Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Journal
- Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Volume
- 6 (1926-1927)
- Issue
- 7 (10.1926)
- Date
- 1926-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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derBEBLINE OC E N U.O.BB. BERLIN W 62. KL,EISTSTR. 10. LOGENHAUS ■ ■ ■— 6. JAHRGANG ] , \ OKTOBER 1926 NUMMER 7 \) ' T i Bruder 9 1 1 1 i. Dr. Ferdinand Pfeffermann Präsident der Montefiore-Logfc s. A. Als wir am 14. September d. J. in der Montefiore-Loge in wehmutvollcr Trauer das Gedächtnis der uns im verflossenen Jahre durch den Tod entrissenen Brüder feierten, lastete auf uns allen bereits die bange Sorge um das Leben unseres verehrten Präsidenen, und unsere Trauer um die Heimgegangenen wurde fast überlönt und verdrängt durch die nicht zu bannende angstvolle Frage unseres Herzens: Wird der Würger Toid. dieses Opfer freigeben, werden wir unseren lieben Bruder Pfeffertnann Wiedersehen? — Unser Sorgen und Bangen, unser Hoffen und \X ünschen ist vergeblich gewesen. Erbarmungslos hat das Gift, das 4 Wochen lang den Körper unseres lieben Bruders Pfeffermann durchwühlte, seinen Zerstörungsprozeß fortgesetzt, und am Montag, den 20. September, hat unser verehrter und treuer Präsident die Augen zum ewigen Schlummer geschlossen. Uns aber ist nichts als fassungsloser Schmerz und die Erinnerung geblieben, ln dieser Stunde, da wir die irdische Hülle unseres teuren Br. Präsidenten noch nicht der Allmutter Erda übergeben haben, da unsere Seele erschüttert und in verzweifeltem Ringen mit einem für uns nicht begreifbaren Schicksal die Hiobsfragc stellt: Warum? Warum? ......... in dieser Stunde findet Herz und Mund noch nicht die Sammlung, die Persönlichkeit unseres lieben Bruders Pfeffermann ruhig zu sehen und zu schildern. Im Innersten aufgewühlt, fühlen w|r nur das eine, daß uns das Geschick einen Bruder, Genossen unjd Freund entrisssen hat, den wir zu den menschlich Werlvollstejn unter unseren Brüdern zählen konnten, daß ein Mensch hohqr sittlicher Ideale und Kräfte von uns ngen ist. Ich erinnere mich in dieser Stunde des feierlichen Augenblickes, da Brudtir Pfeffermann im April dieses Jahres sein Präsidentenamt in der Loge übernahm. „Wenn ich in, dieser Stunde“, so sprach er damals, „das Programm meiner Arbeit im neuen Termine entwickeln soll, so finde ich dafür'keinen besseren Ausdruck als die Worte, die ich so oft als Vizepräsident zum Schluß der Logensitzung gesprochen habe: Ich will wirken und wachen!" Bleich vor innerer Bewegung sprach er diese Worte aus. Kein Wunder! Denn hier enthüllte ein ganzer, starker Mensch sein Innerstes, die Tiefen keines Wesens. f „Ich will wirken jnd wachen," das war für unseren Bruder , Pfeffermann nicht eine- F^mel, sondern der Ausdruck des sittlichen Pflichtbewußtseins, von dem sein ganzes Leben getragen war und das ihn auch in die Loge' geführt hatte. Es ist mir nicht bekannt, pb Bruder Pfeffermann eine umfassende Kennt- , nis der Lehren des Judentums und der Geschichte der jüdischen Volker besaß. Aber das eine weiß ich, daß dieser ernste, pflichttreue, nur Pflicht und wieder Pflicht kennende rechtliche Mensch, ein Leben echtesten Judentums, ein Leben uneingeschränkter Hingabe .an sittliche Ideale und 'Pflichten lebte, ln ihm lebte und webte, ohne daß er cs wußte, das ethische Pathos, der Prophetismus, dem nichts so verhaßt ist wie Unrecht, Unwahrheit, Unaufrichtigkeit, Ungradheit, das nichts so liebt wie Güte, Wohlwollen,' Recht, Liebe, Pflicht. Bruder sein, hieß ihm, sich für das Wohl jedes Bruders verantwortlich fühlen, ringen und kämpfen um die Hilfe für den leidenden Bruder. Bruder sein, hieß ihm aber auch und vor allem, sich verantwortlich fühlen für das sittliche Handeln der Brüder. Bruder Pfeffermann, der ruhige, stets freundliche, konnte in leidenschaftliche Erregung geraten, wenn gegen einen Brüder auch nur der Verdacht eines sittlichen sozialen Verstoßes vorhanden war. Er wollte einen solchen Bruder nicht mehr als Bruder anerkennen, weil für ihn höchstes Menschentum und Logenidee i identisch waren. i - Um dieses seines inneren sittlichen Pakhos willen haben wir, die wir mit ihm zusammen zu arbeiten und ihn aus der Nähe zu Sehen Gelegenheit hatten, unseren Präsidenten Bruder " Pfeffermann nicht nur verehrt, nein, auch geliebt. Ein Mann, ein jüdischer Mann ist uns, in der Mitte des Weges wie vom Blitz erschlagen, entrissen worden, und uns bleibt nichts, als im Gefühl der Dankbarkeit für das, was er uns war, mit uns und dem Schicksal ringend immer .wieder die Hiobsfrage hinauszuruf?n: Warum? Warum? ........ tz.