Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Journal
- Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Volume
- 7 (1927-1928)
- Issue
- 10 (1.1928)
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 193 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 10 Seite 193 MONATSSCHRIFT DER BERLINER LOGEN U.O.B.B.' and mit seiner Billigung wurden die zum Teil zerstreuten Abhandlungen, Trauerreden usw. als bleibender Quell geistiger Anregung und ethischer Förderung gesammelt. Maretzki war ein Mann der Tat, nicht des Wortes, obgleich er es völlig beherrschte, ein Mann, der jedes Gepränge verwarf, wenn sich mit ihm nicht wertvoller Inhalt und Zweck verband. Die Verbindung seines Namens mit einer Ordensinstitution konnte vergäng- - lieh sein, wie jene Institution selbst. Nicht eine einzelne Institution, sondern der ganze deutsche Orden sollte von seiner Lehre, d. h. der Notwendigkeit und der Möglichkeit sittlicher Höherentwicklung durchdrungen sein. Man denkt unwillkürlich an den großen Propheten, dessen Grab verborgen bleiben sollte, damit nur seine Lehre und nicht dieses Grab ein äußerlicher Gegenstand der Verehrung würde. Das Wandeln auf den Spuren Maretzkis, das Nachsinnen über seine Gedankengänge, die Beschäftigung mit seiner geistigen Hinterlassenschaft bedeutet Studium der Ordensgeschichte, Verinnerlichung der Ordensideen, Selbsterziehung, Höherentwicklung. III. Die Betrachtung einer Persönlichkeit wie Maretzki, der sich wohl mit allen im Orden auftauchenden Fragen innerlichst beschäftigte und zu ihnen in gewissenhafter Forschung Stellung zu finden gesucht hat, kann immer nur einen kleinen Ausschnitt seiner Gesamtpersönlichkeit und seines Wirkens erfassen. Im Sonderausschuß suchte Maretzki die von ihm erstrebte Höherentwicklung <fer Brüder und damit des Ordens.der Verwirklichung näherzubringen. Rührend, wie er —p nur aus dem völligen Aufgehen in der Ordensidee erklärlich — praktische Kleinarbeit mit philosophischer Ueberlegtheit verband. Als Diener des Ordensgedankens und als Mitglied der Großloge sich für das Ganze verantwortlich fühlend, suchte er allen Logen durch Richtlinien Anhaltspunkte zu geben, ohne durch die Arbeit des S. A. die eigenste, vornehmliche Tätigkeit der einzelnen Logen und ihrer Führer irgendwie ersetzen zu wollen. Praktischste Kleinarbeit leistete er in jenen bekannten Richtlinien*), durch die er jeden Logenbesucher .an jedem Logenabend irgendwie >u fördern suchte. Seiner Anregung in erster Linie jst es ferner zu danken, daß die in der Logenliteratur einschließlich des O. B. B. und der Protokolle des Generalkomitees des Geschäftsausschusses und der Vollversammlungen der Großloge vorhandenen geistigen Werte nutzbar wurden und nicht verkümmerten, und daß zu diesem Zwecke ein von Br. Finkei allmählich seiner Vollendung entgegengeführtes Stichwortverzeichnis angefertigt wird, welches alle im Ordensleben irgendwo und irgendwie besprochenen Fragen, Probleme, Institutionen, sowie die daran durch Mitarbeit beteiligten Persönlichkeiten des Ordens unter Hinweis auf unsere Literatur alphabetisch erfaßt. Und schließlich eine Frage, in der Maretzki noch heute als klarer, geistiger und schöpferischer Führer erkennbar ist. {n der letzten Sitzung des Geistigen Ausschußes — im Februar 1927 — beschäftigte man sich eingehend mit dem Problem, durch kurze Flugschriften die Ordensliteratur zu bereichern, bzw. eine solche Ordensliteratur, aus welcher sich jeder Bruder Belehrung über den Aufbau und die Geschichte sowie über die Grundprinzipien des Ordens unschwer verschaffen könne, herzüs bellen. Von diesem Problem war bereits der vor einem Jahrzehnt entschlafene Maretzki erfüllt. Die Brüder müssen wissen, so führt er aus, welche Lcb|ensanschauungen und Betätigungen zu einem sittlich voll ausgeprägten Leben gehören, und welche Mittel wir gebrauchen, um uns auf dem Lebensweg vor Irrtümern zu bewahren. Unkenntnis über ethische Grundsätze ist es, die so manche Verirrung ver- / schuldet. Es seien also neben dem Beispiel (von dem er eindringlichste /Wirkung erwartete), neben dem ungezwungenen Verkehr mit sittlich hochstehenden,'Brüdern in der Loge durch periodische Schilderung verstorbener, ethisch besonders hervorragender Brüder Belehrungen auf dem. Gebiete der Ethik und M oral notwendig. Maretzki schlug sodann eine ganze. Reihe von Themen vor, die von geeigneten Brüdern bearbeitet und dem-ganzen Orden zugänglich gemacht-werden sollten, um einer Verflachung im Ordensleben' zu begegnen. Er maß jenen seinen Vorschlägen und Themata die dankbar größte Bedeutung bei. So der Erklärung der Begriffe des „Guten und Bösen", „Egoismus und Altruismus", „PfHchtenkreis", „Ehre und Ehrliebe", * „Nützlichkeit*- und Glücksstandpunkt in der Lebensauffassung',', „Pflichtgefühl, Freundschaft, Geselligkeit als sittliche Pfeiler der menschlichen Gesellschaft" und ähpliches. Derartige Besprechungen seifen nicht nur in der Loge, sondern den [ihnen nahestehender) Jug&ndvereinen als eiserner Bestandteil des Arbeitsstoffes einzuführ.en. I ■; .• iv. Maretzki darf noch immer unser Führer in' der Behandlung des Nachwuchses sein. Auch, vom- Standpunkte des Geistigen Ausschusses sprach er. sich. n i c.h t, g e g e n den Ein-' fluß und die Mitarbeit der-Jugend im Orden aus; .im Gegenteil: Er erwartete 'von ihnen ein frisches Leberi und größere Lebhaftigkeit im Orden. In Uebereinstimmung mit unserem verewigten Führer darf ich' aber wohl äpssprechen: Was der Orden verlangen kann und verlangen m u ß, ist, daß die Jugend, daß die jungen Mitglieder, bevor sie verantwortungsvolle Stellungen übernehmen, sich mit der Geschichte des Ordens, -mit seinen Leistungen, mit seinen Aufgaben, seinen ethischen Cyrundsälzei) vertraut macht. Wir können fordern, daß alle Brüder, und gerade diejenigen,- welche Logenämt^r oder auch nur Sitze in Ausschüssen erstreben, Wissenschaft darüber erlangt haben, was der Orden will, was er geleistet; Ijat und noch leisten soll. Kenntnisse, deren Förderung der von Maretzki wieder ins Leben gerufene Sonderausschuß zu fördern bestrebt ist. Unter Maretzkis Führung bereits,, sechs Jahre vor seinem Hinscheiden, stellte der Geistige Ausschuß ein Arbeit s'-. Programm, auf (lamge Sicht auf: ,tSammlung’. von Berichten über Arbeitsnachweis, Arbeitsstätten, .Förderung des Ackerbaues, ^Ferienkolonien, Kinderheilstätten usw. und deren Verwertung zu'übersichtlichen Referaten, Anschaffung jüdischer Zeilamgcn, Zeitschriften und Bücher aller Länder und- Zusammenstellung und Besprechung der wichtigsten Artikel unter Berücksichtigung der nicht jüdischen Presse: Biographische Galerien berühmter jüdischer. Männer und Frauen aus dem 19. Jahrhundert, in erster Reihe von Ordensmitgliedern: Besprechung der großen g e i-s t i g e n kulturellen und sozialen Fragen in' dem Gegenfvartsleben der Juden: Revue der Leistungen der Juden auf allen Gebieten etwa vori 2 Jahren zu' 2Jahr e n." ■ , , >' Manches Samenkorn aus, diesem Arbeitspro’gramm ist auf fruchtbaren Boden gefallen. Willkommen jeder, der? uns hilft, im Orden und für den Orden diese von dem Verewigten sich und uns allen gestellten Aufgaben lösep. *) Vergleicht* Beilage zum O. B. B. Februar 1912, -Seite' 21: Die Referate sind vor Ermüdung der Brüder etwa 1 •_* Stunde nach Beginn der Sitzungen zu halten, wtl. mit Unterbrechung der Tagesordnung. Die Formalicn sind auf das äußerste zu beschränken; alle Fragen, welche die Kulturintercsscn des'Judentums mittelbar oder unmittelbar berühren, sollen herangezogen werden. Sogar mit der Frage, ob dem Spiele am Schlüsse der' Logensitzung Aufmerksamkeit - zuzuwenden ist und das Uebcrtnaß einzudämmen ist. wurde von M. eingehender Erörterung gewidmet. Erörterung g< 'f Verein für Ferienkolonien jüdischer Kinder E. V. zu Berlin. Büro C 2, Rosenstr. 2 4, Telephon: Norden 5711. Der seit 44 Jahren bestehende Verein lür jüdische Ferienkolonien unterhält; drei Kindererholungsheimc, Salzelmen, Hirschberg und Misdroy, von welchen die beiden erstgenannten während des .ganzen Jahres, das letztgenannte von April bis Oktober geöffnet sind. Anmeldungen erholungsbedürftiger Kinder im Alter von 7 bis 14 Jahren werden für die 'Winterkolonien sofort, für die Sommerkolonien bis Mitte. März schriftlich erbeten. Nähere i Auskünfte werden im Büro des Vereins, Berlin C 2, Rosenstr. 2 42 werktäglich von 10 bis 1 Uhr, nach vorheriger telephonischer An, meldung auch zu anderer Zeit erteilt. I i