Der Aufstieg
- Journal
- Der Aufstieg
- Volume
- Band 1 (1930-1932)
- Issue
- 5 (10.1930)
- Date
- 1930-10-01
- Page
- Seite 145 (sequence 23)
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/4884546-5428396-5428424--167-4884699- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
8. Ls müßte einmal die Krane aufgeworfen werden: Läßt sich das ohne die Haltung erreichen, die wir (Hauben nennen? Kann bloße historische Uebcrzeugtheit solches W under zeitinen? Genügt es, zu sagen, die Sinajgesetzgehung sei so historisch wie die und die Schlacht der Welt* geschiente, um auf solche Notlznahme eine Liehe zu (iott mit ganzem Vermögen) mit ganzem Herzen und ganzem Leben zu pflegen, die Märtyrertaten unserer Vergangenheit zu erklären? Von solcher historischen Schulung wußten bestimmt alle die Mcnschcninasscn nichts, von denen R. Josef JabetZ;ds Augenzeuge berichtet, sie seien in den spanischen Austreibungsjahren treuere Zeugen geblieben als mancher Gelehrte. Nein. Ueber/.eugung ist ein köstliches (iut. sie beherrscht unser ganzes bewußtes Tun und Denken. Aber (ilaube lebt innen und beherrscht uns, oh wir es ahnen oder nicht. Was uns die Väter vorgelebt haben. - das lebt auch in uns. Nicht zu allen Zeiten war es Sitte, dem Thora studierenden jüdischen Knaben und Jüngling eine so ausführliche und gründliche Tnaehausbildung zu erteilen, wie es zur Kenntnis der Geschichte Israels vonnoton gewesen wäre. Das war gewiß ein, wenngleich durch äußere Nöte entschuldbarer, störender fehler, Doch, dieser Mangel an (ieschichtskenntnis. diese Naivität, die nicht alle Details des Unterganges des ersten Tempels von denen des zweiten zu unterscheiden wußte, hatte nicht die lebende jüdische Seele ertötet, welche stetig das Rechte zu treffen weiß, wenn sie sich auf die (irundeinstellung unserer Lehre zu den Weltereignissen besinnen soll. Ist das (ilaube oder nicht? f!s ist wohl (ilaube gewesen, der nie das Unhjstorische für wahr zu halten verlangt, wohl ober (ilaube, der sich nicht aufs Historische beschränkt, sondern Gottes Weltherrschaft gegenwärtig spürbar macht. 9. Aus solcher Seelen Ii alt ung Ii e r a u s a 11 e i n ist es in friedlichen Zeiten möglich geworden, daß auch auf die ewigen Ignorabimus alles menschlichen Wissens aus Yhoraworten unseren Weisen Antworten erhellten: auf Schöpfung, Willensfreiheit und Allwissenheit, ja auf die Geheimnisse der Chukkim. unseres Lebensgesetzes, das im Verlegenen unseres Herzens wirkt, von Geschlecht zu (ieschlecht. Nur eines bleibe unvergessen: Dieses Lebensgesetz aber erfaßt uns als ganzes Volk. Alle die Weltflucht und blinde Vertrauensseligkeit, die nötig war. um die Weissagungen und Gesichte einzelner ..in Rätseln träumender" Propheten der Welt näherzubringen, scheidet für die Nachfolge Moses . des großen Propheten, völlig aus. Das und nichts anderes wollen Kusari und Hirsch in ihren anfangs erwähnten Aussprüchen uns sagen: Unser Glaube hat nicht die Kritik zu scheuen. I r ist historisch unanfechtbar. ..Der Ueruf des Judentums, seine Lehre in der Welt zu propagieren, bedeutet, für die Wahrheit seiner Tradition einzutreten. Diese braucht aber 14S