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Der Aufstieg · 1932-04-01 · 10 (4.1932) · p. Seite 251

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Journal
Der Aufstieg
Volume
Band 1 (1930-1932)
Issue
10 (4.1932)
Date
1932-04-01
Page
Seite 251 (sequence 9)
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was wir zu tun haben. Das Blut schreit in uns, das« wir Juden sind. Wir können und wollen keine Katholiken sein. Hunderte Jahre hüben wir uns für das Judentum geopfert, aber wir hüben keine Kraft mehr. Was wird weiter sein? Sie müssen uns helfen! helfend. „Ich bemühe mich," sagt der Briefträger, „dass sie den Sabbat nicht verletzen, ach, und wie wenige hören auf mich! Sie haben noch Furcht, sie meinen, dass wir noch in den Zeiten der Monarchie, des Katholizismus sind und scheuen die üeffentlichkeit. Man inuss Sctiulen gründen, damit unsere Kinder nicht in die katholischen Schulen gehen müssen." Plötzlich entsteht ein Tumult. Durch die Menge drangt sich ein riesenhafter Kerl, der in nichts einem Juden gleicht. Er stellt sich mir vor und beginnt mit einer solchen Wut zu schreien, dass es mir vorkommt, als würde er im nächsten Augenblicke ein Messer ziehen und nach rechts und links Stiche austeilen. Aber es kommt nicht so gefährlich, Fulisbcrto ist bloss sehr aufgeregt. «.Sie sind keine Juden", schreit er und zeigt, auf alle Versammelten, „sie haben alle in der Kirche geheiratet. Nur ich habe es gewagt und bin nicht hineingegangen. Heute ist liberdade (Freiheit), heute regiert die Republik!" (bekanntermassen haben die Marannen ihre eigenen Hochzeitsgcbräuchc, nach deren Absolvicrung gehen sie aus Furcht oder .Gewohnheit in die Kirche. Iiis 1910 waren sie gesetzlich dazu gezwungen. U.M.) „Wir mussten in die Kirche gehn, wir mussten", entschuldigten sie sich bei mir, „was konnten wir anders tun?"?£$ta unicum, er ist eine Ausnahme", sagten die andern. Fulisbcrto springt auf wie ein verwundetes Tier: „Und wenn mich der Teufel holte, würde ich nicht in der Kirche heiraten", schreit er. „Ich habe keine Angst vor den Geistlichen und spreche offen mit ihnen". Er pfeift und winkt mit beiden Händen. Bald stehen seine Frau und drei Kinder neben ihm. „Ich bin ein wahrer Jude, sagt er, meine Frau ist eine Jüdin und meine Kinder sind Juden!". Die andern stehen tief erschrocken da: Sind sie denn keine Juden? Sic, die am Sabbat nicht arbeiten, die am Sabbat kein Schweinefleisch essen und die das Joch des Judentums mit Opfermut tragen, sie sollten keine Juden sein?----Sic blicken auf mich und warten, was ich dazu sagen werde. Und ich stehe da, erschüttert, und kann nicht sprechen. Die Ewigkeit hat sich für einen kurzen Blick vor mir entschleiert, die Seele des jüdischen Volkes ist für einen Moment vor mir enthüllt. 251

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