack ■irrcJ Zange C/rischhaZtung (Vornehmes, sfe/s Dczssen&es Geschenk' 2)os9hLind Wk 5~ ZUCugZ fforto- Tkrpocky CARL BERNSTEIN BLUMENAUSSTELLUNG IIHitlltlHtltniiWlMItlfimillUllllilllllllllllllllllltllllllHIllllUllltttUIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIMIIIIIIlIHflBMRHWmiHllllllJimtllUmi SpazlalltltI Tafeldekoratlon TrauarkrBnza TauentzfenstraAe 9 BERLIN W TauentzlanstraB* 9 Der elegante trägt Reisernll Kantete 16* KoJaar Alte« 209 Trinken Sie „Moka EMi" den weltberühmten Kaffee 1 zu beziehen durch alle einschlägigen Geschäfte ■ Sorgfältige Ausbildung als Kraftwagenffihrer BeKhaflung des Führerscheins 3b. Ausbildung ln Einzel- und Oruppenkursen Oie Briiaer-Verlatpgeseüschaft empfiehlt auf Grund persönlicher Erfahrungen die nachstehend genannte Fahrschule den Mitgliedern der ihr nahestehenden Organisationen. Es liegt im Interesse der auszubildenden Damen und Herren, die Fahr Schulleiter persönlich auf die Mitgliedschaft ganz besonders aufmerksam zu machen, da dann besondere Vergünstigungen gewährt werden. Fahndiule »»Am Rathaus Steglift" Inh. Hans Schödcel, Schloßstr.34 35 Steglik 7910