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Monatsschrift der Berliner Logen UOBB · 1926-11-01 · 8 (11.1926) · p. Seite 147

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Journal
Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
Volume
6 (1926-1927)
Issue
8 (11.1926)
Date
1926-11-01
Page
Seite 147 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 8 MONATSSCHRIFT DER BERLINER LOGEN U.O.B.B. Seite 147 Geschichte Berlins Von Dr. Hermann Kügler. Die Hauptstadt des Deutschen Reiches verdankt ihren Aufschwung außer ihrer günstigen Lage und zuletzt der Industrie vornehmlich den Landesfürsten, in der Hauptsache also den Hohenzollern. Zwar haben diese Potsdam zur zweiten Residenz erhoben; aber es fehlen dort die beiden andern Gründe; und auch Brandenburg an der Havel wäre in den vierziger Jahren beinahe in Berlins Rang gerückt, ja, nach der Staatsumwälzung sollte irgendeine, andere Stadt diese Ehrung erfahren, weil di: Stimmung, die sich in dem Losungsworte „Los von Berlin“ mit großer Schärfe kundgab, ihren Höhepunkt erreicht hatte. Außer Wien (st kaum eine andere Stadt im Deutschen Reiche so sehr der Kritik ausgesetzt gewesen, bis auf unsere Tage, wie Berlin — und kaum eine andere hat die liebeblindcn Lobredner und die Hasser zu einem so wilden Chore vereinigt wie — Berlin. Sahen die eilten entzückt den raschen Aufstieg, den fürstlicher Kunstsinn — und Berlin ist eine sehr schöne Stadt gewesen — und Bürgerfleiß, tatkräftig und schnell ergreifend, yagemutig und ausdauernd, veranlaßten, so kehrten die andern nur die Schattenseiten hervor; schnoddriges Wesen, c Rechthaberei, Uebcrhebung, Neugier, kurzum den — „Berolinismus" (wobei wohl so etwas wie „Amerikanismus" abstieß). Aber diese Stadt hat nach einem bekämpften und doch berechtigten Worte Karl Schefflcrs das Schicksal, immer zu werden und nie vollendet zu sein. Das Charakterbild eines solchen Lebewesens wird in der Geschichte immer schwanken. ’ Es fehlt der Stadt das eigentlich geschichtliche Gepräge und ein einheitlicher Bevölkerungstypus; nacheinander sind Franken, Holländer, Sachsen. Flamen, Juden, Franzosen, Böhmen und viele, viele andere hier angesiedelt, die in zäher Arbeit bei kargem Ertrage sich am Leben erhalten mußten. Da blieb für höhere Lebensbetätigüngen einst weder Zeit noch Geld, und ein so ausgeprägtes Patriziat wie etwa in Köln. Frankfurt, Hamburg hat sich, hier I nicht entwickeln können. Es fehlte bei dem dauernden Wechsel der Bevölkerung in diesem Kolonisationsgebiet des deutschen Ostens der notwendige Zusammenhang mit der Vergangenheit, die Tätigkeit, die behagliche Ruhe. Aber seit 1850 hat eine Verschiebung der Bevölkerung in de^ Mark nur in sehr geringem Maße stattgefunden und auch in Berlin nicht so sehr, wie man dem oberes flächlichcn Blicke glauben möchte. Erst nach Einführung der Freizügigkeit im Jahre 1873 ist das anders geworden. Da ist es eben wirklich die „Berliner Luft“, die die alteingesessenen und die geborenen Berliner zu dem macht, was sie. sind — also ' auch die Zuzüglingc, die sich dauernd hier niederlassen. — t Von den drei großen Urstromtälern, die sich durch die Mark Brandenburg hinzichen, ist das der alten Oder, auch Berliner Haupttal genannt, das bedeutendste; die Gegend von''Berlin ist darin die für einen Ucbergang günstigste Stelle, wenn auch nicht die engste. Gegenüber den sonstigen großen Maßen dieses Ur<- stromtales darf man die hier vorhandene Breite von 'A bis 'A Meilen als Talcnge auffassen, die durch das Vorspringen von zwei Hochebenen gebildet wird; dem Barnim im Norden und dem Teltow im Süden. Bei Hochwasser oder Ueberschwemmungen erleichterten die hier vorhandenen Inseln den Liebergang bedeutend. Daher führte die aus dem Süden über Leipzig herkommendc Straße nach dem Lande der unteren Oder hier entlang. Noch andere Verkehrswege trafen sich hier: von Magdeburg, Brandenburg, Spandau und dann auf dem rechten Sprecufcr entlang, ohne den Fluß zu überschreiten, nach Frankfurt a. d. Oder — dann von Dresden, Baruth, Zossen nach Kölln a. d. Spree, über Pritzwalk nach Hamburg und Lübeck. Die Straßen von Leipzig und Dresden vereinigten sich vor Kölln, die von Brandenburg und Pritzwalk vor Berlin. Diese vorteilhafte Lage ist noch heute bei einem Blick auf eine Karte der Umgebung Berlins deutlich erkennbar; außerordentlich günstige Landstraßen- und Kanalbauten bis in die Gegenwart haben sie noch bedeutender gemacht. Die schiffbaren Flüsse Spree und* Havel haben hinreichende liefe und ziemlich gleichbleibenden Wasserstand, um den Verkehr zwischen dem Norden und dem Süden unseres Vaterlandes unmittelbar nach Berlin zu lci)kcn. Wie große Fangarmc gehen von Berlin aus die Wasserwege, die Schiffe aus Schlesien, Polen. Sachsen und dem Westen/ und Norden hcranziehen. Es gibt in Deutschland kaum eine zweite Stadt, von der ein so dichtes, so regelmäßiges und wohl eingerichtetes Netz von Wasser- und Landstraßen (14), dazu Eisenbahnen (13) ausstrahlt, wie' cs die günstigen Naturverhältnissc hier ermöglicht haben. Gewiß wäre es der ' heutigen Technik möglich, eine solche Stadtanlage künstlich hervorzuzaubern; aber .wir müssen auch auf das geschichtlich Gewordene Rücksicht nehmen und die ganz anderen Kulturbcdingungen der Zeit bedenken, von der wir sprechen. Es wäre für die Zeit der Besiedlung des deutschen Ostens vornehmlich im 12. und im 13. Jahrhundert erstaunlich gewesen, wenn an einer so viel benutzten' Fährstelle keine menschliche Niederlassung erwachsen wäre; aber wir wissen nicht mehr, wann es zuerst geschah. Soviel jedoch steht mach den neuesten Forschungen fest, daß es sich um germanische Siedlungen in Berlin und Kölln handelt!; dennaus diesen beiden Orlen (dazu noch dem „Wedding"! ist das große Gemeinwesen erwachsen, das den Namen der auch schon im Mittelalter wichtigsten Stadt trägt.' Die wendische Formdes Namens Berlin, den wjr trotz der gewiß hundertfach unternommenen^ Versuche nicht zu Reuten vermögen, spricht nicht gegen jene Annahme. Beide Städte zeigen deutsche. Stadtplanung. Die Behauptung, di^ Lessings Freund Nicolai ausgesprochen hat, Kölln sei eine vor der deutschen Besiedlung von Wenden bewohnte Insel geweseh, ist nicht mehr haltbar, denn es handelt sich bei diesem Stadtteil, der die heutige Muscumsinselt einnimmt, gar nicht um eine ursprüngliche Insel, und nach Spuren einer wendischen Urbevölkerung sieht man sich dort vergeblich um. Auch wissen wir von keinem Kietz „in. beiden Städten. Nicht einmal der Name Kölln darf vom Wendischen (kolne in den Sumpf gesteckte Pfähle) abgeleitet werden. Das am meisten Wahrscheinliche bleibt das lateinische Colonia. und der Gedanke, diet^.e Benennung mit Köln am.. Rhein, mit' Colonia Agrippina, in Verbindung zu bringen, ist durchaus nicht zu entlegen. Geschichtliche und sprachkundfichc Forschung sind unabhängig voheinander zu demselben Ergebnis gelang). Der Scharfblick \ ^ilTcs genialen Staatsmannes hat diese Stelle zur Anlage einer Stadt gewählt. Kölln wird zuerst 1237 erwähnt, Berlin ersk^f244; gleichwohl darf als gewiß gelten, daß Berlin zuerst gegründet worden ist. In der Folgezeit ist diese Stadt auch die wichtigste geblieben. . Die beiden askanischcn Markgrafen Johann 1. und Otto HI. (1221—1266 bzw. 1267), Urenkel Albrechts des Bären, sind die Gründer. Ucber Anlage und Umfang der Städte in jener Zeit läßt sich eine Vorstellung gewinnen aus deri» ersten Plane, den der kurfürstliche Ingenieur Johann Gregor Memhard vor 1650 gezeichnet' hat- Er hängt im Märkischen Museum, Saal 42, der überhaupt einen guten-Einblick in'die. Entwicklung Berlins vermittelt.. Viele Ueberreste aus jener Zeit sind nicht mehr vorhandeij. Die ältesten Kirchen; Nicolai-, Marien-, Kloster- und Petrikirche sind im Laufe der Zeit Umbauten unterworfen worden; die Hciligegeistkapelle in der Heiligengeiststraße dient als Vortragssaal für die Handelshochschule, in deren Bau sic mit cinbezogen ist. Vom alten Berlinischen Rathäuse hat sich die Gcrichtslaube erhalten mit der Spottfigur, dem „Kaak",r einem Vogel mit Menschenantlitz; nach dem Neubau, des jetzigen Rathauses von Wäsemann (1861 bis 1869), des „röten Hauses”, ist die Laube auf Veranlassung Kaiser Wilhelms I. im Schloßpark zu Babelsberg wieder aufgestellt worden. Die alten und neuzeitlichen Stadttore sind den Anforderungen des Verkehrs zum Op’fer gefallen; von dem 1788 von Gontard erbauten Oranienburger Tor (abgebrochen 1867), hat die Familie Borsig wenigstens die Trophäen gerettet und sie am Eingang zu ihrem Gute in Groß-Behnitz (an der Bahn nach Rathenow) aufstellen lassen- Nur das von Langhans 1788—1791 an Stelle eines älteren erbauten Brandenburger

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