Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Journal
- Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Volume
- 7 (1927-1928)
- Issue
- 12 (3.1928)
- Date
- 1928-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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I derBEßONE ''T1' OEIENUOBB -- BERLIN W 62. KLEISTSTR. 10. LOOENHAUS - 7. JAHRGANG l ■ MXRZ 1928 •| '■ t NUMMER 12 I . Begrüßungsansprache für die neuen Brüder; Eine Ansprache von Br. Präs. Vor einer Reihe von Jahren hielt ein Bruder unserer Loge einen Vortrag über den Egoismus als alleinige Antriebskraft für alles menschliche Handeln: Die Raubtierinstinkle im Gewaltmenschen wie die Opferkraft im Märtyrer, der freudig für seine Uebcrzeugung stirbt — die Käuflichkeit der Dirne, die sich dem Höchstzahlcndcn hingibt und die stumme Hingabe der Mutter, die Nachtwache hält am Bett des kranken Kindes — alles Egoismus. Damals widersprach ich dieser These — heute empfinde ich sie als etwas Naturgesetzliches, und ich möchte diese Auffassung nur durch ein Bild, durch ein Gleichnis zum Ausdruck bringen, das' ich dem Unerschöpflichen Arsenal Gocthcschcr Gedanken entnehme. In seinem Gedichte „die Methamorphose der Pflanzen" sagt der Dichter, daß im Samenkorn die ganze Pflanze beschlossen liege: Wurzel und Stengel, Blatt und Kelch, Blüte und Frucht. Ein und derselbe Lebenstrieb baut sie auf. Aber der aufsteigende, aufbauendc Saft wird nur immer feiner, immer sublimierter, bis er durch seinen feinsten Extrakt, mit sc(ner konzentriertesten Kraft das Wunder der Blüte und der Frucht geschaffen hat. So ist auch der menschliche Egoismus in immer wechselnder- Form entwicklungsfähig. Mag er wie der Wurzclstock mit klammernden Organen nur aus dem Materiellen Kräfte saugen, er über die Niedrigkeit, über den Durchschnitt hinauswachsen und ein Leben durch Blüten und Früchte krönen •— stets bleibt er im Rahmen des Naturgesetzes, das der Dichter formuliert: Und ist das Ewigeine, Das sich vielfach offenbart. In diesem völlig unpersönlichen Sinne möchte ich von einigen egoistischen Beweggründen sprechen, die jemand zu dem Wunsche veranlassen könnten, Mitglied unsres Ordens zu werden, davon sprechen, wie diese Beweggründe zu Enttäuschungen führen, und wann sie Schrittmacher für unsre Ideale sind. Jeder Mensch, der in einen Spiegel blickt, hat den Wunsch, zu sehen, was ihm gefällt. Auch im Spiegel des Gesellschaftslcbcns möchte man vorteilhaft erscheinen und wählt dafür den besten Rahmen, den man ermöglichen kann. Der hohe Ruf unsres Ordens, der gute '“Klang, den der Name einer Loge besitzt, machen den Wunsch verständlich ihnen anzugehören. Man sieht - in der Aufnahme einen Vorzug, glaubt voller Stolz, sich einer gesellschaftlichen Selektion zuzählcn zu dürfen und seiner sozialen Stellung ein schmückendes Vorzeichen gegeben zu haben. Dabei wird leicht übersehen, daß der Eintritt in eine Loge noch kein Ziel ist, bei dem man beharren darf. Es ist nur 1 Samuel Jacoby (M, L.). der Ausgangspunkt zu einem höheren Ziel. So kritisch unsere Prüfungsausschüsse auch sind — das Hineingekommenseii^ attestiert immer nur ein Mindestmaß von Eignung. Das Höchstmaß, die wahre Vollwertigkeitj ist das fdcah dem’ wir. alle zustreben .müssen, von dem wir aber alle mehr oder weniger weit entfernt, ^bleiben. Fbrschen wir aber nach d^n< Gründen, die, so manchcn.jin seinem LogcnsA-ebcij zu schnell ermatten lassen, so finden-'wir ü. a.-auch .den Grund; daß sich der Betreffende nicht daran gewöhnen t kann, hier einer unter Gleichen zu sein, daß er die Vorzugsstellung vermißt, .die er außerhalb der Loge cinnimmt und sich nicht dje Mühe geben will, sie sich hier zu erarbeiten. Das Wort „Awaudoh", dieses Grundwort für den Begriff des Knechtscins, ist im Judentum zugleich zum Begriff der vollen- Hingabe an den Dienst für Gott geworden. Unsre Logenarbeit ggdeihtam besten im Sinne dieses Kncchttums, wenn cs sich zugleich im Sinne des Psalmisten vollzieht: „Dienet dem Herrn mit Freude." i .. Es gibt aber auch höhere. Beweggründe als gesellschaftlichen Ehrgeiz, i Aus verfeinertem 'Empfinden wächst das Scclcnbedürfnis, in ■ einem Kreise hochgesinnter Menschen etwas zu Helten, der Wunsch, an eineridealen Sache mitzuarbeiten und die eigenen Kräfte organisatorischer odef rein geistiger Art zur Geltung zu bringen. Auch Bfüder mit. solcher Gesinnung fühlen sich zuweilen enttäuscht und stehen dann gleichgültig beiseite, weil sic nicht sobald zum Wirken kommen. Sie sollen ausharren und ihre Stunde abwarten. Auch sie, die geistig Reichen, sollen in Reih und Glied stehen und es als beglückend empfinden, der großen .Masse /anzugehören. Denn dann empfinden sie sich zugleich als mitschwingende Teile im großen Räderwerk, als. klingende Saite in der großen Symphonie. So wie nur aus'der Demut der echte,Stolz erwachsen kann, so nur aus dem Zusammenhang mit der Gemeinschaft der Wert des Individuums. Wir wollen keine Narren ^uf eigene Hand“, keine Meteore, die aufbliUeh und erlöschen, weil sie den Zusammenhang mit ihrem Weltteile vebloren haben. Lassen Sie mich nun vom höchststehcnden{_ Egoismus sprechen, dem eigentlich zwcckbefreiten, von dem Egoismus, der das eigene, kurze, vorübergehende Dasein mit einer Idee von ewiger D a-u c r* verknüpfen will. Auf-dem Wege zu diesem Hochziel muß man die Hoffnung auf persönliches Genügen zurücklasscn, die' größt; Antriebskraft aber, die uns dazu befähigt, heißt Gehorsam! ‘( Und so stellet auf die Blüte Bald und bald die Frucht sich ein, Ist Gehorsam im Gemüto, Wird nicht fern die Liebe sein. — Meine lieben Brüder: Ich halte es .für meine unabweisbare Pflicht, Sic grade heute unmittelbar nach Ihrem feierlich i I I i