Der Aufstieg
- Journal
- Der Aufstieg
- Volume
- Band 1 (1930-1932)
- Issue
- 9 (11.1931)
- Date
- 1931-11-01
- Page
- Seite 237 (sequence 19)
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Wir mächten Herrn Bialik raten, die tieferen Ursachen der ihn 10 beunruhigenden Erscheinung zu suchen. Wir hatten im Laufe unserer Geschichte schon verschiedene Krisen zu überwinden. Haben wir aber schon jemals eine Krjsc des "Hebräischen Buches" durchgemacht? Auch Herr Bialik wird dies nicht behaupten Wenn sich Herr Bialik erkundigen wollte, wieviele Chumoschim, Tenachs, Misch - najaus und Gemoraus noch heute, trotz der schlechten Zeit, im Golus verkauft wollen. Erstens hatten wir kein "Hebräisches Buch", sondern ein Loichaun hakav- (Icnch-Sejcr, und zweitens macht dieses G.s.D. auch heute keine Krise durch werden, so würde er sehen, dass kein besonderer Gtund zu Klagen vorhanden ist Das "Hebräische Buch" aber war von Anfang an zum Untergang verurteilt, weil es dem Wesen des jüdischen Menschen nicht gerecht zu werden suchte. Die Frelgeistigkeit und die Unmoral, die so oft im "Hebräischen Buche" steckt, konnten in der jüdischen Volksseele nicht verdaut werden. Darum ist Bialik auch sehr im Irrtum, wenn er glaubt, dass mit dem Untergang des "Hebräischen Buches" eine geistige Taufe eintreten "würde. Wir haben Jahrtausende ohne das "Hebräische Buch" gelebt und waren nicht assimiliert oder gar geistig getauft. Erst das "hebräisch", sondern foschaun-hakai'desch, und die tiefe Liebe, die-sie im Herzen tragen, ist nicht dem ' Hebräischen Buch", sondern dem Se/er gewidmet. Gewiss li.ii Bialik Recht, wenn er sagt, d;iss man nicht verstanden habe, einen engeren Kontakt zwischen Buch und Leser herzustellen. Nur meinen wir das in einem viel tieferen Sinne. Im übrigen fällt es uns auch gar nicht ein, das profane hebräische Buch abzulehnen. Wir können uns' eine echt jüdische Literatur vorstellen, die von ebenso schöpferischen als gottbegeisterten und frommen Menschen geschaffen ist. Ja, wir sehnen sie. sogar herbei. Und wir möchten Bialik raten, wenn er schon das hebräische Buch retten will, sich mit einem Appell an seine Freunde, die hebräischen Dichter und Schriftsteller zu wenden, dass sie sich in das Wesen der reinen gläubigen jüdisches Seelen versenken. Vielleicht, dass sie dann Form und Inhalt ihrer Werke diesem Wesen anpassen könnten. Sicherlich würde er dann nicht mehr über eine Krise des "Hebräischen Buches" zu klagen haben. S.O. EIN JIDDISCHES LESEBUCH. flieser, Schindler. — Di jiddische Neiehume. — Farlag Baj$ Jakow. Lodz, 5691. „Ein jüdisches Lesebuch soll so sein, dass die Kinder ihre Freude daran haben, aus ihm allerlei gute und schöne Dinge erfahren und vor allem darin sich heimisch, jüdisch-heimisch ("jiddischlech") fühlen. Ein jüdisches Lesebuch soll den Kindern die Liebe zum Weltenschöpfer, zu seiner Thora und seinem Volke einflössen. Unser Freund Elieser Schindler unternahm es, ein solches Lea«buch zusammenzustellen und es ist ihm sichtbarlich gelungen. Wir sind ihm viel Dank dafür schuldig." Diese Geleitworte — im Originale jiddisch, — gab ich dem Buche auf seinen Weg mit. Und ich möchte nur noch ergänzend folgendes hinzufügen: Die Vorzüglichkeit der Leistung zeigt sich ganz besonders in der Auswahl der Lesestücke, in der richtigen Dosierung von Belehrung und Unterhaltung, von Ernst lind Kurzweil, von Prosa und Lyrik, von Tatsächlichkeit und Sentiment, von gedanklicher und religiöser Anregung. Aber auch, die Kunst, den Stoff so zu gestalten, dass er — was nach der Vorläufigen Lage der Ding« noch nötig ist — der Bedürfnissen mehrerer Schulklassen entspricht, ist hervorzuheben. Nicht zuletzt sind auch die ansprechende Stilisierung der prosaischen Leaestücke, die von Schindler selbst besorgt ist, und etliche Gedichte und Liedchen von ihm lobend zu erwähnen. 237