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Der Aufstieg · 1930-09-01 · 4 (9.1930) · p. Seite 100

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Journal
Der Aufstieg
Volume
Band 1 (1930-1932)
Issue
4 (9.1930)
Date
1930-09-01
Page
Seite 100 (sequence 1)
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DER AUFSTIEG EINE JÜDISCHE MONATSSCHRIFT I. JAHR, IV. HEFT ELLUL 5690 (SEPT. 1930) BERLIN-WIEN DIE SENSATION DER LETZTEN WOCHEN SIND DIE DEUTSCHEN REICHSTAQSWAHLEN. SIE HABEN IM IN- UND AUSLAND AUFSEHEN ERREGT UND INSBESONDERE DAS JÜDISCHE VOLK IN ALLEN LANDERN, NAMENTLICH NATÜR¬ LICH IN DEUTSCHLAND, ARO BEUNRUHIOT. WAS WIR DAR¬ ÜBER ZU SAGEN HABEN. FINDEN SIE IM INNERN DES BLAT¬ TES UNTER DER RUBRIK »BEMERKUNGEN" IN DEN NOTIZEN „DIE DEUTSCHEN REICHSTAGSWAHLEN** UND „STOFF ZUM DENKEN**. DIE GROSSE SCMBE Gesenkten Hauptes stehen wir am Jaum Hakippurim da, schlauen uns an die Brust und erflehen Verzeihung für unsere Sünden. Wir zählen sie auf — eine lange, lange Reihe. Aber wir vergessen dabei, daß über ihnen allen und um sie herum noch eine Sünde schwebt, die wir nicht nennen und die doch da ist, eine Sünde, ohne welche die übrigen nicht zu der Macht gekommen wären, zu der sie gekommen sind, eine Sünde, durch deren Ueberwindung auch die übrigen erblassen müßten. Oder haben wir nicht' dadurch Sünde auf uns geladen, daß wir — in diesem Jahre wie in den vorhergehenden — sehr wenig oder besser fast gar nichts taten. Was dazu hätte führen können, die jüdische Gesamtheit vor zuviel Versündigung zu bewahren; daß wir uns ein jeder nicht nur nicht genug um die eigene Besserung, sondern auch schon gar nicht darum kümmerten, wie es um die Hingabe an Gott, um das „liebe deinen Nächsten wie dich selbst", um das fromme Erleben der göttlichen Weltenpracht bei unseren jüdischen Nebenmenschen aussieht. In bezug auf die Sünden in unserer privaten Lebensführung pflegen wir uns ein jeder Besserung wenigstens vorzunehmen. In Hinsicht auf die große Sünde der Indolenz gegenüber dem allgemeinen Verfall haben wir es selbst so weit nicht gebracht. Wir haben in den letzten Zeitläuften so manche Programme aufgestellt, aber darunter keines der tätigen Reue auf der ganzen Linie, keines für den Kampf gegen die Sünde der Hundert-

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