Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Journal
- Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Volume
- 2 (1861)
- Issue
- 24 (14.6.1861)
- Date
- 1861-06-14
- Page
- Seite 187 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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87.' י— «r.— Mitglieder vo» tarirn Anordnungen berührt werten, wie sehr ihnen also daran liege« müsse, eine solche Vertretung ins?eben zu rufen, von welcher vie gerechtesten, billigsten unt weisesten Maßregeln zu er» warten find. — Fast alle G meinten — tie größeren wenigstens — bieten, natürlich im engeren Raumverbäluiiß, dasselbe Bilt, wie die unsrige. UeberaU Rabbiner. Vorstand. ja beite in terselben Stellung. fast überall auch schon wohlgeortnerer Gottesdienst, eigene Schulanstalt. Vereine, Stiftungen nnv sonstige Institute. Unsere Großgemeinte hat nach der Fülle ihrer geistigen unt materiellen Kräfte, nach dem Reichthum ihrer Hilfsmittel, zumal da sie oft genug von Glaubens genoffen teS ganzen Landes besucht wird, den erhabenen Beruf, eine Mustergemeiude für die P-ovin;ialgemeinden zu werden was sie in einigem Grate zwar schon ist, aber auch noch in manchen Stücken rist werden müßte. Wer für daS Wohl und die Ehre unseres Stam-- meS ein fübtendes Herz bat, wird die Einwendung: das gehe uns nichts an, als eine Lieblosigkeit zurückweisen. Im Gegeniheil — die Gemeinsamkeit unserer Bestrebungen, die Solidarität unserer Jntereffen mit jenen der Landgemeinden, oder besser gesagt mit Men der gesammten Iutenheit in Mittel- Europa, machen tieLchließung eineö dauernden Ber-- h ä l t n i s se s zwischen sä m m t l i ch e n Gemeinden d e S Landes sehr wünschenswerth. Ich erwähne zunächst nur tie Zu ׳chriften rer hiesigen Eultusgemeinde an die anderen ungae. Gemeinden in Betreff rer Ungar. Sprache, sowie die LantesauSschuß Sitzungen in Betreff der EmaneipationSfrage. ES soll aber — sage ich — ein dauerndes und immer geschürztes Band sein, tas sie alle umschlingt-. Wenn unsere Autonomie nur erst vom Gesetze im Allgemeinen gewährleistet ist. dann wird sich die Nothwendigkei» mancher Spezialgesetze bald genug ergeben. insbesondere über taS V.rhältniß der Synagoge zum Staate, über ihr Lerbältniß za den christlichen Kirchen. vielleicht auch über ein jüdisches Ehegesetz, versteht sich nach den Satzungen des mos. rabb. Eberechtes u. s. f. Auch auf dem Gebiete der Verwaltung wird daS Zusammenhalten aller Gemeinden eine rüstige Macht entwickeln, als Unterstützung der Behörden, wenn sie nach Recht und Gesetz verfahren; als Lchutzwehr, wenn sie Eingriffe in die Sphäre der autonomen Religionsgemeinde versuchen. Dasselbe gilt vom Verhältniß zu den christlichen Kirchen; denn auch hierin kann freundliches, duldsameö Einvernehmen bestehen, kann aber auch manche Collision eintreten. Welche andere, als die hiesige Gemeinde soll nun den Mittel- Punkt jener Verbindung bilden? Von welcher andern, als von der unsrigen soll daher diese Verbindung eingeleitet werden? Die Anstalten der christlichen Kirche werden zwae zum großen!heil von kirchlichen FondS erhalten; zum Theil aber werten sie — zumal jene der katholischen — vom Staate oder der Eommune vo- »rt, das heißt auS Staats- oder ComiOunalmitteln erhalten. Diese Mittel werden durch Steuern herbeigeschsifst; zu den Steuern tragen die Juden bei. und zwar unter übrigens gleichen Umständen nicht um einen Kieuzer weniger als die christlichen Mitbürger. Die Juden helfen also vie Kosten speeisisch christlicher Institute tragen. Jüdische Anstalten genießen dagegen vom Staate oder, der Eommune keinerlei Dotation oder Subvention. Die fünf Auster-Hauptschulen wurden b.kanntlich mittelst jener Million gegründet, welche ausschließlich von den Juten als KriegSftrafe für die der ungarischen Sache bewiesene, besondere, opfermuthige Treue gezahlt wurde. Dieses Mißverhältniß soll beseitigt werden — und eS ist eine für unS gewiß wichtige Rechts- und finanzielle Frage, ob und in wieweit auch für jütische Anstalten der Staatshaushalt in Anspruch genommen werden könne; dieser Gegenstand berührt den Säckel Aller, welche Cultussteuera zahlen. Mit ih« im Zusammenhänge steht ein andere wesentliche Frage, welche für das religiöse Leben und somit für die moralische Hebung unserer Gemeinde von hoher Bedeutung ist: Bon unseren Frauen und Kinvern kann nur der bei weitem geringste Theil dem öffentlichen Gottesdienst so oft anwohnen, als ein religiöser Wanvel es zu« Bedürfuiß «acht; denn die Betfitze der Synagogen find Privateigenchu« und der geringe freie Raum im Schiff derselben wird von Männern eingenommen, die kein solche» Eigenthmn besitzen. In ten Frauengallerien gibt e» einen solchen Raum vieAeicht gar nicht, oder er kann nicht wohl ohne Beschämung benützt werden. Was die Jugend betrifft, so wird nur für eine verhältnißmäßig geringe Auzahl SchnlgotteSdienst gehalten. Für die zahlreiche Schülerschaft «m der Oberreaischule und an dem Gymnasium wäre eine gemeinsame gottesdienstliche Andacht eine sehr ersprießliche Einrichtung. Hierin thur Reform noth; aber welche — wird für die Bertreierschast ein eben so ernster als schwieriger BerathungSgegenstand sein,- Hier nur soviel, daß uns im Interesse der Religiosität und Sittlichkeit daran gelegen sein muß, den häufigen Besuch des Gottesdienste» Jedem aus unserm Glaubensbunte zu ermöglichen. Dies Land zählt an 40V iSrael. Gemeinden; wir bedürfen eines Rabbiner-Seminars, aber wir besitzen noch keine». Die von der kaiserlichen Regierung zum Range eines solchen erhobene Preßburger Jeschiwa mag wohl eine lehrreiche Talmudschule sein; aber eine Hochschule für zeitgemäße und berufstüchtige Seelsorger tst sie nicht. Heber die Pflege der ungarischen Sprache in der Gemeindeschule und über die wirksamsten Mittel zur Befferung der Sprache überhaupt in den untern Schichten der Bevölkerung hier nur soviel, es müsse jeder Familienvater zum Besten seiner Kinder den lebhaften Wunsch empfinden, daß dieser Gegenstand von geschickter, eben so sicherer als ruhiger Hand behandelt werde; dies kann aber nur von einer einsichtsvollen Vertreterschaft erwartet werden In Berücksichtigung de» eben Auseinandergesetzten sollte daher unsere ״Intelligenz" besonderen Eifer in ihrer Betheiligung an den Wahlen bezeugen. Vor Allem ist es 1a eben das vorwiegende Interesse für Kunst, Wissenschaft und Cultur überhaupt, was diesen Stand ausmacht. " Unsere ״Gebildeten" sind vom Fünfziger-Ausschuß mit anerkennenswerther Vorliebe zur Wahl beigezogen worden. Dieser Aufforderung nicht folgen, wäre bei ihnen Verrath ay dem Berufe. m dem sie sich öffentlich bekennen, und sie würden Schmach auf sich laden durch Verleugnung eine- Standes, dessen Ehre sie sonst in den Augen der Welt genießen. Auch auf den Ruf unserer Gemeinde im Ganzen übt dieser Umstand einen sehr fühlbaren Einfluß. Alle Welt weiß nämlich, daß bei der bevorstehenden Reorganisirung auf die Männer deS Wissenganz besonders Rücksicht genommen wurde. Bon jedem Collegium, welches aus der Wahl hervorgeht, muß also tie öffentliche Meinung annehmen, daß die gediegensten Potenzen darin ihren Play in ausreichendem Maße gefunden. Wenn sich aber die Männer des Wissens von den Wahlen fern halten und dadurch die neue Körperschaft nur wenig geistige Potenzen-in sich faßt, so wird die Welt durch unser eigenes Verlchulden zu dem irrigen Ausspruch gezwungen, . diese ungenügenden Kräfte seien noch die besten, die wir aufzubieten!vermöchten. Also. verehrte Leser, allgemeine^ lebhafte Mitwirkung. öffentliche Wahlbesprechungen! Dr. 3gna* Mannheimer. Bescheidene Minke lür die jüdischen neuen Bibelübersetzungen. Pom Hauptschul-Leiter Wilhelm Och». (Verspätet.) In Nr. 46 der ״Allg. Ztg. d. I." v. I. eröffnet die Philippson'sche Btbelanstalt, daß ein Eomits, der daselbst genannten Gelehrten, zur Ausführung deS längst projectirten Werke» sich bereit» gebildet. Unter den da bezeichneten Grundsätzen der ״Revision" (der Bibelübersetzung) heißt e»: ״a., va die Philippson'sche Ueberietzung überall nach phtlologischer Treue und genauem Anschmiegen an den hebräischen Text strebt, es sich aber hier um eine Volks- und Schulbibel handelt, soll in dieser mehr auf den flüssigen Ton und den deutschen Sprachgebrauch geachtet werden." I Wenn unsere beschränkte Erfahrung uns richtig lehrt, so scheint die geuettsche Methode, wenn auch nur mach und nach, wie jede, volle» Denken erfordernde Verbesserung, doch immer mehr Boden in unseren Volksschule» zu gewinnen- Am bemerkbarsten ist die» auf dem sprachumerrichtliche« Gebiete. Daß nun die hebräische Sprache, sowohl ihren Formen wie ihrem Geiste nach, sich vorzüglich für den genetischen UmerrichlSweg eignet, dürste uns hoffentlich jeder T