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Allgemeine illustrirte Judenzeitung · 1861-06-28 · 26 (28.6.1861) · p. Seite 202

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Journal
Allgemeine illustrirte Judenzeitung
Volume
2 (1861)
Issue
26 (28.6.1861)
Date
1861-06-28
Page
Seite 202 (sequence 2)
Language
German
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—** 202 h<— מ nnftrt -0c*©6?*©0־ sek ertr. Deftar.de dieser Blätter uns von den verschiedensten Seiten und zu wiederholten Malen au-gedrückten Wünschen vieler Leser Recherung ttagend, lassen wir vom Beginn dezweiten Semesters die Aeadenmg in «nserm Blatte eiatreteu: daß wir nämlich statt der bistzeriaev wöchentlichen, in da- Blatt gedruckten Abbildungen letztere in separaten Beilagen auf starkem Pavierund mit arbßerer ^KWisl DißgeMrt, v0t» Zeit zu Zeit bringen Ae^U^^^e Nerscheruog deS^BläÄes an Tert und der p^^te Wertb^per von fk Zeit erscheinenden Beilagen wird den ve^MRAa-M^er» zsigE^Atß hiedurch die von unS bichhet gtrlnßftrtr. »ermindert wervrn; wie denn inrch dir nichr l׳Nwu»nvt AenvNllNA M Fokmaje des Blattes durch dk^S^Me MMeruag dkfMMkreffeF'lint r- Veib^hgftuSZ gebiAnd ^rechlfeWt^che^,t. ,3 . U»f «tue «nodkvotlendL' Thatluahme der irstzertgen Gönner diese-Blattes uad aas atzten che Prämmweatime״ tznsien P«ft. im 3uni »861. Der Dmmsgeber Md drr NrrkIkr. Hoch ein Votum über eine schwebende Frage. Eine Reibe trefflicher Aufsätze, welche über die »Kethuba Frage" in diesen wie in anderen Blättern erschienen find, hat diese' .Krage' zu einer recht interessanten gemacht; und gewiß bat auch der würdige Ton. in welchem die Polemik darüber geführt worden, die Leser auf's angenehmste berührt. Zndeß wird wobl mancher Leser der fraglichen Aufsätze, namentlich der in Nr. 22 dieser schätzbaren Zeitschrift, an die eben damalwichtigste TageSfrage — .Adresse" ״rer .Beschluß" — gedacht babeu. Uns wenigsten» erging es so. 2a unserer Phantasie stand nämlich Herr Rabbiner Stern, der eatschierea gege» die Ketbuba ist. als rer Maun des .Beschlusses." Ihm ist die Kethuba eine überflüssige Rull, etue Zahl ohne Werth: eine Anomalie, gelinde gesagt. — Herr Oberrnbbstier Kassel, das .historische Recht" der Wahrheit und der Forschung anerkennend, will die Kethuba in ihrer Eriftruz belassen, aber nur mit einer ״Peäfeatativasformel"; fie hat fick ein gutes altes Recht im greife jüdischer Gebräuche erworben; t ־ fie hat schon gar manch guten Dienst geleistet, bemerkt Herr Ober׳ rabbiner Lew: fie leistet ihn noch jetzt, ergänzt Herr O. R. F., kenn ste constatirt am besten, ob die Frau eine גרושה oder חלוצה sei. — Mit der Präsentationefvrmel kann fie auch als?הפס dienen. — Diese Anficht will nur Modification. versöhnende Modifikation, sie will Ausgleich — sie stimmt für "Adresse." Nun die dritte Ansicht. Daß Herr Rabbiner Fischmavv zur Kethuba - Partei gehört, das ist entschieden. Horen wir feine Gründe. ES würde ihu schmerzen mit der Ketbuba. so zu sagav, ein großes Stück Poesie zu Grabe gehen zu sehen, kenn: .fie bezeichnet die hohe Stellung, die de« jüdischen Weibe innerhalb re» jüdisch-socialen Lebens eiogeräumt wird." Eie ist zugleich ein Acren stück, eia juridisches Instrument, das dem Gatten Pflichten aaserlegt. Sie ist es zwar nicht, da den Ebecontrarl — nicht die Ketbuba — sondern die תנאים #חרמים repräsentirten. über sie ist es hernach wieder, bei armen Braatleutcn, die sich nur .leere Hände reichen", wo daher jeder andere Vertrag überflüssig ist. (!) Endlich ist die Kethuba eine der drei Säule» der Welt Die Aboliruag drr Ketbuba würde Zwietracht säen, die Brandfackel res Haderin die Gemeinde werfen, würde überhaupt denen, die da- ׳#׳ז לשנות des י־׳ס׳א für unantastbar halten. ein Dorn im Auge fein; darum lasset die Ketbuba — Kethuba sein. Dies ras Resu«6 der rersckieuenen Meinungen. Wir wollen nun auch unsere unmaßgeblich« Ansicht hier äußern. Der allen Dingen, was war die Kethuba und was ist sie jetzt? Die Kethuba — deren Entstehen sich im Nebel der altea Zeit verteert, — war, ras ist entschieden, ein rein juridisches Documeut, aoarin der Gatte seiner Gattin eine Morgeagabe zusichert, sie zu nähren und zu Ariden fick verpflicht«!. Zwei Momente beweise» ras am besten. Erstens die Sprache in der die Kechuba abgefaßt ist. welche Braut und Bräutigam verstehen sollten uar konnten. Zweitens wird koch beute in Jerusalem sie Kethuba unter de« Trmchtmmet erst gefertigt. Das war die Kechuba. Und jetzt? rfR״trtfba# maacheS ähnliche Andere, das wobl in Fleisch uad vkat der jiMfchsrr Bräuche übergegangen, obre da4 wir aber recht wissen wie so? Für I den Forscher ist sie eine ehrwürdige Antiquität, die man aus Pietät im Laufe der sich anders gestalteten Zeiten und Verhältnisse, nicht eiamal fprachrichtig umzugeftalten gewagt, und die heute aus dem Grunde schon aus den TrauungS-Ceremonien weichen sollte — nicht blos weil fie nicht dahin gehört, sondern, well selbst der bibelfesteste Laie sie nicht versteht; — und die Berpflichtungen deS Gatten, die fie enthält, io die — um vieles später eingrführten — ת״א oder Ehepakten ausgenommen werden könnten. Da aber unstreitig die Kethuba einen anderw.itig erheblichen Nutzen gewährt, so spricht das nur für ihre Abfassung nicht aber für die Präsentation, geschweige für die Verlesung. Mit drr Abfassung wäre va» schöne Stück jüdischen Zartgefühl-, der Beweis der Achtung vor der jüdischeu Lebeasgefährtia gerettet; rS könnten in der, allenfalls zu modificirende» Urkunde die Verpflichtungen de- Gatten ausgesprochen «erden und ewären selbst die ärmsten Brautleute i« Schutzwalle der Kethuba geborgen. Was aber geschieht mit de« ואץ לשנות de» ר׳מ׳א? höre ich den Leser fragen. Mein lieber Leftr! frage den wackern Herrn Rabbiner Fisch»«na, wie wir mit manchen andern Rrma's zurecht kommen; frage, wie wir iu den Synagogen Trauungen vornehmen? Rema will doch davon nichts wissen! frage, womit wir die Deplacirung der Äima gegen das ועושים הבימה באמצע בית הכנסת rechtfertigen? uad noch so manches Andere. Nein! neben שלום stkht auch אמת; letzteres steht sogar früher; die Forschung kennt keine Rücksichten, und so unantastbar uns daehrwürdig Heilige, wo es sich um eine wirklich rrllgibfe Observanz hantelt, erscheinen muß; so müssen wir doch veraltete, geschmack- und bedeutangSlose Gebräuche mit Freimach bekämpfen - וישן מפני חדש תוציאו. Da wir endlich mit dem Richlverlesrn der Kethuba keineswegs gegen den?ח verstoßen, so sollen unS jene Wenige, die unS darob als מחבלי ברמים verschreien, nicht kümmern. Wk glauben demnach: 1. Es solle die Kethuba nach wie vor abgrfaßt werden — am besten freilich ia eine» reiaeu gute» Hebräisch. 2. Soll fie keineswegs verlesen »erden, und ist die Uebergabsformet rurchauS imnöihig. 3. Den הפסק kann entweder ein Psalm mit Choral oder — die Trauungsrede ersetzen. Samuel Spitzer, Ober<Rabbin»r. Autonomie und Natromüsirung. Die viel wurde nicht schon unter der Aeglde einebeliebten aber übel verstandenen Schlagwortrs im Laufe der Zeiten gesündigt: Oder besser gesagt, wann hat es je eine allgemein verbreitete Verfolgung und Rechtskränkuag gegeben, ohne daß sich rin willkommenes ״Schiboleth" eingrfunden hätte, daS man in ״frommer Srlbsttäuschung" oder zur ״Abwehr" aufs Panier geschrieben, unter welchem man mit unbarmherziger Leidenschaft kämpfte? Die Geschichte vermit hivtigen Lettern, wie oft uad unmenschiich im Namen (Smte9 und fiftner Religion, im Namen der Humanität und Civilisa- «ich, dä-^Schwdrk der Vertilgung erhoben, der Dolch des Meuchel- «ordes gezückt wurde. Und wäre enicht ia Elios Tafeln vcrzeich-

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