Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Journal
- Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Volume
- 6 (1926-1927)
- Issue
- 6 (9.1926)
- Date
- 1926-09-01
- Page
- Seite 105 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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I Nr. 6, MONATSSCHRIFT DER BERLINER LOGEN U.O.ß. B. 105 Buches. Die Rolle ist die ältere Form der Schrillen überhaupt, die Form, die in der Antike gebräuchlich war. Die Buchform ist erst seit den ersten nachchristlichen Jahrhunderten in Verwendung. Die jüdischen Rollen und Bücher hatten verschiedene Größen und es bestand die Sitte, bestimmte Texte stets in der gleichen Form abzufassen. Die Rollenschrift, in der der malerische Schmuck das weiteste Betätigungsfeld fand und die daher in diesem Zusammenhänge, an erster Stelle genannt werden muß, war die M c g i 11 a , die Schrift, die das Buch Esther enthielt und für das Purimfest bestimmt war. Die Texte wurden in Kolumnen geteilt und architektonisch oder ornamental eingefaßt. Familienwappen bildeten einen wichtigen Teil des Schmuckes.- und figürliche Szenen aus dem Buch Esther wurden illustriert. Gleich wie .im Text ist auch der Fortgang der Bilderfolge von rechts nach links. Die ältesten erhaltenen Megilloth stammen ^us dem sechszchnten Jahrhundert, einige der schönsten Stücke sind in Spanien entstanden. Ihrer Kostbarkeit entsprechend,, wurde die aufgcwickelte Rolle durch feine Metallhüllen geschützt. ' Rollenform hatte -auch das Gebetbuch des S i d d u r , dessen ältestes erhaltenes Beispiel ebenfalls in Spanien im fünfzehnten Jahrhundert entstanden ist. Rollen bildeten schließlich auch Schriften der Kabbala. Wie die Megilla die am reichsten verzierte jüdische Schrift in Rollenform war, war eine andere Festschrift, die für das Pesachfest bestimmte Haggadah, das jüdische Religions buch, das dem üppigsten Bilderschmuck Anlaß zur Entfaltung gab. Pcsach ift ein frohes Fest, der Gedenktag der Befreiung aus ägyptischer Gefangenschaft. Da wird ein festliches Mahl bereitet und vor und während des Mahles am Vorabend des Feiertages verliest der Familienvater aus dem Buch der Agadc die Sagen und Wundergcschichtcn aus Ac(fypfcndenen Gebete,und Festliedcr folgen, singend oder stellenweise im Chor vorgetragen. Dieses Festbuch der Haggadah soll jedes Jahr die Ueberlieferung frisch ins Gedächtnis rufen und den Kindern, die zum erstenmal an der Feier teilnehmen, weitergegeben werden. Vielleicht hat sich der Kinder wegen, die des Lesens in hebräischer Sprache noch oft unkundig waren, die Illustration in bei sonderem Ausmaß im Buche der Agadc entwickelt. In den ältesten erhaltenen Aggaden aus dem dreizehnten und vierzehnten Jahrhundert — neben den spanischen sind besonders die frühen italienischen Werkezu nennen — ist die Schöpfungsgeschichte bis Zum Einzug in Kanaa'n illustriert, und daneben das Pesachfcsl. Später im fünfzehnten und sechzehnten Jahrhundert fallen die geschichtlichen Szenen -meist fort. Es werden bloß die Gebräuche des Pfcsachfestes illustriert? Neben dem Festbuch der Haggadah werden verschiedene Gebetbücher, so z. B. das O m e r buch, das die Gebete nach dem Pesachfest enthält,' mit Malereien verziert. Em reiches Betätigungsfeld boten im späten Mittelalter neben den religiösen Schrifteh im engen Sinne dem Maler und Zeichner die verschiedenen mlualcn und profanen Bücher. Da gab cs Mohelbücher und Bücher, die Heirats- und Begräbnisgebräuche betrafen. Schriften medizinischen, astronomischen, mathematischen und juristischen Inhaltes, und schließlich -dichterische Wfrke, ethische Fabelb.ücher und ins Hebräische übersetzte persische und, arabische Romanzen. Neben SaAriften in Rollen und Buchform gab cs noch mit Miniaturmalerei geschmückte Einzelblätlcrj. Dazu gehörten selten vorgenommene Gebete, die zur Unterstützung des Gedächtnisses an der Synagogenwand angebracht Wurden, und Festgebetc von Frauen, zu deren Erleichterung das Bild ipi besonderen Maße gefördert wurde. Eine große Rolle spielten die Misrach, Einzelblättcr im Vorraum der Synagoge, die zehn Gebote enthaltend, als Vorbereitung und Läuterung des Besuchers des Gotteshauses gedacht, bevor er vor das Allcrhciligstc. des Thoraschreincs treten sollte. Reich gezierte Einzelblättcr mit kreisförmig angeordneten Gebeten, dienten als Amulette, und mit kabbalistischen Zeichen als Bcschwürungs- und Schutzblättcr. Nicht vergessen werden -dürfen auch die reich gezierten Eheverträge, die Khctubah, die deA Mangel amtlicher Eintragung ersetzen sollten und ebenfalls am frühesten in Spanien künstlerischen Schmuck erhalten haben sollen. Die künstlerische Tätigkeit der Juden verdient besondere Beachtung und Wertung auch der widrigen äußeren Verhältnisse Die große Auswahl der besonders preiswerten Intenso Deliciosos (Siehe Abbildung) 20 Pf. Hochfeine leichte Qualität Weitere Sorten des beliebten Intenso-Sortimentes zu IS, 30, 50 Pf. Post »chedt-Konto. Berlin 11470 Illustrierte Preisliste kostenfrei! 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