Der Aufstieg
- Journal
- Der Aufstieg
- Volume
- Band 1 (1930-1932)
- Issue
- 6 [7] (2.1931)
- Date
- 1931-02-01
- Page
- Seite 172 (sequence 2)
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nicht. Insofern* nimlich eine Sonderantwort auf die gegenwärtige Wirtschaftskrlse unter den Inden, ohne daß;itif die gegenwärtige Wirtschaftsnot der Welt Rücksicht genommen,wlrdi wirklich nicht möglich ist. Anderseits aber ist es doch fehlerhaft, weil er die Sonderantwort, die infolge der besonderen, ans unserer eigentümlichen Stellung unter den Volkern uns erwachsenden Nachteile notwendig wird, ganz verwirft. Hiese Sonderantwort bezieht sich zunächst auf die Frage der Abhilfe für die unmittelbare Gegenwart. So muß z. B. der Umstand, daß die Juden gerade in ihren, heute am meisten verelendeten Massen, Auslandsvolk sind, ganz andere Versuche, dem Flend entgegenzuwirken, mit sich bringen, als hei Völkern, die dort zu Hause sind, wo sie Not leiden. Oder ein anderes Beispiel: Da sie als Einwanderer und Pin Wanderungskandidaten einer unfreundlicheren Stimmung der Bevölkerung des Finwanderungslandes als die Angehörten anderer Völker und Religionsgcsellschaften ausgesetzt sind, müssen sie mit anderen Mitteln, dieser Stimmung zu begegnen, rechnen. Dabei ist es selbstverständlich, daß den stets gesteigerten Störungen und Hemmungen Gegenzüge von schließlich sich vermindernder Stoßkraft entspreclu-n müssen. Und so kommt es. daß alles, was heute getan wird und getan werden kann, um die Verelendung der jüdischen Massen und des jüdischen Mittelstandes aufzuhalten, noch viel viel ärmer an Ergebnissen, noch viel mehr Tropfen auf heißem Stein ist. als das. was zu analogen Zwecken gegenüber der allgemeinen Wirtschaftsnot getan wird. Und es ist fast unnötig, hervorzuheben, daß das Ergebnis noch dürftiger wird und werden muß. wo es sich um Not handelt, die durch religiöse Standhaftigkcit verschärft ist. Per engste Kreis der Interessenten muß ganz natürlicherweise die wenigsten und die schwächsten Erfolge gegenüber dem Welt Verhängnis aufweisen. Das ist einmal so und es hat keinen irgendwie denkbaren Sinn, sich darüber hinwegzutäuschen, oder gar solche im ganzen zu Frgebnisarmut verurteilte Oegenwartsarbeit als notwendige was sie ja ist — einer in die Zukunft ausblickenden Tätigkeit als unnötiger was sie nicht Ist — entgegenzustellen. Wenn es in einem orthodoxen Blatte heißt, daß wir .unsere Kraft in Ausblicken in die Zukunft, die ja nicht in unserer Hand liegt", nicht ..vertun" sollen, so sei zunächst darauf aufmerksam gemacht, daß auch die Gegenwart nicht in unserer Hand liegt". Und wenn in dem betreffenden Aufsatz geraten wird. ..lieber in der Gegenwart das zu leisten, was von der Zeit und vom Lenker der Zeit aus Menschen und .luden als selbstverständliche Pflicht aufgegeben ist", so haben hier die drei Wörtchen ..von der Zeit" einen einfachen, aber immerhin richtigen Gedanken,, abgedrosselt, bevor er geboren ward. Gewiß haben wir in der Gegenwart zu leisten, denn wie sollten wir als Gegenwärtige in der Zukunft leisten können? Aber für Zeit und Zukunft haben wir in der Gegenwart Ell leisten. Und in Zeiten von solcher Schwere und solcher Unergiebigkeit wie die heutige, ist die Leistung f r die Zukunft viel wichtiger als die ].elsttm^ für die Zeit, für die sie übrigens mitleistet, und mindestens ebenso „vom Lenker der Zeit uns. Menschen und luden als selbstverständliche PfTTcht aufgegeben". Soll denn wirklich das bißchen Zukunftswille, das noch In der Orthodoxie lebt, erstickt werden, statt, daß es im Vertrauen auf die Hilfe Gottes gestärkt und gesteigert wird, um schließlich die Tat. die große Tat zu setzen? 17«