Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Journal
- Monatsschrift der Berliner Logen UOBB
- Volume
- 6 (1926-1927)
- Issue
- 4 (7.1926)
- Date
- 1926-07-01
- Page
- Seite 69 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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I w f- Nr. 4 MONATSSCHRIFT DER BERLINER LOGEN ILO.B.B. 1 Seite 69 _t_—_— - _ - - _ * " i Film, und Judentum Von A. R o Man verlange von mir hier keine tiefgründige philosophische Untersuchung, keine akademische Betrachtung über Dinge, die etwa sein könnten, sondern nehme das, was hier geboten wird, als ein paar Randbemerkungen aus der Praxis heraus, für die Praxis bestimmt. Jüdische Probleme sind im Film schon oft, einmal gut, einmal schlecht, genau wie religiöse Dinge anderer Glaubensbekenntnisse behandelt worden. Besonders der Freitagabend und das Pessachfest haben das Wohlgefallen der Filmregisseure gefunden und zwar meist in einer Form, die auch, den strengsten und gläubigsten Anschauungen gerecht wurde. Wir ha^en Bildstreifen int Deutschland über die Leinwand gleiten sehen' ' in denen der Pofjrom mit all seiner Scheußlichkeit wieder erstand, allerdings zur Abschreckung, als warnendes Mahnmal, als Beispiel, zu welchen Mitteln verirrte und verhetzte Menschen greifen. Das Ghetto und seine Probleme boten vielfach glänzende Filmvorwürfe. Im „alten Gesetz" sah man den Kampf der Tradition mit der Neuzeit. In dem amerikanischen Schildkrautfilm wurde der Gegensatz' zwischen den alten Eltern aus dem^östlichen Europa und dem jüdischen -studierten Sohn, der in die moderne Gesellschaft Eingang gefunden hat, ergreifend aufgezeichnet. All diese Bilder zeigen jüdische Motive aus rein künstlerischen Gründen heraus, zeigten sie genau so, ' wie etwa das Milieu des alten Roms, die Wagenrennen zur Zeit der Königin von Saba oder Sitten und Gebräuche aih Hof zu Worms zu Zeiten der Nibelungen. Derartige Filme bieten den Juden vielleicht hier und da /. etwas.mehr als dem Christen. Sic erinnern an.eine stolze Tradition, an eine Zeit, wo äußeres Judentum von viel höherer und viel tieferer Bedeutung, war, wie in unseren Tagen. . Vielleicht haben diese Bilder auch einen tieferen Wert. Sie zeigen dem Andersgläubigen manches, was zum Vorteil für uns spricht. Besonders, weil bei . all diesen Bildern das Karikaturistische fehlt, weil alles auf Stimmung gestellt ist und eine Feierlichkeit ausstrahl|t die im allgemeinen sogar dem Film fremd ist. Aber es gab auch Dinge, die peinlich berührten. Man sah den jüdischen Händler, den Wucherer, sah Pottasch und Perlmutter, zapplige, fahrige Journalisten, ohne daß es möglich war, mit dem nötigen Nachdruck zu protestieren. Die Grenze, wo der Wunsch des Regisseurs nach der guten Pointe sich vermischt mit der schädlichen politischen Wirkung, die vielleicht gar nicht bezweckt wurde, ist sehr schwer zu ziehen. In vielen Fällen ließ sich durch freundschaftliche. Vorstellungen Abhilfe erreichen. Manchmal konnte man auch nicht zu Abwehrpiitteln schreiten, weil eine Aenderung einfach aus technischen oderj juristischen Gründen nicht durchzusetzen war. Hier und da sind auch ausgesprochene antisemitische T^ndenzfilme hergestellt worden. Glücklicherweise müssen die Erzeugnisse des Kurbel- " kastens amtlich zensiert werden und ipa'n hat überall’ da Verbote durchgesetzt, Ausschnitte angeordnet, wo absichtlich antijüdische Wirkungen erzielt werden ^s^llten oder wo sie etwa hätten erzielt werden können. Es ist in den letzten Jahren häufig der Versuch gemacht worden, jüdische .Filme zu schaffen oder Filme, die für das Judentum Stimmung machen sollten. Man hat schließlich aber doch davon Abstand genommen. Vor allen Dingen haben .unsere führenden jüdischen Verbände mit Recht ihre finanzielle Unterstützung versagt. Es ist nicht Aufgabe des Kinos, politische Filme zu machen oder Filme, die politisch wirken können. Wir haben in der letzten Zeit am 3eispiel des „Potemkin"-Filmes ■ gesehep, wohin derartige Erzeugnisse führen. Die Parteien, — denon der dargestclltc Gegenstand und seine Tendenz zusagt, heben das Erzeugnis in den Himmel, die Gegner benutzen es für ihre Zwecke iod schaffen unter Umständen Stimmungen und Situationen, die gerade in unserem speziellen Falle besonders unerwünscht wären. Es sei hier erwähnt, daß häufig die Anschauung verbreitet ist, der Film wäre „verjudet". Es sei gestattet, darauf hinzuweisen, daß diese Annahme unrichtig ist. Es gibt heute in Deutschland eine ganze Zahl s e n t h a 1. judenreiner Filmfirmen, Filmorganisationen, in denen ausschließlich Andersgläubige tätig sind. Auch im Ausland liegen die Dinge ähnlich. Selbstverständlich betätigt sich das jüdische Element genau so im Reich des belichteten Zelluloids, wie anderwärts. An den technischen und künstlerischen Erfindungen haben wir ebenso Anteil, wie die Angehörigen anderer Religionen. Gerade bei den amerikanischen Filmschau&pielern, also bei dem Teil, der bei internationaler Betrachtung der Industrie ausschlaggebend ist, bekennt sich ein großer Teil zur evangelischen und katholischen Religion. In maßgebenden Filmkreisen Deutschlands und Amerikas sowohl beim Fabrikanten wie bei Theaterbesitzern steht man absolut auf dem Standpunkt daß der Film freibleiben muß von religiösen Einflüssen irgendwelcher Art. Er ist ein Volksunterhaltungsmittcl großen Stils. Er kqnn es nur bleiben, wenn man. ihn fernhält von jeder politischen und religiösen Tendenz. Man könnte auf der einen Seite bedeutende Wissenschaftler jüdischer Konfession als Förderer des kulturellen Films auf- - zählen. In der Kinoreformbewegung, also im Rahmen jener Bestrebungen, die den rein ethischen und kulturell wertvollen Film fördern, spielen jüdische Namen Selbstverständlich neben Christ-- liehen eine bedeutsame Rolle. Sie seien hiermit Absicht nicht genannt, schon um auch dadurch zum Ausdruck zu bringen, ^daß wir das Filmproblem in eine wirtschaftliche und nationale Sache, nicht in eine Angelegenheit der Konfession verwandeln wollen. Mit derartigen Experimenten bVingt man weder die wirtschaftliche Bewegung noch die soziale Volksgemeinschaft weiter. Der -jüdische Kaufmann, der Künstler, der Gelehrte hat seinen Anteil an der Filmarbeit bei ifns und in anderen Ländern. Er ist hier neben» und mit den Angehörigen anderer Bekenntnisse tätig. Er ist „Mitarbeiter", aber nicht allein entscheidend, Mithelfer, aber nicht wie es heißt „Diktator", Wenn hier und da die jüdische Leistung besondere Anerkennung findet,.-so ist uns das natürlich angenehm. Wir » wehren uns aber dagegen, daß man neuerdings in völkischen Blättern das, was am Film schlecht und reformbedürftig ist, auf das jüdische Konto abbuchen will. Bäs ist eine subjektive und objektive Unwahrheit. - Eine Lüge, wie so vieles andere. Wenn wir auf den deutschen Film im besonderen exemplifizieren wollen, d^nn muß festgestellt werden, daß gerade die großen - künstlerischen Versuche und Resultate auf das Konto von Anhängern unseres iClaubens zu setzen sind, daß die führenden Männer, die für eine deutsch-amerikanische Zusammenarbeit und damit für eine Rettung des deutschen Films eintreten, sich zu uns rechnen.! Wir sjnd stolz*darauf, schon aus dem sehr einfachen Grunde,| weil gerade Filmarbeit auch Arbeit für die * Nation bedeutet. Weil Internationalität des deutschen Films gleichzusetzen ist mit Ausbreitung deutscher Kultur, Verbreitung von deutschen technischen Fortschritten in der ganzen- Welt. ‘ , Das mußte einmal klargcstellt werden, ' weil gerade in neuerer Zeit versucht vlird, die Zusammenhänge zwischen Judentum und Film so auszudeuten, als ob das Schlechte von uns, das Gute von andern gemacht wird. Wer so etwas behauptet, tut es -entweder aus Unkenntnis oder wider besseres Wissen. Aber das ist eine Erfahrung, die leider auch'auf anderen Gebieten im Kampf gegen das Judentum gerade in den letzten Jahren häufig zu machen ist. Dem Orden gehören nicht mehr an: Berthold.Auerbach-Loge: Max Hartmann, Wilmersdorf) Tharandter Sir. 5. Dr. Hermann Kahlenberg, Lifchterfelde-West, Stcinstr. -22. Jacques Schramm, W 50, Heilbronner Str. 18. ■ i Leo Mcssinger, Charl. 5, Windscheidstr. 15. Timendorfer Jubiläumsloge: Sally Blumenthal, Stendal, Breite Str. 50.