Der Aufstieg
- Journal
- Der Aufstieg
- Volume
- Band 1 (1930-1932)
- Issue
- 10 (4.1932)
- Date
- 1932-04-01
- Page
- Seite 244 (sequence 2)
- Belongs to
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Gesetzes der Trägheit. Zusammenschluss, um sich das grosse Gut zu erhalten, - die Losung verstanden sie schliesslich doch, folgten ihr. Aher wohin? da fehlte es. Man konnte sie organisieren, man konnte mit ihnen manifestieren. Man konnte sogar manches tun, ihnen sozusagen die laufenden Geschäfte hesorgen, die schon früher auch besorgt wurden, weil ohne sie das Judentum keinen Tag weiter hätte bestehen können. Auch politisieren konnte man für sie. Nur an eines brauchte man nicht zu denken: Ihnen begreiflich zu machen, dass es sich um ein Schwerstes und um ein Neues handelt, darum, das schwache, strauchelnde Israel für das alte Judentum zu retten, zu verjüngen, zu erhöhen. Ein eigenes Ziel, ein eigener Plan, ein eigener Weg — wozu? Sie verstanden ja im besten Falle oder wäre es richtiger: im schlimmsten zu sagen? nur mit Ideen aus der Fremde sich einzudecken. Darum genügte ihnen ja auch die Programmformel „Lösung der jeweiligen jüdischen Gesamtheitsaufgaben im Geiste der Thora". Sie sind sogar ganz diplomatenstolz auf sie. Und es hätte doch viel einfacher heissen können: Die Agudas Jisroel will das thoratreue Judentum im jüdischen Volke zum Siege und nach aussen zur Geltung bringen. Wozu diese Hervorhebung des Selbstverständlichen, der Jeweiligkeit? Wenn nicht, weil zu der einfachen Formel keine Ergänzung durch ein wirkliches Programm vorhanden war, wenn nicht aus der. fast möchte man sagen, angeborenen „von Fall zu FalF'-Mentalität der orthodoxen Menschen, aus ihrer Abneigung gegen alle Konzeption, aus ihrem Versagen, vor den Problemen - namentlich vor dem ihrer eigenen Umgestaltung zu brauchbaren Kämpfern für den grossen Kampf mit den Mächten der Zerstörung. Woher kommt es denn, dass die orthodoxe Jugend die Jugend anderer Bewegungen um deren Ziele beneidet und sie sich bei ihr sozusagen schmuggelweise ausborgt? Woher anders, als daher, dass sie das eigene Zie,l nicht sieht, dass sie das Ziel, dem jetzt in seiner Geltung so geschwächten überlieferungstreuen Judentum wiederum volle Geltung nach innen und aussen zu verschaffen, nicht als ein Ziel von epochaler Bedeutung erkennen gelernt hat? Und woher kommt es. dass sie dies nicht lernte, wenn nicht daher. m dass man ihr nicht neue Wege gezeigt, nicht neue Arbeitsgebiete mit grossen Zwischenzielen erschlossen bat, statt sie aus der Langeweile des „von Fall zu Fall"-Systems nach den Zielen und Plänen der andern sich sehnen zu lassen? Man glaubte der Agudas Jisroel die Anziehungskraft des Zionismus oder des Kommunismus zu verschaffen, wenn man die 244