Der Aufstieg
- Journal
- Der Aufstieg
- Volume
- Band 1 (1930-1932)
- Issue
- 9 (11.1931)
- Date
- 1931-11-01
- Page
- Seite 240 (sequence 22)
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doch unvergleichlich gewaltigere Uebermacht des liberal-"christlichen" Warenhaus-, Börsen- und Grossbankwesens auf beiden Seiten des Atlantik denkt? — Der Rascenantisemitismus wird natürlich abgelehnt. Es ist klar, dass in einem solchen Werke nicht allzuviele Artikel über jüdische Themen sein können, und dass, soweit Biographisches in Betracht kommt, vor allem Personen behandelt werden, die von nicht-jüdischem, speziell deutschem Interesse sind und mit Juden und Judentum meist nur durch die Geburt zusammenhangen. Aber es will mir scheinen, dass, da die ja ohnehin unendliche Menge von Stichwortern aus den Naturwissenschaften eine Auswahl erfordert, vielleicht statt des „Ausglühmetalls", des Kartenspiels "Bassadewitz" der 6 qkm grossen Insel "Anatahan" noch so manche geisteswissenschaftliche Artikelchen hätten Platz finden können, darunter auch noch jüdische. So ist der nachbiblische jüdische Bereich nur spärlich vertreten (übrigens fehlt z.B. der biblische Name Amram). Es ist nicht recht einzusehen, warum man sich über natürlich wichtige Männer, wie Abarbanel und Albo, nicht aber z.B. über bedeutsamere Dinge und Personen, wie Amoräer, Barajta, Abbaje, Rabed, Ascher ben Jechiel, den Baalschem u.a. unterrichten kann. Was die Gegenwart betrifft, so dürfte z.B. Achad Haam so wenig wie Agudas Jisroel übergangen werden. Allerdings kommen derartige Ausstellungen eigentlich nur für den nichtjüdischen Leser in Betracht, der sich über jüdische Dinge nicht leicht aus jüdischen Quellen informieren kann. Und es sind jedenfalls keine Mängel, die uns den Vorzug vergessen lassen konnten, den der "Grosse Herder" in seinem religiösen Unterbau besitzt. S. SIEDLUNGSWESEN. REICHSBUND FÜR JÜDISCHE SIEDLUNG. Er sind gerade drei Jahre her, dass der Reichsbund für Jüdische Siedlung in Deutschland (Ris) bei einer durch den Reichsbund Jüdischer Frontsoldaten einberufenen Kundgebung gegründet wurde. Der Reichsbund für Jüdische Siedlung bezweckt die Förderung der. Ausbildung und Ansiedelung jüdischer Landwirte und Gärtner in Deutschland und die Förderung bestehender jüdischer landwirtschaftlicher und gärtnerischer Kleinbetriebe in Zusammenarbeit mit der Schwesterorganiaation "Jüdische Landarbeit Ges.m.b.H." Im Frühjahr 1930 erwarb er um Mark 200,000 das Gut Gross-Gaglow in der Nähe der Industriestadt Kottbus, um es mit jüdischen Gärtnerin, Geflügelzüchtern und Bauern zu besiedeln, deren Betriebe dann die Möglichkeit der Ausbildung junger jüdischer Landwirte und Gärtner geben sollen. Der Reichsbund für Jüdische Siedlung legt Wert darauf, dass die verschiedenen Gesinnungsgruppen unter den deutschen Juden in der Siedlungsarbeit und in der Leitung des Bundes zur Geltung kommen. Demgemäss haben auch seine Verhandlungen mit der Orthodoxie zu einem immerhin ansehnlichen Ergebnis geführt. Einerseits werden die künftigen überlieferungstreuen Siedler — es sind bereits welche angenommen worden — Gelegenheit haben, ihr Lebensführung streng nach dem jüdischen Gesetze einzurichten. Und andrerseits ist für eine genügende Kontrolle und Garantie in dieser Hinsicht durch die eben erfolgte Zu wähl von Rabbiner Dr. Jakob Freimann (Berlin) .und Dr. Nathan Birnbaum (Berlin) in den Vorstand des Reichsbundes für Jüdische Siedlung gesorgt. 240