Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Journal
- Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Volume
- 7 (1927-1928)
- Issue
- 3 (6.1927)
- Date
- 1927-06-01
- Page
- Seite 53 (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 3 MONATSSCHRIFT D^R BERLINER LOGEN U.O.p,B Seite 53 Im wendischen Delphi Von Arpad S o r g e r. Dort, wo der bireite , Luzin mit seinen unruhigen Wassern weit hinausgreift ins alte Stargarder Land, am Ostrand der mecklenburgischen Seenplatte, auf ehemalig markgräflich brandenburgischem Grund, liegen in märchenhafter Einsamkeit die Ueberreste einstiger wendischer Macht und Größe. Einer uralten Sage nach sitzt hier am Johannistage, wenn die Sonne im Mittag steht, ein Mütterchen unter den Bäumen und putzt einen reichen Silberschatz, denselben wahrscheinlich, den der kriegswütige Burchard von Halberstadt vor rund 1000 Jahren geraubt, mitsamt dem heiligen Rosse des höchsten Gottes des Redariervolkcs, des Radegast Suarasici. Grundlos, so sagt man, sei der Luzin, der die Leichen der Ertrunkenen nie wieder herausgebe, und der ja auch seinen Namen daher tragen soll, daß den Tiefenmessern einst eine Geisterstimme aus den Wassern zugerufen: „Lot sin, lot sin", es hat ja keinen Zweck. Hier also, wo der vom Teufel verdammte „ewige Kräwter" in finsteren Nächten auf Krebssuche geht, wo „de wille Jagd" im Dunkeln die Fischer schreckt, inmitten dieser Spuk- und Geisterwelt aus längst vergangenen katholischen Epochen, steht das Denkmal heidnischer Vorwelt in Buchen versteckt am steilen Schloßberg: Rethra, das Delphi 'der Wenden. In jener Burg ruhten die Feldzeichen der streitbaren Wendenvölker, dort holten sie sie ab, wenn sie auszogen in Kampf und Tod und holten sich Rat von den Priestern und dem heiligen Rosse Suarasicis, des größten der Götter. Unheimlich ist der Weg dahin, wenn im Frühjahr die Nebel wallen und alles einhüllen grau in grau. Dann-versteht man jedoch erst jene Mystik, die diesen Ort jahrhundertelang umgab. Bisweilen könnte tnan denken, man befände sich in einem deutschen Mittelgebirge, so steil geht es bergan über die granitenen Grüße der Eiszeit, vorbei am „Römerweg", der diesen Namen wer weiß wem und was verdankt, durch Schluchten, in denen der Fuß tief in vermodertem Laub versinkt. Deutsche Gelehrte arbeiten mit Erfolg an den Ausgrabungen im Tale des Nil, sie arbeiten auf Korfu und an der Akropolis, in China, Persien, Tibet und Afghanistan. Auf eigenem Boden, im Herzen Deutschlands, läßt man aber einen prähistorischen Schatz ruhig in der Erde weiter faulen, nur weil die paar tausend Mark, die zu seiner Hebung nötig wären, nicht aufzutreiben sind. Dabei ist die ganze. Gegend eine Fundgrube für die Uebcrrcste germanischer und wendischer Vorzeit. Vor noch nicht 50 Jahren fand man am Mönkenwierdel (Mönken Kobolde) eine Bronzedose, in der sich echt goldene Spiralen in der Art von Fingerringen befanden. Gefäßscherben, Stein- und Bronzewaffen werden hier von der Bevölkerung oft genug gefunden, am Pfitznergrund stößt man alljährlich auf Menschenknochen und kein Gelehrter, kein Forscher hält es der Mühe wert, die Geheimnisse dieses sagenumwobenen Platzes der norddeutschen Tiefebene zu lüften. -Seit Professor Schuchhardt 1922 das Heiligtum Rethra festgestellt und der Ingenieur Oesten mit seinen Grabungen aufgehört hat, ist es still geworden um den Tempel Suarasicis. Selbst die „Schatzgräber", die, angelockt durch die vielen Volksmärchen, in früheren Zeiten hier gar oft ihr Glück versuchten, kommen nicht mehr. Einmal haben sie, so sagt man, ein Kellergewölbe freigelegt, in dem sich Fässer befunden hätten, die eine klebrige Masse, vielleicht eingetrocknetes Bier, enthielten. Wahrscheinlich ist auch Gold gefunden worden, doch darüber pflegt ja für gewöhnlich aus naheliegenden Gründen nichts zu verlauten. Den Burgwall, den schroffen Abhang nach dem Wasser zu, geht es hinauf und endlich hat man unter jahrhundertealten Laubbäumen den Platz erreicht, an dem eine Holztafel in nüchternen Worten dem Wanderer die Tatsache mitteilt, daß er hier auf dem Boden steht, der einst der Schauplatz von Götterehrung, von Festen, Prunk und Glanz und schließlich der einer furchtbaren Tragödie mit Schändung, Raub und Mord gewesen. Weit schweift der Blick über das Wasser des Luzin hinunter zum Amtswerder, wo Konrad von Felten aus Findlingen seine Raubritterburg baute und so den Grundstein zum späteren Feltenberg, heute Feldberg,Jegte, dieselbe Burg, die der wilde Brandenburger Friedrich mit seinen pommerschen Freunden in Schutt ahtelhmo mööeitransoort und aiotinunostaiiscti SO 36 Reichenberger Str. 154 r W15, Kurfürstendamm 173/4 OHva 5843 Georg Silberetein 4 Co. 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