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Monatsschrift der Berliner Logen UOBB · 1927-06-01 · 3 (6.1927) · p. Seite 44

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Journal
Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
Volume
7 (1927-1928)
Issue
3 (6.1927)
Date
1927-06-01
Page
Seite 44 (sequence 4)
Language
German
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Seite 44 — MONATSSCHRIFT DER BERLINER LOGEN U.O.B.B. Nr 3 einen Zweig sozialer und kultureller Wirksamkeit zu ihrer zuheben und sich entgegenzuwirken aus Mangel an Einheitlich- Spezialität gemacht hat. In der Liste der Förderer aller jüdischen keit der Entschlußkraft angesichts differierender Anschauungen Wöhlfahrtseinrichtungen stehen Logen und Logenbrüder aja-—-der Parteien. Es war die Großloge, die auf Anregung einzelner erster Stelle. Logenbrüder sind die willigsten Mitarbeiter-äUerN^jiogen wiederholt dazu aufgerufen hat, die Streitaxt maßloser Gemeindeinstitutionen. Die Annalen der Gemeinde erweisen, Par^eifehde aus der Hand zu legen. Es ist das Verdienst der daß im Vorstand und in der Repräsentantenversammlung der Loge, Gelegenheit" zu bieten zum Ausgleich aller Gegensätze Gemeinden, in deren Arbeitsausschüssen, Verwaltungskomitees und Organisationen aller Art Logenmitglieder zahlreich und hervorragend vertreten sihd. Religiöse und politische Streitfragen haben satzungsgemäß den Logenverhandlungen fernzubleiben. Nur was eint, nicht was trennt, findet in der Loge eine Stätte. Hier liegt die ''Stärke der Loge im Verhältnis zur Gemeinde, deren Arbeiten, so imposant sie sich in ihrer Totalität darstellcn, doch durch den Hader, durch die Gegensätze der Parteien, empfindlich leiden. Bei aller demokratischen Freiheitlichkeit der Gemeindeverfassung sind häufig wertvolle Anläufe, Vorsätze. Anträge. Gedanken, Ideen und Vorschläge zur Steigerung der _Leistungen der Gemeinde dazu verurteilt, sich gegenseitig aufzur Annäherung der verschiedenen gegensätzlichen Auffassungen, zu gemeinsamer Arbeit von Liberalen mit Konservativen. Zionisten und Radikalen im Dienste gemeinsamer Aufgaben des Judentums. Dieser neutrale überparteiliche Standpunkt der Sammlung, Einigung, Zusammenfassung ist die wertvollste Leistung der Loge" gegenüber der Gemeinde. Eine ausgleichende beruhigende, versöhnende Entspannung der Kräfte herbeizuführen, schroffe Gegensätze zu lindern und abzuschwächen, vermag, nur die Loge. Unter ihrem Einfluß vermögen alle widerstrebenden, widerstreitenden Kräfte des Gemeindelebens sich zur friedlichen Wirksamkeit zusammenzufinden und fruchtbar zu entfalten. * Nochmals Vorträge Eine Betrachtung von Br. Julius Stiebcl (Sp.-L). Vor mir liegen die Nummern 10 und 1 dieser Zeitschrift, die zwei Artikel, ebenfalls „Vorträge" betitelt, enthalten. In dem einen warnt Br. Petuchow. ski vor einem Uebermaß/ an Vorträgen an den Logenabenden, weil die tagsüber viel be- -schäftigien Brüder in den meisten Fällen physisch nicht mehr , in der Lage seieor' den Ausführungen des Redners mit der nötigen Aufmerksamkeit zu folgen, oder sich gar an einer Dis; kussion zu beteiligen und. weil ihnen in anderen jüdischen und nichtjüdischen Vereinigungen allzuoft Gelegenheit gegeben werde, Vorträge mit anzuhören; infolgedessen könnte mancher Bruder sich veranlaßt sehen, den Logenabenden fern zu bleiben, an denen Vorträge gehalten werden. Der zweite Artikel^ enthält eine Erw iderung des Br. Brunn, der sich auf den Standpunkt stellt, daß gerade durch gute Vorträge und anschließende Diskussion die betreffenden Logenabende an Bedeutung und Anziehungskraft nur gewinnen könnten. — Die Ausführungen beider Brüder sind einer Betrachtung wert. Ich gehöre der Loge seit 1905 an und habe insbesondere ihre geistige Entwicklung jederzeit mit größtem Interesse verfolgt. \ or einigen Jahren habe ich in der Logenzeitschrift in einzelnen Artikeln niedergeschrieben, was mir in dieser Hinsicht gefällt, und was mir mißfällt. Es freut mich sehr, daß der UNSERE TOTEN > Der Orden beklagt den Heimgang folgender Brüder: N a! Eingetret. Geboren Verstorben Deutsche Reichsloge Siegfried Radt 2. 5. 1914 3. 5 1865 28 4. 1927 San. Dr. Adolf Gutmann 22. 3. 1919 19. 11. 1859 2. 5. 1927 Berthold Auerbach-Loge Richard Petzall 27. 3. 1922 16. 9. 1875 29. 4. 1927 Felix Sachs 10. 5.1920 23. 9.1868 7.5.1927 M o n t e f i o r e - L o g e Gustav Müller 21. 3. 1911 24.10.1854 12.5.1927 Timendorfer J u b i 1 ä u m s - L o g e Siegmund Seidemann 7. 3.1920 22. 4 1864 1.5.1927 Akiba Eger-Loge 4.12. 1921 16. 10. 1862 is! 5. 1927 Hugo ßaruth Ehre ihrem Andenken! Inhalt der beiden oben erwähnten Artikel mir Gelegenheit gibt." nochmals auf dieses mir so sehr am Herzen liegende Gebiet zu-, rückzukommen. Nach meiner Uebcrzeugung hat sich das durchschnittliche Bildungsniveau innerhalb der' Logengemeinschaft im Laufe der letzten 20 Jahre um ein Bedeutendes erhöht. Ich will auf die Ursache dieser Veränderung nicht weiter cingehen und nur zur Illustration hinzufügen, daß früher die jüngere Generation, d. h. Logenbrüder zwischen 25 und 35 Jahren, nur spärlich vertreten war und keine Rolle spielte. Ich habe bis 1912 die Logenabendc allwöchentlich besucht und dann lange Jahre nicht mehr; aber, als ich dann wieder ziemlich regelmäßig an den Logenabenden teilnahm, habe ich einen Unterschied ln der „geistigen Tätigkeit" der Brüder gegen früher empfunden, der auf mich einen erhebenden, aber auch gleichzeitig einen frappierenden Eindruck gemacht hat. Wie ich schön bemerkte, ist dieser Unterschied auf den durchschnittlich höheren Bildungsgrad der jüngeren Generation zurückzuführen, die nach und nach in größerer Zahl in die Loge eintrat und in ihr schließlich, die Majorität darstellte. Gern will ich bestätigen, daß mir heute viele Logenabendc Genuß und Freude bereitet haben, obwohl ich zu den tagsüber vielbeschäftigten Brüdern gehöre. Ich habe manchen Vortrag aus gebildetem Munde mit anhören können, der für mich eine Erbauung gewesen ist, besonders dann, wenn eine anregende und interessante Diskussion sich anschloß. Br. Petuchow ski gebe ich bedingt Recht, insofern, als nur Vorträge gehalten werden sollen, die die Allgemeinheit interessieren. Vor 20 Jahrensind ausschließlich Vorträge jüdischer Tendenz an den Logenabenden gehalten worden, und, als .ich — damals einer der wenigen jungen Brüder — einmal die Anregung gab, auch einmal V orträge neutralen Inhalts halten zu lassen, wurde ich durch Br. Maximilian- Stein dahingehend-belehrt, daß in einer jüdischen Loge eben nur Vorträge gehalten werden dürften, die jüdische Gebiete behandeln. Diese einseitig wirkenden Vorträge habc.n zweifellos einen Teil der*anwesenden Brüder ermüdet und, als einmal — ganz außer der Reihe — an einem Todestag Schillers über dessen Werke vörtragend gesprochen wurde, empfand man direkt das Gefühl der Freude und Erleichterung unter den anwesenden Brüdern. . Glücklicherweise hat sich zum Wohle der Loge diese Auffassung geändert. Interessante Vorträge, abwechselnd jüdischen und allgemeinen Inhalts, wie sie heute gehalten werden, bedeuten für Logenabende etw*as unbedingt Notwendiges. Denn, wenn keine Vorträge gehalten werden, was dann, -verehrter Bruder Petuchow ski? Es bleiben dann nur übrig: Referate, Berichte und geschäftsmäßige Dinge; in dieser Hinsicht ist früher viel zu viel des Guten getan worden, aber auch heute haben wir davon noch reichlich genug. Hier_muß zunächst der Hebel angesetzt werden.

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