Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Journal
- Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Volume
- 8 (1928-1929)
- Issue
- 1 (4.1928)
- Date
- 1928-04-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4. Nr. 1 — MONATSSCHRIFT DER BERLINER LOGEN U.O.B.B. l und die jüdische Krankenschwestemstation der Berliner Logen U. O. B. B. zur Erfüllung ihrer Aufgaben instand zu setzen. Darüber hinaus war es uns möglich, unser Interesse für die wertvollen kulturellen Aufgaben der Freien Jüdischen Volkshochschule, Berlin, der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums e. V., des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums durch angemessene Beitragszahlungen und Spenden zu erweisen. Dem Jaffa’schcn Fürsorge- und Waisenhaus, dessen Existenz nunmehr seitens des Wohlfahrtsamts der Jüdischen Gemeinde gesichert ist, konnten wir durch eine einmalige Zuwendung unser Wohlwollen erweisen. Zwei Aufgaben aber waren es vor allem, <}eren Förderung uns besonders am Herzen lag und eine große innere Befriedigung verschaffte: die außerordentlich segensreich arbeitende, ausschließlich auf charitativer Grundlage aufgebaute, „Jüdische Kinderhilf e", eine freie Schöpfung einer Arbeitsgemeinschaft von Aerzten und Sachkennern der Wohlfahrtspflege, die in den Kreisen der Aermsten der Armen die soziale Aufhilfe der Familie durch-'die Gesun- —+=-;- düng und Förderung des Nachwuchses sich zur Aufgabe gemacht hat. Es wird yielleicht Gelegenheit sein, auf diese wundervolle Einrichtung noch einmal eingehender zurückzukommen. Der G. W. A. hat in der Erwägung, daß es unsere erste Aufgabe sein muß, für das Wohl der jüdischen Jugend zu sorgen, dieser Einrichtung sein größtes Interesse zugewendet und dieses Interesse durch eine namhafte Spende zum Ausdruck gebracht. Die zweite Aufgabe, der wir unser Augenmerk zugewendet haben, ist die Gründung einer „mensa academica judaica“, eines jüdischen Studentenmittagstisches. Ueber die Notwendigkeit einer solchen Einrichtung bedarf es bei der gerade unter der jüdischen Studentenschaft herrschenden Not wohl keiner Ausführung. Der Gemeinsame Wohlfahrts-Ausschuß hat mit dem Wohlfahrtsamt der Berliner Jüdischen Gemeinde und anderen in Frage stehenden Korporationen die Einrichtung dieses Mittagstisches in die Wege geleitet und wird bestrebt sein, für die Erfüllung dieser Anfgabe zu sorgen. Wir geben uns der Hoffnung hin, daß diese Arbeiten des Gemeinsamen Wohlfahrts-Ausschusses die Zustimmung aller Brüder finden »werden und können unsererseits nur unserer großen Freude und inneren Befriedigung an dieser Logenarbeit Ausdruck geben. Pessachgedanken . Dr. S. S c h i f f (Sp. L.) Die höher steigende Sonne hat die Fesseln gelöst, die ein strengej Winter der Natur angelegt, aus der von Eis und Schnee befreiten Erde lugen die ersten Keime und''der Frühling hält seinen Einzug. In diesen Tagen des neuen Werdens feiert Israel sein Pes$achfest, das Fest seiner Befreiung aus dem Dunkel ägyptischer Knechtschaft, das Geburtsfest seines Volkwerdens. Unerforschlich ist das Erwachen in der Natur; im Göttlichen entspringt die Quelle der Kraft, die sie und uns über die Zeiten der Mühsal und -Bedrängnis zu den Tagen des Lichtes und der Freiheit Tührt, und so lange wir aus diesem Borneschöpfen, werden wir Bestand haben. In den äußerlichen - Erscheinungen der Natur ahnen wir das große Geheimnis der Schöpfung, und aus unseres Herzens Tiefe klingt im Goetheschen Wort unsere Aufgabe und Bestimmung: Nichts-vom Vergänglichen, _ Wie’s auch geschah. Uns zu verewigen Sind wir da! Wie dierjOsterglocken Faust wieder zur Erde zurückführen, so sollen die Gedanken, die die vergangenen Pessachtage in uns . weckten und erklingen ließen, uns zu den Aufgaben zurückführen, welchä^die Loge den Brüdern stellt: Uns zu verewigen. — Wie können wir, deren Dasein doch so kurz bemessen, deren Leben nur ein Tropfen am Eimer der Ewigkeit, uns verewigen? „Wehiggadta le-bincha". Du sollst es deinem Sohne berichten! Uns der Zeiten erinnernd, als wir noch am Eltemtische gesessen, Gedanken und Erinnerungen weckend, die wir vereinigt mit den eigenen Lebenserfahrungen unseren Kindern berichten, hoffend und wünschend, daß diese einst den Faden weiter spinnen, wenn unser Lebensfaden zerrissen, Und so die Tradition pflegend, die unserem Stamme stets heilig .gewesen. So läuft ein Band von den Vorfahren über die Gegenwart zu unseren Nachkommen, eine Kette, die die einzelnen Glieder fest und innig aneinander bindet. Pflegen wir diesen heiligen Brauch der Tradition auch in unseren Logen, erfüllen wir das Osterwort, „Du sollst es deinem Sohne berichten“? Die vor uns den Grundstein zum Tempelbau gelegt, die mit uns an seinem Baue arbeiten, kennen wir, doch wo/sind unsere Söhne, „denen wir berichten sollen" und die berufen, einst den Bau zu vollenden? Wo ist die Verbindung mit unserer Jugend, mit unserer Zukunft? Täuschen wftuns nicht, lasset uns erkennen, (Fortsetzung Seite 8) UNSERE TOTEN Der Orden beklagt den Heimgang folgender Brüder: Name Eingetret. Geboren Verstorben Deutsche Reichsloge 29. 4. 1917 10. 12. 1847 5. 3. 1928 16. 12. 1922 30. 5. 1864 26. 3. 1928 Joseph Asch Eduard Gerechter Berthold Auerbach-Loge Sigmund Jacobv 11. 5.1903 24.10.1855 10. 3.1928 Siegfried -Wachsner 7. 12. 1885 29. 4. 1859, 21. 3. 1928 Montefiore-Loge ’ Uriel Behar 26. 2.1924 24. 9.1863 1. 3.1928 Rudolph Singer Spinoza-Loge 3. 4.1910 15. 2. 1861 Ehre ihrem Andenken! 1. 4.1928 Neuaufnahmen: ^Deutsche Reichsloge. Emil Bon yTr a d y , Strausberg, Wilhelmstraße 40. Ernst D o s s m a r , NW 87, Klopstockstraße 7. Sally Heilbrun'n, NO 55, Greifswalder Straße 221. Jacques Kastellan, W, Kaiserdamm 88. Alfred L e v y . Charlottenburg 4, Clausewitzstraße 4. Sanitätsrat Dr. Oscar Meckauer, 0 34, Warschauer Str. 82. Abraham Geiger-Loge: Abraham Arndt, W 35, Lützowstraße 75. Generaldirektor Isidor Fett, Charlottenburg 4, Clausewitzstr. 5. Hermann Sereiske, 0 27, Blankenfeldestraße 11. Fritz S t r a u-ß , W 30, Bamberger Straße 7. Durch das Zusammentreffen mehrerer Feiertage und Streik in unserer Druckerei wurde die Herausgabe der Monatsschrift erschwert. n