Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Journal
- Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Volume
- 7 (1927-1928)
- Issue
- 12 (3.1928)
- Date
- 1928-03-01
- Page
- Seite 233 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 12 ' i« ' MONATSSCHRIFT DER BERLINER LÖGEN U.O.B.B, 7 Seife 233 .. ■ ' i *,i '' Br. Paul Nathan und das jüdische Hilfswerk Zur1 ersten Wiederkehr seines Todestages am 15. März 1928., ' Von Br. D r. Mark.Wischnilier (A E L.). Dr. Paul Nathan setzte sich mit der ganzen Kraft seiner Persönlichkeit für die großen Ideen ein, die die weitere und die engere Gemeinschaft bewegen, der er angehörte. Er lebte für die Erkämpfung eines demokratischen Deutschlands und eines freien Judentums. Er hatte mitgeholfen, die Werkzeuge schmieden für die Sache der Freiheit. Er war einer der ersten, der die Notwendigkeit erkannt^, in Deutschland eine Organisation zu besitzen, die ähnlichwie die; Alliance lsraelite Universelle in Frankreich und die Anglo-Jewish Association in” England für die Juden einsprang, die, wo auch immer, politischen Verfolgungen und wirtschaftlichem Elend preisgegeben waren. Als nach den Pogromen der 80er Jahre eine fluchtartige Auswanderung der Juden aus Rußla/id nach Amerika begann und überall auf den Durchwanderungsstationen Komitees für Emigrationshilfe geschaffen werden mußteh, Komitees, ‘'deren Aufgaben sich mit der jeweiligen Hilfeleistung nicht erschöpfen ließen, wurde es Dr. Nathan und seinen Freunden klar, daß nicht spontan einsetzende, improvisierte Aktionen, nottaten, sondern organisierte Hilfe auf weite Sicht. Er gründete mit den Brüdern James Simon, Eugen Landau, Carl Leopold Netter und anderen den Hilfsverein der Deutschen Juden. Ein Paragraph der Statuten des Hilfsvereins spiegelt noch die Forderungen des Augenblicks, aus dem er geboren wurde, in einem Hinweis, auf die „plötzlich hereinbrechenden großen' Katastrophen". Aber schon im nächsten Punkt des Arbeitsprogramms ist die weitausschauende Absicht der Gründer unverkennbar, für die jüdische Zukunft vorbauen zu wollen. Es soll, heißt es da, die geistige und die wirtschaftliche Kräftigung der Juden angestrebt werden, und zu diesem Zwecke sollen _ allgemeine Bildungsanstalten, wie auch — und dies ist bezeichnend — Schulen für Ackerbau und Gewerbe in -Aussicht I genommen werden. , Die heute so dringend gewordene Forderung der beruflichen Ausbildung war eine der Losungen, mit denen Paul Nathan und sein Kreis vor die Oeffentlichkeit traten. Er hat sie verfochten bis an sein Lebensende. Es wird Aufgabe des zukünftigen Historikers spjn, seine Lebensarbeit zu werten. Aber schon jetzt enthüllt sich uns die Bedeutung der einen oder der anderen seiner Handlungen, die für seinen Fernblick zeugen. Im September 1914 schrieb Dr. Nathan an Jakob H. Schiff, daß alle Kräfte auf die Hilfe in Russisch-Polen, - Rumänien und in der Türkei konzentriert werden müssen, wo . die Juden am schwersten betroffen werden würden. Er war einer derjenigen, die den Anstoß gaben zur Schaffung der gewaltigsten jüdischen Wohlfahrtsorganisation, des American Jewish Joint Distribution Comiitee. Kurz vor seinem Tode regle Paul Nath'an in seiner viel beachteten Schrift „Das Problem der Ostjudeir“ an, man möge die jüdische Wanderung aus den westlichen und südwestlichen Gebieten der Sowjetunion nach den zentralen und südwestlichen Gebieten leiten. Im Jahre .1928 beabsichtigt nun die Sowjetregierung mit der Besiedlung eines Gebietes am Amur durch Juden zu beginnen. Der Plan eines autonomen jüdischen Bezirkes im Fernen Osten . mit einer Million jüdischer Bevölkerung, wie er augenblicklich von der Sowjetregierung erwogen wird, mag sich nicht ganz piit dem decken, was Paul Nathan vorgeschwebt hatte. Aber auch hier hat er irgendwie j Reliefbild in'Bronze von Br. Jacob Fleßner (B. A. LfJ .fSTä * ■ ’ ‘“T den kommenden Dingen vorgegriffen und in seherischem Eifer gesprochen. ■ ■ t ■ Unserem Orden gehörte Paul Nathan als Bruder "j^er 'm Berlhold-Auerbadti-Loge vom Dezember 1904 bisr zu seinem Tode an. t < i r ■ — Die Jubiläumsausgabe von Moses Mendelssohns gesammelten Schriften. Anläßlich der 200. . Wiederkehr des 'Geburtstages Moses Mendelssohns sollen die gesammelten Schriften des Philosophen als Jubiläumsausgabe erscheinen. Herausgeber sind im Aufträge der Akademie für die Wissenschaft des Judentums und der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums Professor Ismar Elbogen, Prof. Jul. Guttmann, Prof. Eugen Mittwoch, in Gemeinschaft mit Dr. L. Bamberger, Dr. Ch. Borodianski, Dr. J. Rawidowitsch, Dr. Bruno Strauß und Dr. Leo Strauß. Die Vorarbeiten sind nunmehr soweit gefördert, daß zu Beginn des neuen Jahres drei Bände druckfertig vorliegen. Die Ausgabe wird im Akaden^e-Verla|j erscheinen und etwa 15 Bände umfassen. Sie zerfällt in: Philosophische Schriften. Judaica- Hebraica, Literarhisfoijisches ‘ui\d Briefe. Eine Mendelssohn-Biographie und Bibliographie, eine reichhaltige Sammlung Reproduktionen von Porträt^ und Büsten, sowie Faksimiles von Handschriften des Philosophen werden als Ergänzungsbände den Schriften angefügt werden. Im Hinblick auf, die volkstümliche Persönlichkeit Mendelssohns hat. es sich diese erste kritische Ausgabe zum Ziel gesetzt, Unbeschadet ihrer gründlichen wissenschaftlichen Anlage, auch , dem größeren Publikum zugänglich zu sein. Der Akademie-Verlag (Berlin W 35, Lützowstraße 16) wird die Subskription demhächst eröffnen. I