Der Aufstieg
- Journal
- Der Aufstieg
- Volume
- Band 1 (1930-1932)
- Issue
- 11 (7.1932)
- Date
- 1932-07-01
- Page
- Seite 285 (sequence 19)
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/4884546-5428396-5428436--313-4884839- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Darum knnn auch das Missllngen der sowjetistischen Versuche nicht als Beweis gegen die Möglichkeit und Notwendigkeit der Schaffung jüdisch-lanclwirtschaftlicher Siedlungen auf grösseren zusammenhängenden und möglichst autonomen Landstrichen gelten. Unter normalen staatlichen und sozialen Voraussetzungen können sie bei Aufwand starker und beharrlicher Energieen an versehiedenen Stellen der Erde gelingen. „SYMPHONIE DER BEGEISTERUNG" UND „DUNKLE AKKORDE" Es ist in Hinsicht auf die positive Arbeit in Erez-Jisroel erfreulich, dass es von der Weltkrise verschont blieb. Weniger erfreulich, dass diese Erscheinung, die auf seine ganz eigenartigen Bedingungen gerade in dieser Zeit zurückzuführen ist, zur Stimmungsmache für eine allzuweit gehenden Optimismus benutzt wird. Ganz unerfreulich aber ist die Pörderung, die dieser Optimismus durch die Makkabiade und den Messerummel in dem ach so komfortablen Tel-Owiw und durch die vielen Touristen erfahren hat. Sogar in Palästina, im zionistischen Palästina, wird diese Unerfreulichkeit empfunden. So erzählt uns Julius ßerger (Jerusalem), selbst ein hemmungsloser Fürsprecher des augenblicklichen Augenblicks-Optimismus, den er als „produktiven Optimismus" ausschreit, am Fin- Snge eines Artikels in der ..Selbstwehr", Nr. 21 : „In die Symphonie der geisterung. die die aus Palästina heimkehrenden Touristen überall ertönen lassen, mischen sich vom Lande selbst her dunkle Akkorde. Wozu der Jubel, fragen sie. Was hat sich denn eigentlich geändert; ist das das Palästina, das wir erträumt haben? Dieses Land des Purirajubels und der Makkabiahdemonstration. diese Stadt der Levantemesse und des Lunaparks?" Und meint dann: „Der überragende Eindruck ging diesmal in erster Linie von Tel — Awiw aus. Es war ein Triumph der Stadt."..-.... Von diesem Triumpf offenbar ganz und gar nicht entzückt schreibt die bekannte Schriftstellerin und überaus eifrige Zionlstin H e I e n e Hanna Thon (Jerusalem) in der .Jüdischen Rundschau" No. 29: „Niemand unternimmt es gern mitten in einer lachenden Umgebung den Miessmacher zu spielen. Wenn man aber in Laufe der Jahre mehrmals mitangesehen hat, wie auf einen allzu übertriebenen Jubel ein'schwerer Katzenjammer folgte, dann fühlt man sich doch veranlasst, mitten in diesem lauten Pestgetön auf den Alltag in seiner wahrhaften Gestalt hinzuweisen". Und gibt dann eine Schilderung dieses Alltags, die zeigt, wie die Dinge eigentlich liegen. Sehr kräftig ist die Warnung des Publizisten Löfban im „Hapauel hazoir". Er warnt vor der neuen Stimmung, vor der neuen Wirtschaftsmentalität, die heute in Palästina den „Mittelpunkt des nahen Ostens" sieht, die sich stützt auf den Hafen von Haifa, die Bagdadbahn und die Petroleum-Röhren- Leitung, er warnt vor den übertriebenen Hoffnungen, die man auf die neuen Mittelstands-Einwanderungen setzt, warnt vor dem Sprung aus den politischen Illusionen in einen „Konjunktur-Zionismus" u s.w., u s w. Am drastischesten legt der Dichter Lamdon gegen die herrschende „Purimstimroung'Tnit ihrem Lärm, ihren Uebertreibungen, ihrer Unwahrhaftigkeit los. Sie bewirke, schreibt er in der Zeltschrift „Mausnajim" nichts als Täuschungen, sei nichts als Schminke, die über das Pehlen der Röte der Gesundheit hinweg täusche. Der „Purimstil" herrsche bei uns das ganze Jahr, nicht bloss einen Tag. Es walte die Tendenz, immer nach aussen zu leben, in einem ewigen Zirkus, immer alles zu übertreiben, sodass schliesslich ein Levantinismus herauskomme, der' nur Uebertreibungen und Extremen zugänglich sei. Wie schön wäre es, wenn unsere "wthodoxen Ueberöptimisten gegenüber ihren erlebten oder gelesenen Touristen-Erfahrungen so vorsichtig wären, wie diese der zionistischen Sache ganz hingegebenen erprobten Zionisten. und wenn sie ihre diversen Appelle an das jüdische Publicum nicht gar so rosenrot färben 285