Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Journal
- Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Volume
- 2 (1861)
- Issue
- 11 (15.3.1861)
- Date
- 1861-03-15
- Page
- Seite 87 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/4884143-5427051-5427123--319-4884429- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
und deS allgemeinen Vertrauens, bei Juden sowohl als bei Christen, genießende Vorsteher unserer Cultusgemeinde, Herrn Wolf Wltzek. Die Beeidigung der neugewählten Vorstände ging am 5. d. M. vor sich, und bekundeten sowohl die katholische Kirche als die iSrael- Synagoge ihre Theilnahme an diesem Akt. In jener wurde ein frierltchrs Tedeum gesungen, in dieser ein solenner Gottesdienst mit Predigt abgchalten. Literarisches. Der halbe Schekel. Predigt, gehalten am 23. Jänner 1860, von Dir. Adolf Jelltnek, Prediger der israel. Cultusgemeinde in Wien. Wien, 1861. Wie gerechtfertigt auch das Verlangen nach Freiheit und Selbstständigkeit bezüglich des religiösen Lebens und des CultuSwesens in den jüdischen Gemeinden ist; wie sehr auch dem ur'cigenthümlichen Wesen des JudenthumeS jedes von außen und von oben dreretirte Uebrr- und Untcrordnen, Schematisiren und Clasfistciren widerstreben mag; so stellt sich auch anderseits das dringendste Bedürfniß heraus, der atomistischen Zersplitterung durch freiwillige Vereinigung entgegen zu arbeiten und auf diesem Wege jene heilsamen Zwecke zu erstreben, zu deren Erreichung von mancher Seite ״Synagalverfassungen״ ,״Eonsistorien' oder sonstige ähnliche Gestaltungen als Mittel empfohlen werden. — Manche ״fromme Wünsche" sind in dieser Beziehung schon laut geworden, zu manchem löblichen Unternehmen, sowohl rücksichtlich unserer Stellung nach außen alö auch der Fortentwickelung nach innen, zum vereinten Zusammenwirken der Glieder einer Gemeinde oder der verschiedenen Gemeinden ist der dringende Aufruf ergangen. Dahin gehört auch der Wunsch nach einem MachziS-Haschekel-Verein. den Herr Joseph Wertheimer im letzten Jahrgange seines Jahrbuches ausgesprochen, nach einem Verein, ״in der Art wie es der Gustav-Adolph »Verein bei einer anderen Eonfession ist", welcher Gedanke in Wien bei Gelegenheit der betreffenden Paraschah angeregt worden"; womit eben die vorliegende, bereits vor einem Jahre gehaltene und jetzt in Druck erschienene Predigt gemeint ist. - Die allgemeine, weit über die Grenzen seiner Gemeinde sich erstreckende Anerkennung, welche der Kanzelredner Dr. A. Iellinek genießt, macht es überflüßig ein Wort de- Lobes über die vorliegende Predigt zu sagen. In einfacher, von allem leeren Pathos und von schwülstiger Schönrednerei ferner, aber kräftiger und eindringlicher Sprache ist die Bedeutung und die Geschichte des ״hakben Schekels" vor Augen geführt. — Jene liegt in dem Grundsätze der dadurch zum Ausdrucke gelangte: daß alle Menschen gleich sind vor dem einen Gotte, den sie bekennen, und vor dem Gesetze das dem Born des Gottcsgeistes entquillt." Bei der Volkszählung, wo die Unterschiede der Einzelnen durch Vermögen, Abstammung und Stellung besonders hervortreten, da sollte Jeglicher, ob reich oder arm. denselben kleinen Beitrag für das Heiligthum des Herrn entrichten. Diese Gleichheit aller Menschen vor Gott unv dessen Gesetze, von der Egypten, Griechenland und Rom keine Ahnung hatten, die erst zu Ende devorigen Jahr- Hunderts öffentlich ausgesprochen worden, ist innerhalb des jüdischen Volkes so alt wie das Judenthum, gekannt durch die Schöpfungsgege schichte, wonach jeder Mensch ein Ebenbild Gottes, durch die Offenbarung die an das gesammte Volk sich wendet. Darum gab eS in Israel keinen Kriegrrstand wie in Egypten, darum besaß kein Theil des Volkes Vorrechte auf Kosten eines anderen, darum mußte die göttliche Wahrheit Gemeingut Aller werden; und dieses Bewußtsein der Gleichheit hat endlich die Gemeinde in Israel geschaffen. — In der Wüste wurde» aus den halben Schekalim die Füße und die Haken zum Stiftszelte gemacht; so stand das Heiligthum fest und hingen die einzelnen Theile desselben zusammen durch die Gaben der Gesammtheit, durch die Beiträge von Grsammt-Jsrael; denn nicht durch Einzelne sondern durch die Kraft der Gesammtheit werden die heiligen Güter eines Volkes gesichert. In späteren Jahrhunderten wurde der ganze öffentliche CultuS durch diese kleinen Gaben aller Volksglteder unterhalten; nach der Zerstörung des zweiten Tempels und dem Erlöschen des Opferdienstes wurde der halbe Schekel zum Besten der jüdischen Hochschulen in Palästina eingesammelt, selbst die in der Ferne zerstreut Lebenden sandten ihre Betträge zur Erhaltung und zur Pflege des Thora - Studiums; — und erst dreihundert neunundfünfzig Jahre nach der Zerstörung des TempelS erlosch die Wirksamkeit des halben Schekel. ״Doch wie?" — fragt der Redner — »soll das feuerflammende Zeichen, das einst Moses geschaut hatte, wirklch erloschen sein?" und schließt: ״Wohlan denn! Die Iudenheit zählt Hunderte von Gemeinden, die klein und arm, und deren Kräfte zu schwach sind, um würdige Gotteshäuser und Schulen zu erbauen, einen würdigen Gottesdienst zu erhalten und würdige Thoralehrer anzustellen. Große Gemeinden wurden kleiner, reiche arm, und neue find tm Entstehen begriffen. Warum, frage ich, sollen wir nicht einen Verein haben, um den CultuS und den Unterricht in kleinen oder armen Gemeinden zu unterstützen? Bedarf es etwa zur Gründung desselben große Opfer oder der Freigebigkeit der Reichen in Israel? Genügt es nicht, wenn Jeglicher, reich wie arm. einen halben Schekel beisteuert, damit überall der Gott Israels verherrlicht werde und seine Bekenner im Geiste der- Thora herangebildet werden? Kann eS uns denn gleichgiltig sein, wie das Iudrnthum in den kleinen Landgemeinden zur Erscheinung kommt, und wie die Heranwachsende Jugend dort groß gezogen wird? Uebrrträgt nicht das feindselige Urthril unserer Gegner auf uns alle die Schwächen und Fehler, die in kleinen jüdischen Gemeinden sich zeigen? Soll denn gar kein Band alle Jene umschlingen, welche in Glauben und Lehre ei S und einzig sind?"... ״So gewiß bizu Ende dieses Jahrhundrrts das ganze europäische Israel aller beengenden Fesseln entledigt sein wird; so gewiß das Iudrnthum einer großen Zukunft unter den freien, verjüngten und geläuterten Völkern entgegen geht: eben so gewiß ist es, daß ein solcher Verein in Israels Mitte einst entstehen und der halbe Schekel zur Pflege der Thora und deS Gottesdienstes wieder aufleben wird. Aber Heil, dreimal Heil jener Gemeinde und jenen Männern, die von der Vorsehung auserkoren sind, ihn ins Leden zu rufen: dann, andächtige Zuhörer, wird unfern Sabbat rin neuer Lebensodem durchdringen, dann wird die Parascha vom halben Schekel einen freudigen Widerhall in allen jüdischen Herzen finden, dann wird jeder in Israel in der Ueberzrugung bestärkt werden, daß die alten Gebote seiner Religion auf dem Boden der geschichtlichen Entwickelung neue Früchte tragen, und daß das Juden- Hum «in lebenSsrischer Baum ist, der im Sonnenschein, der Gleichheit vor Gott und dessen heiligem Gesetze gedeiht, grünt, blüht, Labung und Erquickung überallhin verbreitet, wo der einig-einzige und lebendige Gott gepriesen und verherrlicht wird!" Möge — fügen wir hinzu — die treffliche Idee, welche der geehrte Redner in so schönem, die Meisterhand verrathcndrn <Bewande seinen Hörern und Lesern an's Herz gelegt, in diesen Herzen nachhaltig wirken, möge der Same zur duftigen Blüthe und zur erquicklichen Frucht heranreifen. — de. אמונת אבלן; llittan az izraelita nepiskoläk alsöbb osztulyai 8zänaära. Ina Zilts Hör. megvizsg. Rabbi ös hites, nyilvänos v&llastanar stb. Peetcn, kiadja Heckenast Gustav, 1861. Mit der Einräumung einer größeren Herrschaft der vaterländischeu Sprache in unseren Volksschulen, wovon wir täglich aus allen Gegenden berichtet werden, mit der allmäligen gänzlichen Umgestaltung unserer Schulen zu rein ungarischen, die in naher Aussicht steht, hat sich die Frage und das Verlangen nach geeignet» Schul« und Lehrbüchern aus allen Fächern bereits laut erhoben, d^ix bisherige literarische Thätigkeit unserer Fachmänner hierin nur rine/pärliche gewesen, und gerade in den das specifische Judenthum berührende!»Unterrichtszweigen, wie Religionslehre, hebräische Sprache, Bibelübersetzung u. s. wdas bisher Vorhandene nur geringe Auswahl bietet. Um so freudiger muß da- Streben des verdienstvollen Herrn Verfassers obigen Merkchens anerkannt werden, der sich durch die Uebrrsetzung und Veröffentlichung seinebereits vor einiger Zeit unter dem Titel .Emunath-Omen" erschienenen Katechismus für die untersten Klaffen der israel. Volksklasse beeilt hat, zum Theile wenigstens dem vorhandenen Bedürfniß abzuhelfen. — Ueber den pädagogischen katechetischen Werth devorliegenden Merkchens in ein Näheres etnzulassen, erlaubt theils der geringe uns zugrmessene Raum nicht, anderntheils überhebt dessen der Umstand, daß dadeutsche Original mit Befriedigung und Anerkennung von den Fachmännern aufgenom-