Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Journal
- Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Volume
- 7 (1927-1928)
- Issue
- 3 (6.1927)
- Date
- 1927-06-01
- Page
- Seite 52 (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 52 Nr. 3 MONATSSCHRIFT DER BERLINER LOGEN U.O.B.B. Jlcjrto" mnnHiMimnflniiiniiiiiiiiiiiiiiiHfli der internationale Modehut Stammhaus Neubauer Kater fea LtMte so Malgstr 37 tnaoerstr.es * Verkauf fflr Mayttr, Ulm a. 0. LOESER& WOLFF Zigarrenfabriken Zentrale» Berlin C 25, Alexanderstr. 1 Hauptfabrik in Elbing Größter zentralisierter Fabrikation!* betrieb der Branche in Europa Edelerzeu^nisse: Tavona.15 Pf. Donna Lucia die in Deutschland meistw** gerauchte Zigarre zu i!• Boyero.25 Pf. Schloß Rottersheim 30 Pf. Targon . ...... 40 Pf. Zigarren feinsten Genres für Festgelegenheiten und dergl. in eleganter Ausstattung und reichhaltiger Auswahl Zigaretten * Rauchtabake Postversand nach dem In* u. Ausland I Wohnungseinrichtungen STOFFE I für Möbel — Dekoration — Mode ♦ Beleuchtungskörper Kunstgewerbe in nur erster Qualität Friedmann & Weber G. m. b. H., Berlin W, Friedrich-Ebert-Straße 8 April — Oktober Ausstellung für Landhaus u. Garten r Aber die Freundlichkeit- Von C. v. W e d e 1 s t a e d t. Sie hat nicht an jeder Wiege Pate gestanden die holde Fee der Freundlichkeit, und wenn man heute unser Straßenleben, den üff^jg^Jichen Verkehr, den Umgangston in Familien und Behörden betrachtet, so muß man sich wirklich fragen, ob sie ihre Lieblinge nicht auf den Aussterbeetat gesetzt hat. Man trifft so unglaublich wenig freundliche Menschen. Und doch, welch ein Glück ist es, schon frühmorgens mit einem Lächeln begrübt zu werden, ein frohes Wort zu hören als ersten Tagesgruß. Das kleine hübsche Tippfräulein, bei dem ich, mich in der Elektrischen entschuldigen muß, nach einem ungewollten unzarten Zusammenstoß, kann mir den ganzen Tag vergoldfen, weil ihr verzeihendes Lächeln so jung und sonnig ist; Der Mann am Fahrkartenschalter, der mir liebenswürdig Auskunft erteilt, gibt mir eine fröhliche Stimmung mit auf die Reise, während ein grober Stiesel mich verärgert und mich zwingt, mit meinem Aerger wieder andere zu ärgern. Die Gattin, die freundlich am Familientisch die Teller füllt, kann ruhig mal mit dem Schmalhans Bekanntschaft machen lassen, man merkt es gar nicht, während ein sauertöpfisches Gesicht einem den schönsten Schweinsgulasch in ein Kreuzotterragout verwandelt. Man kann ja nun heute bei unserer schweren wirtschaftlichen Not nicht verlangen, daß ein armer Hausvater, der von Sorgen geplagt wird, fortwährend grinst wie'ein Honigkuchenpferd, und es liegt lpir fern, unter .Freundlichkeit ein ewiges Lächeln zu verstehen. Freundlichkeit ist: Güte des Herzens, Anteilnahme am Schicksal des Nächsten, Verständnis auch für die unglückliche Stimmung des andern; und freundlich sein, heißt gute Laune haben. Das Schicksal ist ein Preisboxer, der ständig auf der Lauer liegt, um auf der Bühne des Lebens unsere empfindlichsten Stellen auszukundschaften, um uns — nicht etwa niederzuringen — bewahre! — nein, um □ns wach und elastisch, gelenkig und scharfsichtig zu erhalten. Im Training sollen wir bleiben und munter abwehren, was an uns heran will: Hieb und Stich parieren im Mensurlokal des Tages, auf dem Markt des Lebens Gewinn und Verlust abwägen und im Gedächtnis buchen, was sich lohnt. Das ist Lebenskunst, jund die Freundlichkeit ist die beste Weggenossin. Es gibt Leute, die unfreundlich erscheinen, weil sie zu schüchtern sind, die Freundlichkeit ihres Herzens in unseren trüben Tag hineinleuchten zu lassen, es gibt auch Menschen, die es für vornehmer halten, ein hochmütiges Gesicht zu machen, — sie glauhen, sie werden höher bewertet im Ansehen ihrer verehrlichen Persönlichkeit, wenn sie durch eine fabelhafte Reserviertheit die Vertraulichkeit entfernen. Es sind auch kuriose Hühner unter den Menschen, die da glauben, durch Schnoddrigkeit oder Grobheit als Originale zu wirken — möglich, daß alle diese Leute irgendwelchen Lebewesen imponieren —, ich aber weiß, daß Liebe und Achtung, Verehrung und Freundschaft nur denen wahrhaft zuteilwerden, die freundlich neben uns stehen, das Leben bejahend, die üblen Launen verlachend, stets bereit zu keifen und zu trösten. Freundlichkeit ist eine Angelegenheit des Herzens und der Nerven, und die Mutter ist eine gute Erzieherin, die ihre Kinder zur Freundlichkeit erzieht. Alle Tugenden sind in ihr enthalten; Höflichkeit; Liebenswürdigkeit, Dankbarkeit und Mitteilsamkeit, und unser Leben würde wieder reich und schön, wenn wir es wieder lernten, freundlich miteinander zu sein und unserer nervösen Stimmungen Herr zu werden. Eine herzlich gemeinte Bitte! Behandle den Vertreter, der in schwerem Existenzkampf um sein tägliches Brot ringen muß, freundlich und zuvorkommend, denn: War es Glück, Zufall, vielleicht der arbeitsame Vater oder Schwiegervater, der dich Chef oder Einkäufer in leitender Stelle -werden ließ, dich also aus der Masse heraushob, dann sei dankbar, daß du nicht zu „rennen" brauchst. War es aber Begabung, die dich an einen hervorragenden Platz stellte, dann sei doppelt dankbar, denn du kannst nichts dafür.. Uebrigens: Wäre es dir angenehm, wenn deine Vertreter in unkultivierte Hände fallen und dadurch naturgemäß in ihrem Arbeitswillen gehemmt werden? \