Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Journal
- Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Volume
- 7 (1927-1928)
- Issue
- 11 (2.1928)
- Date
- 1928-02-01
- Page
- Seite 220 (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 220 MONATSSCHRIFT DER BERLINER LOGEN U.O.B.B. Nr. 11 Ein Beitrag zur Geschichte des Aberglaubens Das „Gesundbohren". Aul der Kreischaussee Glienicke—Zossen fand man einen Baum, der an der Einfahrt zu einem Bauerngehöft stand, be- ' »chädigt. Der Baum war zweifelsfrei angebohrt worden und die Oeffnung hatte man mit einer teerartigen Masse ausgefüllt und mit einem Holzstöpsel zugepfropft. Der Verdacht lenkte sich auf den Besitzer des Gehöftes; man vermutete, daß der Baum ihm unbequem war, da er die Einfahrt beengte ubd daß der Bauer ihn auf diese Weise zum Absterben bringen wollte. Das Schöffengericht — die durchaus wahre Begebenheit spielt im aufgeklärten 20. Jahrhundert! — verurteilte den Angeklagten zu einer Geldstrafe: er legte aber Berufung ein und vor dem Landgericht führte der Verteidiger zur allgemeinen Lieber-1raschung aus. daß ein Bauer durch das beschriebene Verfahren niemals einen Baum zum Absterben würde bringen wollen und können: die dem Baum zugefügte Wunde stehe in keinem Verhältnis zur Größe und Lebensfähigkeit des Baumes und übrigens sei der Einschnitt verhältnismäßig klein und sehr gut „ver-# bunden“. Es handele sich vielmehr um die Betätigung eines alten^ Aberglaubens, der in der Mark noch weit verbreitet sei. um das sogenannte ..Verbohren von Krankheiten“. Man ■ sagt ja nicht umsonst von einem Menschen, daß er „verbohrt" sei! Die Leute glaubten, daß man eine langwährende Krankheit, besonders offene Schäden arii Körper, heilen könne, wenn man ein mit der kranken Stelle während einer bestimmten Zeit in Berührung gebrachtes Stück Holz in ein frischgebohrtes Baumloch stecke. Man nehme an. daß. wenn die Säfte des Baumes, der besonders mächtig sein muß. mit dem Stück Holz in Berührung kommen und der Baum weiter gedeiht, auch die Krankheit schwinden müsse. Namentlich wohnen in der zur Diskussion stehenden Gegend verschiedene Personen, von denen zur fraglichen Zeit fortwährend abergläubische 0[ferationen und Kuren ’ versucht worden seien. Wer im betreffenden Falle daß „Gesundbohren" geübt hat, konnte nicht ermittelt werden; die Verhandlung schloß naturgemäß mit der Freisprechung des Angeklagten. * Auch an diesem Falle sehen wir, wie fest gerade der medizinische Aberglaube im Volke wurzelt. Es wechseln Staaten, Religionen. Kulturformen — der Aberglaube bleibt bestehen. Der Ursprung des „Gesundbohrens" reicht in uralte Zeiten zurück, seine Quelle liegt in Anschauungen, denen die arischen Stämme huldigten, als sie noch reine Naturvölker waren. Seit jeher erschien dem Manschen die Gesundheit als das wertvollste Gut und die Krankheit als eine der schlimmsten Prüfungen. Er forschte nach den Ursachen der letzteren, so gut er eben konnte; er fand, verschiedene Ursachen und als eine der wichtigsten erschienen ihm Würhier aller Art, die in den Körper eindrangen und an ihm zehrten, bohrende und stechende Schmerzen hervorriefen. So völlig grundlos war die Annahme nicht, parasitische Würmer können in der Tat Erzeuger verschiedener Krankheiten sein, aber der forschende Naturmensch verfiel in den Fehler, daß er diese Ursache zu einer allgemeinen machte. Würmer sollten alle möglichen Krankheiten erzeugen; noch heute nennt das Volk verschiedene Krankheiten Fingerwurm, Herzwurm. Fjeischwurm, Beinwurm, Markwurm, Haarwurm (Gicht) usw. .— 1 besonders die Landärzte könnten Bände über Krankheiten und ihre Erreger verfassen, die allein dem Volksglauben entstammen und wissenschaftlich genommen nur Spalten der Witzblätter füllen könnten. Uebrigens sagen wir heute noch, daß jemand Raupen und Motten im Kopfe habe, früher war das gar nicht bildlich gemeint, man glaubte steif und fest, daß wirkliche Raupen und Motten in den Kopf eingedrungen wären und allerlei Kopf- und Gehirnleiden verursachten. Die Insekten zählten bei unseren Altvordern natürlich auch zum Gewürm. 'Üö.erlirusr vS UKer m-arÄnfabrik .Adolf ^KondoP'- ÜÄclui SO 36- Occmierusir- 1 &3- Zu beziehen durch die Fach£e<ichaf v QM+UT* '.vxkauf coo SU&e&xxLcen cuf obt&G &cihcihmjQrh& Schwitzkabinen für den Hausgebrauch mit Spiritus- oder mit elektr. Beheizung (eigene Fabrikation) BERNHARD GLADOW Berlin NW 6, Charitestraße 5 Fernsprecher: Norden 4844 Ratschläge lürS Haus Man schützt den Fußboden bei Malerarbeiten, indem man, nach dem Ausräumen des Zimmers, den Parkett- oder Linoleum- Fußboden mit einer dicken Schicht von Sägespänen bedeckt. Diese schützt ihn und nimmt allen Schmutz auf. 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