Der Aufstieg
- Journal
- Der Aufstieg
- Volume
- Band 1 (1930-1932)
- Issue
- 6 [7] (2.1931)
- Date
- 1931-02-01
- Page
- Seite 180 (sequence 10)
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/4884546-5428396-5428428--204-4884734- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
< icmeinsctiaft. Sie will schlummernde Kräfte wecken und für den Aufmick des Menschen ausnützen. Sie will ihn zu immer höheren Stufen der Gotteserkenntnis (l)aas Haschern), des sittlichen Lehens (Rachamim) und der göttlichen Schönheit von Natur und- Mensch (Tiferes) emporfülireti. Sie ist darum in Uebereinstimmung mit den Lehren des Judentums. Wird doch juder Mensch von unseren Weisen als eine „volle Welt" betrachtet, der durch seine Taten für die ganze Welt zum (iuten oder Schlechten entscheidend sein kann. Qibt es doch in der geschriebenen und mündlich überlieferten Thora unzählige Stellen, die der Beziehung des Menschen >.u Gott, zum Mitmenschen und zu sich selbst gewidmet sind. Sind doch die Mi/waus speziell zur Läuterung des Menschen bestimmt. Darum muß die Aulhn-Dcwegimg von allen, die den Jammer unserer Zeit fühlen, herzlich begrüßt werden. Sie ist ein Sonnenstrahl in der tiefen Finsternis, die heute über der Welt liegt. - Allerdings kann die Aufsticgsarbeit der Aulim nicht bloß im Zuge individueller Bemühungen geführt werden. Wenn z. Ii. der Aufstieg in der (iotteserkenntnis und in der äußerlichen Haltung im Sinne göttlicher Schönheit auch durch Arbeit der einzelnen erzielt werden kann - be/iiglich des Aufstiegs im Sittlich-sozialen ist dies durchaus nicht möglich. Hier ist der Anteil breiterer Massen unlK'dingte Voraussetzung. Die wirtschaftliche Struktur von heute is^o beschaffen, daß wirtschaftlich sich niemand in Einsamkeit ausleben kann. Und in der Gemeinschaft trifft mau auf Schritt und Tritt auf die mannigfachen Versuchungen unserer Zeit, muß man allen ihren Schlechtigkeit!-n und Lntartuhgserscheinungen begegnen. Mau stellt unter ihrem Linflusse. Oft sogar unbewußt. V.s ist ganz unmöglich, sozial-sittlich zu leben und zu wirken, wenn man nicht ununterbrochen mit einer Idee gepanzert ist, die den Kampf, für ein gerechtes und sittliches Leben befiehlt. lieber die Gercchtigkcitsklccn der sozialistischen Mcnsehheitsvcr- Mirger brauchen wir nicht im besonderen zu sprechen: sie gehören ja in die Gesamtheit aller Ideen der Zivilisationsepochc. Wie diese alle, konnten auch sie ihr Problem nicht lösen, weil sie den Weg zur Seele des Menschen nicht fanden. Im Gegensatz zu ihnen wirkt und schafft heute die Bewegung der „Paualej Agudas Jisrocl". welche die Souveränität der Thon über das Leben herstellen will. In erster Linie steht für sie die Propagierung der sozial-sittlichen Ideen der Thora und das Streben, sie im Lehen durchzuführen. Als Mittel zum Ziel benützt sie nicht den Egoismus, die Hrutalitüt. die Bestie im Menschen, die nach Blut dürstet, sondern den (icist. die Seele, die aufwärts nach Billigkeit und Gerechtigkeit strebt. Hie ..Paualej Agudas .lisroel" erwarten das Heil nicht in der Form einer l'mkonstruicnmg des heutigen wirtschaftlichen Mechanismus, wenn nicht eine Aenderung in der menschlichen Psychik erzielt wird. Erst müssen sowohl der Bourgeois mit seinem Götzendienst des Geldes als der Proletarier mit der Vergötterung seiner Arbeitskraft vor Gott dem Weltenherrn, kapitulieren, der alles schuf, damit de/ Mensch glücklich sei und zur höchsten geistigen Stufe gelange. Darum kämpfen die ..Paualcj Agudas .lisroel*' gegen das Böse, von welcher Seite es kommen mag. und pflegen das Gute im Menschen. Den Haß beseitigen und Liebe Üben ist ihr-End ziel. ,