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Allgemeine illustrirte Judenzeitung · 1861-03-22 · 12 (22.3.1861) · p. Seite 90

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Journal
Allgemeine illustrirte Judenzeitung
Volume
2 (1861)
Issue
12 (22.3.1861)
Date
1861-03-22
Page
Seite 90 (sequence 2)
Language
German
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-Hie Juden in Ungarn. (Schluß.*) F-n. Rach liefern gegen die Nation in ihre» liberalen Hä Uplern ausgesprochenen Tadel heißt es bezüglich der Juden weiter: ״Ich gestehe übrigens ein, daß auch sie, die Juden, ihrerseits nicht alles getban, was ihnen vermöge der Lage geboten war. Cie haben sich beeilt, der triumpbirenden Bewegung entgegenzukommen, indem sie die ungarische Sprache in Schule unv Synagoge einführien. Es wäre besser gewesen, alle diese Symptome des Bürgersinns und der Nationalität, soweit es die Umstände gestatteten, schon vorher kund zu geben; allein vor oder nach dem Siege der nationalen Bewegung, durfte man daraus keinerlei Bedingung für eine Gnade machen^ die man zu fordern nicht den Muth besaß." Dieser Passus läßt viel zu wünschen übrig. Man sieht, daß Herr Horn sebr wenig oder nur höchst einseitig von dem Verhält- Nisse der Juten in Ungarn, worüber er Auskunft ertheilen sollte,. unterrichtet ist. Er würde sonst seinen jüdischen Landsleuten nicht einen so wenig gegründeten Borwurf machen, den nur ihre erbittertsten Feinde im Munde führen, als ob sie während der 11 Jahre an vaterländischem Sinn der Masse der übrigen Bewohner nachgestanden batten. Und was die Bedingung belangt, die aus den Kundgebungen der Svmvalhie zur Erlangung unserer Gleichberechtigung gemacht worden sein soll, so sind diese Beringungen nur von unfern Gegnern - ausgegangen, von unserer Seite aber nicht im Entferntesten so aufgefaßt worden. Wir wissen es zur Genüge, daß die Gleichberechtigung kein Almosen sei, das wir für geleistete Dienste zu empfangen haben. Sind wir zu tadeln, wenn es mancher Gegner anders auffaßt?'. — Herr Horn meint, die Juden ballen ihr gutes Recht fordern müssen damit man ihrer nicht vergesse, oder die Meinung gewinne, als ob sie ihrer selbst vergessen hätten. Er lobt die Gemeinde Lovasbersny daß sie ihr aetives und passives Wahlrecht bei dem Deißenburger Comitate angesucht und tadelt die übrigen Gemeinden, nicht ein Gleiches gethan zu haben, weil in diesem Falle von allen Comitaten eine gleich günstige Erklärung wie vom Weißenburger Comitate ausgegangen wäre und bei dem nächsten Landtage entschiedene Berücksichtigung gefordert hätte. — Wir bedauern abermals, nicht mit der eben eitirten Ansicht übereinstimmen zu können. Das einseitige Beispiel von Lovasberöny ballen wir nicht für maßgebend genug, um daraus zu schließen, daß alle Comitate in einem gleich günstigen Sinne erwiedert hätten, wie Stuhlweißenburg. Dagegen spricht manche Thatsache, die das Gegentbeil mit mehr Wahrscheinlichkeit vermuthen läßt. Luch mochte es die ungarischen Juden und gerade die Bessern unter ihnen bedünken. das unsere Sache, eben weil sie gerecht, keiner Mahnung bedürfe, und daß es kaum angemessen wäre, dem Trr'umpf der Selbstbestimmung der Municipien durch ein vorzeitiges Heranrrängen zu verkürzen. Daß es anders gekommen, dafür sind wir nicht verantwortlich zu machen. Möge dies die^liberale Partei zu entschuldigen suchen, wie sie'S kann. Nachdem wir so in einigen Punkten der Darstellung des Herrn Horn entgegenzutreten uns bemüßigt sahen, theilen wir vollkommen die Ansicht, dir er am Schluffe seines sonst interessanten Schreibens anführt. Diese lautet: ״Hiemit soll nicht gesagt sein, daß ich einen Augenblick an dem sehr naben nnd vollständigen Sieg der Sache rer religiösen Freiheit und der bürgerlichen Gleichheit in Ungarn zweifle. Ich habe dafür als Bürgschaften: Die Vergangenheit Ungarn's und die ausdrücklichen Verpflichtungen, welche in dieser Beziebung die liberale Presse und die achtbarsten Männer der gegenwärtigen Bewegung übernommen.״ Um zu dem Ausgangspunkte diese- Briefes wieder zurück zu kommen, will er kurz in folgendem resumiren: Die Lage der Israeliten in Ungarn läßt in diesem Augenblicke viel zu wünschen übrig, da in dem Augenblicke, wo das ganze Land wieder von seinen Rechten unk Freiheiten Besitz ergreift, sie sich von denselben ausgeschlosscn sehen; wenn aber die Juden in Ungarn solcherweise noch rem Tage der Gerechtigkeit entgegenharren müssen, so können sic ihn erwarten mit Vertrauen und ohne besondere Unge- > dult, da die Sonne der Gerechtigkeit und der Freiheit binnen Kurzem für sie anbrechen wird. *) Liehe Nr. 11. (Nachbemerk, d. Red.) Sowohl das Interesse, welches der Name des Herrn H. erregt, als auch die Bedentung de» Leserkreises, welche« derselbe sei« Darflellu»g »orgelßgt. rechtfertigen wohl die Ausführlichkeit, womit unser gesch. MitarbMe» diese Skizze wiedergegeben hat; wie nicht minder seine Bemerkungen in Betreff deren Mangelhaftigkeit ganz gegründet sind. Hiezu mag aber nicht blos die längere Abwesenheit des Herrn H., sondern auch dessen Parteistanv- Punkt nicht unwesentlich beigetragrn haben. — Die histor. Treue hätte es erfordert, beim Rückblick auf das Jahr 1848 auch des Schicksals jenes Anträge» auf Gleichstellung zu erwähnen, welchen der Landtags-Deputirte Källay^Oebün im Jahre 1848 während des Landtages in Pest gestellt, für welchen Antrag sich das damalige Ministerium ״im Principe" — wie damals die beliebte Phrase lautete — erklärte, dessen Gestaltung zum lebendigen Gesetze es aber aus wohlweislicher Rücksicht auf gewisse städtische Elemente hintanzuhalten wußte. — Daß Herr H. die verflossene 11jährige Epoche zu schnell abgethan, rügte schon unser gesch. Mitarbeiter; und gewiß ist es zum Verstänrniß unserer Lage und der Stimmungen hüben uud drüben nöthig, die verschiedenen Phasen, welche in der Judenfrage, so wie in allen anderen Verhältnissen dem Beobachter sich darstellen, zu unterscheiden, uud zwar: als die Periode des aufgeklärten Absolutismus, die der Concorratsherrschaft und endlich die des Uebcrganges oder der Einleitung zum Umschwung. — Daß der Jure in Ungarn nicht alle und jede Errungenschaft dieser Epoche mit Gleichgültigkeit hinnahm, daß er in seiner dankbaren Anerkennung mancher Besserung seiner Lage sich nicht immer von constitutionellen Gewissensskrupeln beirren ließ, kann nur die einseitigste Befangenheit denjenigen zum Vorwurfe machen, die vom constitutionellen Leben so ganzlich ignorirt worden, und nur entweder durch instinktives Bewußtsein der Zusammengehörigkeit mit der Gesammtnation oder durch Nachdenken und sittliches Pflichtgefühl denn doch die Anhänglichkeit an die vaterländischen Institutionen und die Theilnahme an dem Geschicke der bevorrechteten Mitbrüder bewahrt und bewährt haben. — Nicht als befangener Glaubensgenosse, sondern als unbefangener Beobachter und Berichterstatter hätte Herr H. den leisen Vorwurf, welchen auch er in seinen Worten durchklingen läßt, ersparen können. — Werden wir ja doch im Uebermaße von anderen Seiten nnd zwar aus den entgegengesetzten" Lagern damit überschüttet, und reichen sich ja in dieser Beziehung heimische Ultra'S und die »Augsburger Allg. Ztg." brüderlich die Hände. Letzteres Blatt, das doch so ungern rin gutes Haar an Ungarn unv seinen Gesinnungen und Bestrebungen lassen mag, weiß nur in dem einen Punkte Rühmliches von den ״Magyaren" zu sagen, wenn es den Judenhaß gilt; und während es Morgens von verrottetem »Bundschuh-Adel" und von herrschender ״asiatischer Barbarei", die nur durch die Macht germanischen Einflusses gebrochen werden kann, spricht, sind am Abend dieselben ״Magyaren" bis zum letzten Bauer herab ehevalereSk — und daher nothwendig Judenverächter. — Jnressen, von der Seite sind wir der gehässigsten Anfeindung schon gewohnt, und auf der anderen wird hoffentlich die Zeit und ruhige Ueberlegung einer ungetrübteren Anschauung und einem gerechteren Urtheile Platz machen. — Die Schule und die Gemeinde. Nr. 4 und 7 dieser geschätzten Blätter — auf Nr. 10 komme ich auch später zurück — haben zu meinem im B. Ch. Nr. 1 »er* öffentlichten Aufsätze: »lieber das Direktorat israel. Schulen" Entgegnungen gebracht. Ich hoffe, daß eine löbl. Redaktion in den Spalten ihres. Blattes auch mir Raum gönnen werde, den Herren Verfassern genannter Artikel zu antworten und ihre herbeigebrachten Gegengründe einer Prüfung zu unterziehen. Vor Allem sei es mir gestattet, den Schlußsatz besagten Artikels, der namentlich Herrn Or. Eisler Gelegenheit gegeben, nicht nur über den Beruf eines Schul-Direktors, sondern auch über den des Rabbiners so erbaulich zu sprechen, hier nochmals anzuführen. Dieser lautet: ״Mögen sich auch andere Rabbiner und Lehrer darüber — über die Directorsfrage — vernehmen lassen und ihre Ansichten und Erfahrungen veröffentlichen." Daraus geht doch klar hervor, daß ich Entgegnungen nicht nur erwartet, sondern auch gewünscht habe, ja

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