Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Journal
- Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Volume
- 7 (1927-1928)
- Issue
- 12 (3.1928)
- Date
- 1928-03-01
- Page
- Seite 244 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 244 MONATSSCHRIFT DER BERLINER LOGEN U.O.B.B. Nr. 12 i Die Kunstsammlung der Jüdischen Gemeinde J Von Dr. Karl Schwarz, Kustos der Kunstsammlung der Jüdischen Gemeinde. Die Kunstsammlung der Jüdischen Gemeinde hat eine neue Ausstellung eröffnet, die nach langer Unterbrechung wieder einmal einen Teil der mannigfaltigen Schätze dieses bedeutsamen, bisher aber viel zu wenig beachteten Institutes zeigt. Als im Jahre 1907 die Berliner Gemeinde durch das Vermächtnis des Dresdner Sammlers Albert Wolf -in den Besitz seiner in jahrelangem hingebenden Studium zusammengebrachten Schätze an Münzen, Medaillen. Kultusgegenständen, graphischen Blättern. Photographien und Druckwerken kam, war zunächst keine Möglichkeit, diese dem Publikum zugänglich zu machen. Erst nachdem ein geeigneter Raum beschafft war, konnte 1917 die Eröffnung der Kunstsammlung erfolgen, die zunächst eine Auswahl ihres .Bestandes zeigte. Seitdem wurde sie durch Ankäufe. Schenkungen und Angliederung einer Abteilung für moderne Kunst derart erweitert, daß neue Räume hinzugenommen werden mußten. In diesem neuen Gewände zeigt sich nun die Sammlung zum ersten Male. Wir sehen schöne Toravorhänge und -Mäntel aus den hiesigen Synagogen, interessante Wimpeln und andere Stickereien, sehen die mannigfaltigsten Kultusgeräte wie Chanukkalampen. Sederschüsseln. Bsomimbüchsen in den verschiedensten Formen, einige Torazeiger, Schofarhörner und Beschneidungsinstrumentp. Ausgrabungen aus Palästina sowie Amulette und Siegel. In mehreren Vitrinen sind Münzen und Medaillen untergebracht. Die jüdischen Münzen sind in historischer Folge geordnet, während die Medaillen nur eine Auswahl aus den vorhandenen Beständen darstellen. Eine zweite Abteilung bilden interessante graphische Porträts, beginnend niit Manasse ben Israel, dem Amsterdamer Rabbiner und Freund Rembrandts. bis zu Marcus Herz. Hier sieht man große Seltenheiten von künstlerischem und historischem Wert, Kupferstiche, Sbhabkünstblätter, Radierungen und Zeichnungen. das unschätzbare Erbe Albert Wolfs. Den dritten Teil bilden Werke moderner Künstler. Er ist noch in den Anfängen begriffen und daher am' schwächsten und unvollkommensten, immerhin aber doch Besonders was die Graphik anbetrifft, so, daß er ein gewisses Spiegelbild von dem gibt, was heute als Ausdruck jüdischer Kirnst zu gelten hat. Diä neue Ausstelling will ein Bild dessen geben, was bisher, mit bescheidenen Mitteln erreicht wurde. Sie will aber auch aufrufen zu größerer Ihteressenahme der jüdischen Bevölkerung, will an den jetzigen Schätzen zeigen, daß die künstlerischen Dokumente aus alter und neuer Zeit wertvolle Beweise jüdischen Geistes darstellen, die zu sammeln eine Pflicht aller derer ist, denen eine immer tiefere Durchdringung jüdischen Lebens am Herzen liegt. Wenn es bisher nicht möglich war, alle Bestände in einer würdigen Ausstellung vorzuführen — das Gezeigte ist nur ein Teil des Vorhandenen, vieles ruht in Schränken — so liegt dies an den geringen Mitteln, aber vor allem an dem mangelnden Interesse des Publikums. Kein Museum ist erweiterungsfähig, das nicht durch die Unterstützung von Freunden gefördert wird. Die Sammlung der Berliner Gemeinde ist den wenigsten Berlinern bekannt. Wer von den Berliner Brüdern ist schon in der Oranienburger Straße 29 gewesen? Und doch müssen gerade die Logenkreise dazu beitragen, daß Berlin ein seiner Bedeutung als Reichshauptstadt und größte jüdische Gemeinde Deutschlands entsprechendes jüdisches Museum bekommt. Wenn es bisher an Interesse für dieses Institut jüdischer Kunst gefehlt hat, so soll ein Gang durch die jetzige Ausstellung jeden mahnen, nach seinen Kräften an der Erreichung dieses Z:eles mitzuwirken. Unsere Vorfahren dokumentierten ihre Liebe und Verehrung zum Judentum auch dadurch, daß sie alles, was zur Ausübung der Religion und zur Weihe der Feste gehörte, mit allen Mitteln zu verschönen suchten. In liebevoller Hingabe wurden Synagoge und Haus geschmückt, wurde alle Kunstfertigkeit aufgeboten und das traditionell Überbrachte behütet. In vielen Familien findet man noch heute solche Dokumente aus früheren Zeiten, die aber in Kästen und Schränken nur ein antiquiertes Dasein fristen. Viel -wertvolles Kulturgut geht uns durch Nichtbeachtung, Unkenntnis und Wegzug verloren. Heraus mit diesen Schätzen! Laßt die Allgemeinheit an ihnen teilnehmen und vergrabt sie nicht in selbstsüchtiger Weise in eueren Häusern! Es muß der Stolz der Berliner sein, die Sammlung ihrer Gemeinde durch Schenkungen,. Leihgaben und Stiftungen in den Stand zu setzen, ein lebendiges Bild jüdischen Kulturgeistes zu werden, das Interesse an unserer Vergangenheit zu erhöhen, die Jugend an unserem Judentum zu begeistern und das Studium unserer Geschichte zu fördern. Die Leihgabe des Herrn Direktor E. Hirsch, der der Sammlung seine entzückenden Bsomimbüchsen zur Verfügung gestellt hat, ist ein begrüßenswerter Anfang, der Nachahmung verdient. Wie vieles ist uns schon verloren gegangen! Vor wenigen Jahren ist die größte Privatsammlung Berlins, die ein hervorragendes Bild jüdischer Kunst und Kultur darstellte, nach Amerika geftevin-Plodelle SfUbbenstraße 8 » Cdte Bambergerstrafte Telephon Noilendorf 45C4 Entzückende Kleider, Mäntel, Pelze Niedrige Spesen? Kein laden! Seht voriellhafle Preise! Ittontania $andc[*£f feil für Hobt«. Kok* und ftcbcnprodufctc m t> ft. Ct)arlottenburg 2 ‘Knefebeckftc. ä Telephon: Steinpl. 9412 1-f I Sagerplaty: . 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