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Monatsschrift der Berliner Logen UOBB · 1926-11-01 · 8 (11.1926) · p. Seite 142

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Journal
Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
Volume
6 (1926-1927)
Issue
8 (11.1926)
Date
1926-11-01
Page
Seite 142 (sequence 6)
Language
German
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Seite 142 Nr. 8 MONATSSCHRIFT DER BERLINER LOGEN U.O. B.B. liebe und Eintracht anereknncnswert afbeiten, stehen' wir vom Männerbunde den Brüdern, welche die Zuführung der Damen für notwendig oder auch nur für erträglich erachten, — verständnislos gegenüber. Wer recht hat!? Manche werden sagen: Die Majorität! Aber hat nicht Amerika mit -seinem Vielfachen an Brüdern uns gegenüber auch die Majorität, also recht!? Müßige Frage! Denn die Majorität ist f o r m e 11 immer im recht; sie ist Ausdruck -des Mehrheitswillens, aber kein Beweis für die „Richtigkeit“ der Gründe ihrer Abstimmung. Letzten Endes entscheidet die Geschichte! Aber: Die Großloge hat bewußt an dem Zeitgebilde zu „weben"! Die Großlogenpolitik hat das dem Orden in. Deutschland Ersprießliche vorausschauend zu beachten. Das ist: „D i e Einheit des Ordens und das harmonische Einfügen" der Frauenvereinigungen bzw. ihrer Arbeit (Maretzki). Ohne Frauen ist der Orden gegründet worden und konnte er bei uns in Deutschland Jahrzehnte friedlich bestehen. Eine Mitirbeit bzw. Heranziehung der Damen zu den Ordensinstitutionen auf ihrem speziellen Gebiete (Toynbeehallen, Logenheime, Erholungsheime usw.) haben ihn „harmonisch" gefördert. Durch eine in den notwendigen Belangen unseres Ordens aber nicht begründete weitergehende Zuziehung der Damen droht die Einheit des Ordens in die Brüche zu gehen — sofern man nicht das Ausscheiden der reforpiunlustigen Brüder mit Freuden als eine ncuzuerringende „Eintracht" begrüßen will. Diese Tatsachen und Erwägungen müssen die Frauenfrage im Orden regeln! Sache derGroßloge ist es, schnell, kühn und sicher die Grenzlinien zu ziehen, auch wenn bei der Grenzregulierung ein wenig „abgebaut" werden müßte *J. ) Anm.: Die Richtlinien der Großlogc hätten u. a. zu beachten: t. Zulässigkeit gemeinsamer Vorträge wie bisher; 2. Wahl der Damen in Komitees von Institutionen des Ordens und der Logen mit Stimmrecht (z. B. Toynbeehallen, Logenheime, Erholungsheime); 3 Bestimmung der L o g e n komitees, welche Damen mit beratender Stimme kooptieren dürfen (Hauskomitee? Geselligkeitskomitee?). Jede Loge soll vor dem WahRermin nach ihren Belangen über das Kooptationsrecht entscheiden; 4. Zulässigkeit und Empfehlung der Bestellung von Vertrauensdamen neben dem Pfleger, soweit die einzelne in jedem Falle zu befragende Witwe eine solche Bevollmächtigte wünscht; 5. selbständige Frauenlogen mit eigener Großloge (?) u. a. m. Das Lied in der Loge Br. Dr. Willy Cohn (Sp.-L.). Es ist sonderbar, daß bei unseren Logenfeierlichkeiten das Lied nur eine ganz untergeordnete Rolle spielt. Außer höchstens zwei Gesängen, die bei der Einführung neuer BrüdeV zum Vortrag kommen und nicht immer dem besonderen Zwecke entsprechend ausgcwählt sind, scheint das Lied aus unserer Loge verbannt zu sein. Und doch ist es wie nichts anderes geeignet, den besonderen Empfindungen, die uns beherrschen, welcher Natur sie auch immer seien, Ausdruck zu geben. Wer das Reich _ der Töne liebt und in ihm alle feinsten Regungen der Seele wiederfindet, wird das Fehlen der Musik und des Gesanges bei den feierlichen Veranstaltungen schwer empfinden. Es ist bekannt, daß .cs in anderen Logenverbänden Lieder gibt, deren Text eigens für den ' besonderen Zweck gedichtet nach einer -allgemein bekannten Melodien oder nach einer besonderen Vertonung gesungen werden. Es gibt der Logensitzung eine besondere feierliche Noie, wenn bei der Eröffnung die Brüder ein Kcttenlied singen, das die Verherrlichung der Ordensideale zum Inhalt hat, und bei dem die Brüder durch Reichen der Hände die Kette bilden, um damit auch äußerlich zu dokumentieren, daß sie „ein. einig Volk von Brüdern" sind. Von welch tiefer Wirkung auf neueingeführte Brüder müßte es sein, wenn sie dieser gemeinsame Gesang grüßt, und wenn am Schluß alle Anwesenden um sie die Kette bilden, um gleichsam damit zu zeigen, daß sie als vollwertige Mitglieder in den Bund aufgenommen sind, und daß sie das gleiche Freundschaftsband wie die alten Brüder umschlingt. Muß es nicht das Gemüt aufs tiefste rühren, wenn am Schluß der Sitzung das „Armenlied" gesungen wird, das die Brüder zum Wohltun aufruft, zur- Sorge für alle, die an der Not des Alltags schwer tragen. Und bildet das Absingen eines solchen Liedes und das Herumreichen der Opferbüchse nicht auch ein erzieherisches Moment? Die Wirkung auf das Gemüt.äußert sich nicht zuletzt in der Gebefreudigkeit. Auch der instrumentalen Musik sollte ein breiterer Raum gewährt werden als es bisher der Fall war. Es gibt so viele herrliche Musikwerke unserer Meister, die deD besonderen Gelegenheiten angepaßt sind, daß es keinem verständlich scheint, wenn diese Schönheiten bei unseren Feiern ungenützt bleiben. Es sollte doch nicht schwer fallen, in den größeren Logen Musik ausübende Brüder zu finden, die solche Stücke zum Vortrag bringen können. Und gäbe es vielleicht noch einige stimmbegabte Brüder, die sich zu einem Quartett zusammenfinden und. aus dem ungehobenen Schatze der Lieder schöpfen, dann würden unsere Feiern -j— gewiß nur zu ihrem Vorteil — eine besondere musikalische Note erhalten. Als ein großer Mißstand wird cs auch empfunden, daß ein Brudermahl, das im Anschluß an eine Logenfeier stattfindet, zu dieser meist in keinerlei innerer Beziehung steht. Die „Tafelloge" soll doch gewissermaßen die Fortsetzung der akademischen Feier sein. Hier sollen die Brüder, die sich vorher der Arbeit an unseren Ordensidealen gewidmet haben, in das Reich der Geselligkeit eingeführt werden. Daher sollte der Tafelloge gleichfalls ein festumrissenes Programm zugrunde gelegt werden, das unsere Ordensideale bei allen Darbietungen nicht aus dem Auge läßt. Auch hier könnte das Kettenlied, auf das oben hingewiesen wurde, vielleicht in anderer Fassung, gesungen werden und ein besonderer Spruch müßte die Ueberleitung von der Logenfeier zur Tafelloge bilden, um auch hier gleich am Anfang die feierliche Stimmung festzuhalten. Ebenso läßt sich auch den anderen geselligen Veranstaltungen der Loge eigene Form geben. Es ist bereits der Versuch gemacht worden, diese stets unter einer anderen Devise stattfinden zu lassen, die immer wieder — mehr oder weniger — auf die Loge und deren Bestrebungen hinleitet. Und gerade dädurch, daß jedesmal derselbe Rahmen einen anderen Inhalt be- » kommt, erscheinen diese Veranstaltungen den Brüdern besonders interessant. Damit aber erreicht man einen guten Zweck: die .Brüder kommen zur Loge und auch zu diesem geselligen Zusammensein, und man kann dabei im Sinne unserer Ziele auf sie einwirken. So gibt es sicher noch mannigfaltige Anregungen, die unseren Veranstaltungen zugute kommen können. Ich habe nur einige wenige Punkte herausgegriffen. Wenn auch andere Brüder mit solchen Anregungen hervortreten und damit befruchtend auf die Ausgestaltung unserer Feiern wirken würden, wäre der Zweck dieser Zeilen erfüllt. P. S. Im Anschluß an die obigen Ausführungen gebe Ich nachstehend zwei Lieder wieder, die mir zur Verfügung gestellt und zum Teil bereits mit gutem Erfolge zum Vortrag gebracht wurden. Diese dichterischen Erzeugnisse machen selbstverständlich keinen Anspruch auf Vollkommenheit. Sie sollen nur die Brüder unseres deutschen Distriktes, die eine poetische-Ader haben, anregen, ihre Dichtkunst in den Dienst unserer Logenfeiern zu stellen. Vielleicht bekommen wir dann einmal das Logenlied, das unser an Gesängen so armes Ritual in bester Weise ergänzt.

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