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Monatsschrift der Berliner Logen UOBB · 1927-04-01 · 1 (4.1927) · p. [Seite]

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Journal
Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
Volume
7 (1927-1928)
Issue
1 (4.1927)
Date
1927-04-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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derBEBLINE OG E N U.O.RB. BERLIN W 62. KLEISTSTR. 10. LOGENHAUS , 7. 3AHRGANG APRIL 1927 NUMMER 1 Vorträge Eine Erwiderung von Br. Martin Brunn (Präs, der Sp.-L.) Wenn ich zu den Darlegungen des Bruders Bernhard Petuchowski in Nr. 10 der Monatsschrift in einer Erwiderung Stellung nehme, so geschieht es lediglich deswegen, weil Stillschweigen als Einverständnis gedeutet werden könnte, und' ein solcher Eindruck meiner Auffassung nach dem Prestige der Berliner Logen in hohem Maße abträglich sein müßte. An sich ist es schwierig, über di in dem zitierten Artikel zum Ausdruck gebrachten Anschauungen in eine Kontroverse einzutreten. Sie sind der Ausdruck einer Stimmung, die seit Jahren in die Logen Eingang gefunden hat, und die' man in einem früheren Stadium der Entwicklung mehr hätte beachten müssen,. Diese Auffassungen sind eine Gefahr für das geistige Leben in den Berliner Logen, denn — konsequent durchgedacht — führen sie zu nichts anderem als dazu, das Vortragspult durch die Bierbank und den Skattisch zu ersetzen. Den Trägern dieser Ansichten, kann man daher auch durch kein geistiges Programm gerecht werden, weder durch Vorträge, ..noch durch musikalische Darbietungen, weder durch allgemein«; Diskussionen, noch durch interne Aussprachen. In dem zitierten Artikel wird allen anderen geistigen Betätigungen in Berlin und dien kulturellen Institutionen jeder Art Verständnis entgegepgebra^ht. Der Verfasser sieht die Logenbrüder, die „mehr'*o’dcr weniger Mitglieder verschiedener Vereinigungen" sind, sowohl im Verein für jüdische Geschichte und Literatur, wie am Lautsprecher einer Radioanlage, in der Synagoge während der Predigt und bei den Veranstaltungen des Zentral-Vereins, in zionistischen Versammlungen und parteipolitischen Zirkeln. Dies alles wird von ihm gebilligt, nur in der Loge werden Vorträge und andere geistige Darbietungen für untunlich oder überflüssig gehalten. Gerade die entgegengesetzte Auffassung würde das Richtige treffen. Gewiß steht es jedem Logenbruder frei, b^ebig viel Vereinigungen anzugehören und in ihnen tätig zu sein. Dabei ist es gleichgültig, ob das Arbeitsfeld dieser Institutionen auf geistigem oder sozialem, auf politischem oder religiösem, auf literarischem oder philosophischem Gebiet liegt. Im Gegenteil. Je vielseitiger der Logenbruder sich betätigt und orientiert, desto besser. — Dasselbe Recht auf Betätigung, wie diese Veranstaltungen, und dieselbe Achtung für ihre Arbeit kann die Loge aber auch für sich in Anspruch nahmen und vom Bruder in allererster Linie verlangen. Es ist aber darüber hinaus ein Irrtum, zu glauben, die geistigen Veranstaltungen innerhalb der Loge könnten durch ähnliche oder gleichartige in anderen Vereinigungen ersetzt werden. Gerade die brüderlichen Beziehungen zueinander ermöglichen utis in unserem Kreise eine freiere und ungezwungenere Aussprache. — Wir können in viel umfassenderer, ruhigerer und darum erfolgreicherer Weise Ansichten austauschen und Gegensätze klären, weil die Löge — nur die Loge — der Boden ist, dies ohne Erregung und Voreingenommenheit in brüderlichem Verstehen durchzuführen. Alles dies fällt bei anderen Institutionen fort, um so mehr, als in den meisten, soweit es sich nicht gerade uni politische Versammlungen handelt, eine Aussprache schon aus ■ technischen . Gründen nicht möglich ist, und wenn, nur die forensischen Talente dort zu Worte kommen. Wir besitzen erfreulicherweise in den Berliner Logen eine ganze Anzahl von Brüdern — und zwar aktive, nicht nur solche, die nur im Logen-Adreßbuch figurieren die als Kauflcute an hervorragender Stelle, in leitender , Tätigkeit, in Syndikaten und'Fachverbänden, als Anwälte und Äerzte, als Gelehrte und Forscher einen Ruf genießen, .der weit über den Kreis der Berliner Logen und den des Ordens hinausgeht. Außer ihnen verfügen wir noch über eine relativ große Anzahl von gewandten Rednern aus allen Berufen. Wesentlich größer aber ist die Zahl derjenigen unter uns, die, ohne eigentlich oratorisch begabt zu sein, in eindringlicher und unmißverständlicher Form ihre Gedanken zu formulieren und zu vermitteln verstehen. Sie - alle haben in erster Linie die Pflicht, an der Ausgestaltung unserer Logenabende mitzuwirkeo. Aber auch diejenigen, die ganz ungeübt in der freien Rqde sind, können und sollen im Bruderkreise ohne Beängstigung und ohne Furcht von Kritik ihre Meinungen darlegen, detin nicht auf' die Form, sondern auf . die. Gedanken kommt ts an. Gewiß ist es richtig, daß -troU des > uns zur Verfügung ' stehenden Materials ein großes 'Feingefühl für das Arrangement der Logenabende erforderlich ist. "Es gibt hierfür auch, kein bestimmtes Rezept, sondeim jeder Präsident muß7 und wird individuell — je nach Sinnesart und Empfindungen seines Bruderkreises — Vorgehen und Einseitigkeiten zu vermeiden suchen. Blickt man auf die Ankündigungstafeb der Berliner Logen, so wird jeder objektiv Denkende zugeben müssen, daß die Themen mit größter Sorgfalt ausgewählt und die Veranstaltungen vielseitig genug sind, um der Eigenart und dem Geschmack eines jeden Genüge zu tun. Grundsätzlich sollte daher kein Bruder ohne ernstliche Behinderung einen Logenabend versäumen und sich nicht davon bestimmen lassen, ob das Programm dieses oder jenes Abends ihn gerade „interessiert“ oder „nicht interessiert". Auch das unterscheidet die Logen von anderen Einrichtungen, denen das Persönliche, das Element des Brüderlichen fehlt, wie dem Verein, dem Hörsaal oder gar dem Theater. Gewiß gibt es auph bei uns Fchlschläge und Entgleisungen. Aber wo gäbe es die nicht? Die gfößfen parlamentarischen Redner haben ihreschwarzen Tage, und die gewandtesten Debatter versagen zuweilen. Hüten wir uns davor, Bequemlichkeit Und Gleichgültigkeit über die Pflicht zur Teilnahme und Mitarbeit den Sieg davonr

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