Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Journal
- Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Volume
- 7 (1927-1928)
- Issue
- 11 (2.1928)
- Date
- 1928-02-01
- Page
- Seite 213 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 11 MONATSSCHRIFT DER BERLINER LOG&N U.O.B.B. / Seite 2li Briiücr beisammen sitzen. Nicht der große Vortrag oder die geistvolle Diskussion, sondern das sei das Logenerlebnis: daß man aus dem Lärm dieser großen, kalten, herz* und erbarmungslosen Welt des heutigen Lebens in ein Haus getreten ist, und dem ersten besten, der zufällig an der Tür steht, die Hand reicht und ihm Bruder sagt; und daß man sich in einem menscherfüllten Raun? auf einen Platz setzen muß, wie man ihn gerade findet, und dem Menschen zur rechten die Hand gibt und ihm Bruder sagt und dem zur linken die Hand reicht und ihn mit, Bruder grüßt, und man sich so aus W^ltenlärm und Lebenssturm mit Menschen auf einem Eiland zusammenfindet, wie es seinesgleichen kein anderes in der Welt von heute gibt: Loge! Die Bibliothek der BerlinerLogen »Von Br. Expr. H. Ostberg (Sph.) Vor etwa 2 Jahren sind an dieser Stelle die Grundsätze dar-, gelegt worden, die für den Ausbau unserer Logenbibliothek maßgebend waren. Der Bibliotheksausschuß des gemeinsamen Komitees legt jetzt in einem kleinen Katalog Rechenschaft ab über die von ihm vorgenommenen Bücherbeschaffungen und ermöglicht es,dem Leser, einen Ueberblick zu gewinnen, in welcher Weise die Bibliothek vergrößert worden ist. Einen beträchtlichen Teil nehmen die Anschaffungen auf belletristischem Gebiete ein. Da fehlen wenige der guten modernen Autoren. Die wertvollsten neuen Bücher sind berücksichtigt. Es ist dafür Sorge getragen, daß auch Werke ausländischer Autoren in ausgedehntem Maße angeschafft worden sind. Neben Meistern deutscher Erzählungskunst wie*) ßrod, Bruun, Dauthendey, Döblin, Flake, Hesse, Heinrich und Thomas Mann, Rene Schickele, Schnitzler, Thies, Wassermann, Arnold und Stefan Zweig, um nur einige zu nennen, finden wir Bücher nordischer Erzähler; aber auch . Franzosen, Russen, Spanier, Italiener, Engländer und Amerikaner sind reichlich vertreten. Es sind u. a. beschafft worden Werke von Claude Anet, Conrad, Anatole France, Galsworthy, Hamsun, Jenscn, Sinclair Lewis, Ljcskow, Jack London, Karin Michaelis, Pcladan, Pirandello, Romain Rolland, Shaw, Uptqn Sinclair, Stevenson, Tagorc, Una-' muno, Gabriele Zapolska. In der Abteilung Judaica finden wir Schriften des Philo- Vcrlages, zionistische Werke, Enzyklopädien u$w., die die schon vorhandenen sehr reichhaltigen Bestände dieses Gebietes ergänzen. Insbesondere seien auch genannt das neue Jüdische Lexikon, herausgegeben von Dr. Herlitz und Dr. Kirschncr, Krcppcl, Juden und Judentum von heute, das Aufsehen erregende Buch von Pälliärc, „Das unbekannte Heiligtum.“ *| Hi*r alphabetisch geordnet Unter der Gruppe „Verschiedenes" sind Bücher aus den Gebieten der Erziehung, der' Psychoanalyse, des Sports und des Körperbaus zusammengefaßf. i^indererziehung, Sport und Turnen sind besonders bergcksichtigt und auch die Körperkultur der Frau wird in mehreren Werken behandelt. Die Kunst ist in auserwählten Werken vertreten. Wir finden die köstlichen Schilderungen Ka$ipiir von Chledowski's und erfreuen uns des Prachtwerkes des Direktors der Berliner Porzellanmanufaktur, Nicola Moufang, „Alt-Berlin in Porzellan", das in kostbarem Vierfarbendruck die Werke zur Darstellung bringt, die die Porzellanmanufaktur 'für das Cafe Schottenhaml ger schaffen hat.. ' Unter dfer Rubrik: Politik, Memoiren, Reisebeschreibungen, Naturwissenschaft, ist eine ganze Reihe von Werken zusammengefaßt. Wir nennen ah Autoren Bölsche, Brandes, Corti, Döblin, Eulenberg, Frank Harris, Hollitscher, Keyserling, Lichnowsky, Emil Ludwig,/ Mozkowski, Rathenau« Schleich, Strcsemann. Theodor Wofff, Ziegler, Arnold und Stefan Zyveig, um darzutun, in welchem ausgedehntem Maße diese Gebiete berücksichtigt sind. ' Zum ersten Male enthält ein Katalog unserer Bibliothek eine Rubrik „Logenwesen, Freimaurerei usw.“. Man hat es sich angelegen Sein lassen, eine ausgew.ählte Anzahl von Werken dieses Gebietes zu beschaffen, das des. Interesses zahlreicher Leser sicher ist. Der neue Katalog wird den Mitgliedern der Logen und der Schwesternvereinigungen unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Die Bibliothek ist an jedem Logentage eine Stunde vor der Sitzung geöffnet. Die Verleihung der Bücher erfolgt kostenlos. Die durchschnittliche Besucherzahl schwankt , zwischen 700 und 800 pro Monat. Man hat mit gutem Erfolg in den beiden letzten Jahren die Bibliothek auch während der Ferienmonate offengehalten. Es ist zu erwarten, daß der heue Termin hierin keine Aenderung bringt. - ■ ' Logenarbeit \ on Br, M. L c w i n s k i (T. J. L.). Der Zweck der Logenvorträge ist die Aufklärung der Brüder. Der Zweck der Aufklärung ist die Tat. Die Logenbrüder sind nicht passiv aufnehmende Aestheten, die erfreut geistige Bilder an sich vorüberziehen lassen wollen. Sie wollen nicht erbaut sein, sondern angespornt, unterrichtet werden. Das ist es, weshalb so viele Brüder mit den üblichen Vorträgen nicht zufrieden sind. Die Gründe sind klar. Die Brüder wollen draußen im Leben arbeiten, nicht bloß materiell — dabei kann ihnen die Loge wenig helfen —, sondern auch i d eml 1, besonders sittlich. Ueber die sittlichen Aufgaben wollen sie' Aufklärung finden und ferner über die möglichen Wege zur Erfüllung und Lösung der Aufgaben. So lange und so oft wollen sie sich in 'Vortrag und Diskussion mit jeder Aufgabe beschäftigen, bis die Klärung erfolgt, die Einstellung zu ihr ermöglicht, die Anregung zur Betätigung geschaffen ist. Vorträge, die zu diesem Ziele nicht beitragen, sind nur Dekoration, dürfen jedenfalls in i^lasse nicht auftreten. Die Aufgabe, die den geistigen Ausschüssen hiermit gestellt wird, ist schwer. Kein Beteiligter braucht sich zu wundern, wenn es Kfitik gibt. Aber die Kritik muß die Logenarbeit aufwärts führen. Sie muß die Logenarbeit intensiver und zielvoller gestalten. Der ewige Streit, ob wir jüdische oder andere Themata bevorzugen, sollte enden. Jedes sittliche Thema ist jüdisch und wird in der Art seiner Behandlung den jüdischen Menschen offenbaren. Entfernung vom sittlichen Thema aber, Spielen mit ihm, ist u n j ü d i s c h und führt zur Lässigkeit und L,eerh^it der Lebenshaltung. Soll ich Beispiele nennen, was für Theibafci und Aufgaben ich meine — als ob das nicht klat wäre? Der Ostjude stellt uns sittliche Aufgaben, seine Not, sein Lebensdrang, sein Streben nach Befreiung. Wie sollen wir uns zu seinem Drang nach Zion stellen? Wie und unter welchen Bedingungen können wir ihm helfen? Das allgemeine Proletarierclend, das jüdische und das allgemeine, das jüdische als ein Teil des allgemeinen, ist und bleibt ein Zentralproblem., Was ist’s mit dem Siedlungsstreben, dem allgemeinen und dem jüdischen? Kann das Luftmenschentum durch Stärkung und Erhöhung des H a n d w e r ks t a n d e s abgebasit werden? Welche jüdischen Hilfsorgan/isationen gibt.es in Deutschland und der Welt, was leisten*sie, wie sind sie etwa zweckmäßig umzubauen? Kann dem ewigen Umsturz aller sozialen Verhältnisse durch große Kriege wirksam vorgebeugt Werden? Lauter Themata, über die nicht leichthin vorgetragen werden kannj die wir aber immer und immer wieder zäh bearbeiten müssen. Die sittliche Arbeit kann nicht in der einzelnen Loge vollendet werden. Die Logenarbeit muß 'aber dazu dienen, die Menschen vorzubereiten und auszubilden, die draußen an verschiedenen Stellen sittlich arbeiten wollen. Wir wollen in der Loge den Standpunkt zu den sittlichen Problemen gewinnen und den Ueberblick über die Wege, die zur Lösung führen. Vortrags- und Beratungsarbeit, die dies nicht leistet, interessiert uns nicht.