Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Journal
- Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Volume
- 2 (1861)
- Issue
- 14 (5.4.1862)
- Date
- 1862-04-05
- Page
- Seite 106 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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—106 »*■— ränumerations-^ -- - inladmig. Air P. T. Leser der beiveu bisher erschienenen Zeitschriften ״Earmel" und ״Allgemeine tllnstrirte Judenzeitnngfind bereitvon Leven Bereinigung zu eine« Wochenblatt« verständigt, und werden hiemit Diejenigen, deren Abonnement auf eines der genannten Blätter eben zu Ende gegangen, böffichst ersucht, ihre Pränumeration auf: €&ra$l. AHftmtift• ilhutrirt• Mtaunitaig, herau-gegeben von Dr. W. A. neiget, Miteigenthümer, Berleger u. verantwortlicher Redakteur J08. Bfirmann, so bald als möglich zu bewerkstelligen. Mumeratos ° Befrag: Ganzjährig 8 fl ö. W. — Halbjährig: 4 fl. ö. W. — Für die bisherigen Abonnenten des ״Carmel" bis zum ־־ I. October d. I.: in Pest 8 fl. 50 kr. ö. W. und auswärts fl. ö. W. Geldsendungen, Packete und Briefe sind zu senden: An das Verlag s - Comptoir d. ״Carmel, Allgemeine tllnstrirte JudenzeitungZrinyigasse, Hotel Europa, Pest. Pest׳ E 4. April 1861. J0S. BÄRMANN. -- I Am Norabend des ungarischen Jandtages. vr. 8K. Wenn diese Blätter mit ihrem neuen Doppeltiirl in den Händen der entfernteren Leser sein werden, da hat bereits die große Woche begonnen, mit welcher im buchstäblichsten Sinne deS Worteein neuer bedeutungsschwerer Zeitabschnitt für unser Heimathland eingetteten, jener Zeitabschnitt, welchem Millionen seit mehr als einem Jahrzehnt mit beharrlichem, tief innerstem Glauben und seit sechs Monden mit sehnsüchtigem Verlangen, mit Gebeten und Wünscheu entgegenblickte«. — Wieder versammeln sich die erwählten Der» ttaurnsmänner ver Nation, um über des Landes Heil und Wohlfahrt zu berathen; wieder werden die verehrten Stimmen ertönen, welchen wir einst bewundernd gelauscht unk ein Nachwuchs jüngerer Kräfte wird mit dem Feuer der Begeisterung die Weisheit der gereiften Erfahrung unterstützen; und begleitet von den erwartungsvollen Blicken einer Welt, werden Ungarn'- Vertreter über Ungarn'- Los. ja gewissermäßen über das Los unseres WelttheilS zu Rathe fitzen. — Gewiß ein gewaltiger Moment von großartigster Schwere und Bedeutung! Höher schlägt da die Brust und schneller fliegen die Pulse; und audem wogenden Meere der Gedanken und Empfindungen und Betrachtungen taucht vor Allem der Wunsch-empor: daß die Stunde sei und werde eine Stunde des Segens und des Glücke-, daß der Geist der Weisheit und der Einsicht walte im Rathe der Väter der Nation, und daß eS ihnen gelinge, da- Werk der Verjüngung unseres Vaterlandes in Liebe und Versöhnung zu vollbringen, da- Berwundete zu heilen und das Gesunde zu stärken, und die Größe und die Ehre und die Blüthe de» Vaterlandes für ferne Zeiten zu begründen und zu wahren! — Könnten wir in diesen jüdischen Blättern etwa mit einem besseren Wunsche vaS Zusammentreten peS ungarischen Reich-tageS begrüßen? Gewiß nicht! Wenn je die Gefühle des Patrioten und de- Israeliten in einander verschmolzen, so ist diejetzt der Fall; und nie drang ernster an unser Herz die Mahnung de- Propheten: ״Betet für das Wohl des Lande-, in welchem Ihr wohnt, denn in seinem Heilt liegt das Eure״! Möge zuvörderst das Wirken unserer Gesetzgebcr gedeihlich für das große Ganze sich gestalten, und die Erfüllung auch unserer Wünsche und unsere- Sehnennach Freiheit und Gleichberechtigung^wkrd nicht auSbleibeu. Bei allen peinlichen nnd kränkenden Erfahrungen, die wir im Laufe der letzten Monate gemacht, im Ganzen und Großen, zumal wenn wir die Stimmen gewogen, konnten wir die Ueberzeugung gewinnen, daß der Ruf der Zeit mächttg in unser Vaterland bereingedrungeu und vast ihren Forderungen im Schoße eer Gesetzgebung kein Widerstand entgegengesetzt »erden wird. Ein oberflächlicher Blick auf dt» Namen der Minner, welch« tagen werden, und auf da- Banner, welchesie vor den Augen ihrer Wähler hochgetragen, kann uns mit tröstltcher Zuversicht erfüllen. Da sehen wir als Abgeordneten der altehrwürdigen Königsstadt jenseits der Donau, den Mann, der bereits vor 20 Jahren im Magnatensaale zu Preßburg für da- Recht der Juden kräftig und beredt gesprochen und, der Erste in Ungarn und Oesterreich, ihm auch sein gefeiertes schriftstellerisches Talent gewidmet hat; wer kennt und ehrt nicht den Dichter, Denker nnd Staatsmann, Joseph Freiherr» v. EötvöS! *) ״Von meiner frühesten ״Jugend an wallte mein Herz gegen jede Unterdrückung auf״ ...״und ״so kam es, daß die Frage der Judrnemancipation, bevor sie noch in ״unserem Vaterlande zur Sprache kam, bereitmeine volle Aufmerk- ״samkeit auf sich gezogen hatte", sagt er von sich selber in seiner berühmten Schrift ״Ueber die Emancipation der Juden" (Pest 1861), in welcher er-den wahren Grund aller leidenschaftlichen und gehässigen Einwürfe ganz richtig mit den Worten charakterisirt: ״Vorurtheil und Eigennutz haben ein BLndniß geschlossen." Er erkannte es ״daß bei der Emancipation der Juden von keiner Be- ״lohnung für Verdienste, sondern nur von Aufhebung ״einer himmelschreienden Ungerechtigkeit die Rede sein ״kann", ״daß nur der Ort, wo wir uns frei fühlen... wo wir für ״keine Fremdlinge gelten, die wahre Heimath, da- Vaterland sein ״könne." Er bezeichnet es als ״menschliche Sendung überall zu helfen ״wo wir helfen können, jedes Leid zu mildern, jeden Unterdrückten ״empor zu heben und jede» Unrecht wieder gut zu machen." Er verkündigte e»: ״Die Emancipation der Juden wird sich selbst auch ohne ״un» Bahn brechen; mit seiner Aufklärung sich brüstend, wird das ״Volk am Ende etnsehen, daß die Achtung der Menschenrechte, die ״jeder auf seinen Lippen führt, nichts als ein leeres Wort ist, so ״lange Tausende die größte aller Qualen — Verachtung erdulden"; und er wird nicht die Worte verleugnen, womit da- Buch schließt: ״Die Zeft mahnt l — Wft können nicht Zurückbleiben. Keiner Prt- ״vilegien bedarf unser Jahrhundert, sondern der Freiheit, und diese ״kann nicht bestehen, so sie nicht Gemeingut ist, und wenn nicht die ״Knechtschaft sammt der Wurzel au-gerottet wird!" Und wie viele andere noch, erleuchtete und wahrhaft fteigesinnte Männer, welche e» in der Heimath oder in der Fremde, wo sie da- Brod der Verbannung gegessen, gelerrtt, daß die Emancipationsftage keine Juden frage, sondern eine Eultur- und Rechtsfrage werden e» al» eine Ehrenschuld bettachten zu sühnen, was da- Jahr 1848 an uns gesündigt. Während damals ein Wahlcandidat der Hauptstadt Pest seine Wahl durch das Versprechen zu sichern glaubte, daß er gegen die Emancipation stimmen werde, so sehen wir heute auderselben Hauptstadt Vertreter, deren freisinnige Meinung in dieser *) Geb.' zu Ofen am 3. September 1813. Die heuttge Nummer bringt da« Portait deeuropäisch berühmten Manne«. I