Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift der Berliner Logen UOBB · 1928-01-01 · 10 (1.1928) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
Volume
7 (1927-1928)
Issue
10 (1.1928)
Date
1928-01-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/4885084-6352609-6352876--0435-4885495
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

deiBEBLINERALOG E N UO.BB. ———— BERLIN W 62. KLE1STSTR. 10. LOOENHAUS 7. JAHRGANG JANUAR 1928 NUMMER 10 Vorspruch zur Trauerloge Von Br. Hugo 0 s t b e r g (Expräs. d. Sp.-L.). Frage nicht: Weshalb? Warum? Zwecklos ist das Fragen. Schicksal sendet dir dein Teil, und du mußt es tragen. Frage nicht: Weshalb? Warum? Nutzlos ist dein Sinnen. Wie den Sand verströmt die Zeit, ruft es dich von hinnen. Sandkorn du, im Wüstenmeer, Tropfen in der Welle, Bald wird deine Spur verweht, leer wird deine Stelle. Endlos ist die Ewigkeit, winzig ist dein Leben, Sinnlos deine Eitelkeit und ihr rastlos Streben. Ruhevoll im Lauf der Zeit fließet ew'ge Welle, Mond und Stern und Dunkelheit, — flieht die Tageshelle ... Geht dahin deim Liebstes dir, fühlst du öde Leere, Fühlst, mit tiefer Bitterkeit, deines Unglücks Schwere. Leben kommt und Leben geht, nichts ist festzuhalten. Für die Welt, für jedermann alles' bleibt beim alten. Und nur dein Gedenken baüt, schlägt zum Toten Brücke. Doch vergeblich alles ist, ewig klafft die Lücke. „Ewig“ sagst du, kleiner Mensch, wählst so große Worte, Da du selbst nur wie ein Hauch wehst durch offene Pforte? Spurlos ist die Ewigkeit. Grenzenlose Weite Gibt Gedanken, die du denkst, auf dem Weg Geleite. Dein Gedanke rast dahin, wesenlos, ein Schemen, Kreist und kreist, als wollt' er nie, nie ein Ende nehmen. Trifft er nirgends auf der Bahn Spur von deinem Lieben? Ist er Spreu nur, lediglich in die Luft getrieben? Frage picht und grüble nicht, Zeit verweht viel Leiden. Wunde blutet, brennt und schmerzt, Leid läßt sich nicht meiden. Führt dein Denken dich den Weg schwerer, banger Tage. Rührt in deinem Innern sich stets die-gleiche Klage? Ström' sie aus, doch frage nicht ständig nach dem Grunde. , Niemand weiß ihn, niemand kann geben dir die Kunde. Ewige Unendlichkeit läßt sich nicht ermessen. Heilig sei dir Schmerz und Leid, nie wirst du vergessen.,-. Bist Vereinst auch du verweht, in'das Nichts gegangen. Hoffe, daß die Ewigkeit stillet dein Verlangen.' Hoffe, daß ein sanfter Hauch aus des Ew'gen Flammen Weht zu euch und führet auch wieder .euch zusammen? Und ein Trost ist dir bestifthnt: Was du selbst im Leben Hast an Liebe ausgestrahlt, wird man dir auch geben. Vieles wandelt seine Form, Liebe nie verschwindet. t Alle Liebe, die du gabst, wieder, ein sich findet. Ströme sie nun wieder aus in . des Nächsten Leben, Dien' der Menschheit. Ihr sollst du sie als Herzblut g^ben. Reich' dem Bruder deine Hand, stütze ihn im Fallen. ’ Liebe widme einem nicht, Liebe weihe allen... Denkst du so des Nächsten Not, hilfst du sie beraten. Kommt dein müdes Herz zur Ruh' durch der Liebe Taten. Künstler mag in Stein und Erz teure Häupter ehren. Deiner Liebe Wohltun wird dir ihr_B;ld Verklären.. Persönliche Erinnerungen an Maretzki Von Br. Vicepräs. Josef Hirsch. (I. F. L.) Die Wesenseinheit eines Mannes wird durch die Harmonie gebildet? die das buntfarbene Mosaik der einzelnen Züge seines Charakters ergeben. Von diesem Gedankengang aus ergibt sich die Berechtigung, persönliche Erinnerungen an einen Mann festzuhalten, der für unseren Orden bestimmend war und dessen Persönlichkeit der Geschichte unseres Bruderbundes angehört. Meine ersten persönlichen Erinnerungen an Maretzki reichen bis zum Jahre 1909 zurücki als ich anfing, an der sozialen Arbeit des Frauenvereins der Berliner mich zu beteiligen. Ich hatte das unverdiente Glück, daß er an der Art meiner Tätigkeit Gefallen fand, und daß dieses Gefallen sich in Wohlwollen nür gegenüber steigerte. Viele Gedanken sind seinem schöpferischen Geiste entsprossen, aber die Liebe zur Tätigkeit des Frauen- Vereins der Berliner Logen hat ihn immer beherrscht. Er war der erste nicht nur im Orden, sondern einer der ersten in der sozialen Arbeit, der erkannte,' daß man die Frauen zu der sozialen Arbeit aktivieren müsse. Der Frauen-Verein der Berliner Logen U. O. B. B. ist von ihm geschaffen. Er erkannte auch. daß die Tätigkeit des Frauen-Vereins'das ureigenste.Gebiet der Frau betreffen müsse, der Mitschwester zu Helfen in der Stunde der Not,-da Sie als Vermittlerin eines kommenden Geschlechts die .heilige Aufgabe der Mutterschaft-übernimmt Im Jahre 1909 erkannte er weitblickenden Sinnes, daß die Tätigkeit eines Frauenvereins sich nicht damit begnügen durfte, Wohltaten während des Wochenbetts zu erweisen.und durch Stellung Von Pflegerinnen das Wochenbett zu erleichtern, er erkannte, daß das Haus der Armen der ungünstigste Ort für Entbindung und Wochenbett sei, und gründete mit dem Stabe der Frauen, denen er die Führung im Verein überlassen hatte, das erste jüdische Entbindungsheim Berlins. < , Ich sagte, daß ich das unverdiente Glück hatte, von ihm in den Gedankenkreis seiner' Tätigkeit gezogen zu werden. Bei einer Reise, die mich' mit ihm im Interesse der Schwesternorganisation der Großloge nach Frankfurt führte, entwickelte er mir ein Programm für Logenarbeit, das in seiner umfassenden Art auch heute noch vorbildlich sein könnte. Einzelne persön-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.