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Allgemeine illustrirte Judenzeitung · 1861-03-15 · 11 (15.3.1861) · p. Seite 82

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Journal
Allgemeine illustrirte Judenzeitung
Volume
2 (1861)
Issue
11 (15.3.1861)
Date
1861-03-15
Page
Seite 82 (sequence 2)
Language
German
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82 «— unsere -- 26 ir glauben den geehrten Lesern unserer Blätter kerne unerfreuliche Ueberraschung zu bereiten, indem wir hiemit zur vorläufigen Anzeige bringen, roß es uns gelungen, eine Vereinbarung mit 2r. Ehrwürden Herrn Oberrabbiner Or Meise! als Herausgeber und Redakteur des ״Carmel" zu treffen, wornach vom 5. k. M angefangen, eine Verschmelzung beider Organe in Eines stattfinden soll. — Taffelbe wirr einmal wöchentlich in dem bisherigen Formate unseres Blattes und mit Illustrationen versehen, erscheinen, und die Tendenz beider Blätter vereinigen. — Durch diese Vereinigung hoffen wir ren Lesern einen erböheten literarischen Genuß zu bieten, während wir zugleich unfern Wirkungskreis zu erweitern bestrebt sind- — Die näheren Verhältnisse sollen mit Nächstem mitgetheilt werden. Pest den 14 Mär; 1801 Der IJerausgeöer der ״Mgem. Offuflrirten Iudenzeilung." ---- - Die Juden in Ungarn. F-n. Unter dieser Aufschrift ist im jüngsten Märzhefte der ״Archives Jsraelites" ein an die Redaction gerichtetes Schreiben unseres vielgenannten Landsmannes und Glaubensgenossen, I. E. H o r n, mitgetheilt, welches in mehrfacher Beziehung ras Interesse unserer Leser für sich haben dürfte. Wegen Beschränktheit des Raumes außer Stande, den ganzen Inhalt dieses Schreibens wiederzugeben, wollen wir uns bloß auf einige wesentlichste Punkte desselben beschranken. Wir finden uns dazu um so mehr bemüßigt, da wir uns in mehrfacher Beziehung mit seiner aus leicht erklärlichen Grünten hie und da Mangelhaften oder geradezu irrthümlichen Auffassung nicht einverstanden erklären und eine Berichtigung in unserm Interesse für nöthig erachten- Vor allem geht auS dieser Mittheilung der für uns nicht unwichtige Umstand hervor, daß die Lage der Juden in Ungarn im Schoße des Comite's der ״Alliance israekte universelle" in Paris Gegenstand rer Erörterung geworden, aus welcher Veranlassung auf die Interpellation eines Comitemitgliedes, Herr Horn eine müad» liche Aufklärung über unsere Verhältnisse abgab, so weit ihm dies der Umstand, daß er mehr als 10 Jahre entfernt von den Gauen des Vaterlandes gelebt, zu tbun gestattete. — Das Schreiben selbst soll׳ nur eine flüchtige Recapitulation dessen enthalten, was er in. seiner mündlichen Erklärung auseinandersetzte. Er beginnt mit der Darstellung der gegenwärtigen Lage im Lande überhaupt, wo sich alles in einem Zustande der gespanntesten Erspectative befindet, wie sie die plötzliche Wandlung des Regierungssystemes zur Genüge erklärlich macht. Mit diesem allgemeinen schwankenden Zustande der Dinge sei auch das LoS der Juden unzertrennlich verknüpft. Indessen räumt er gerne ein, daß die Juden nicht bloß in ihrer Eigenschaft als Bewohner deS Lande-, sondern noch ganz besonders als Bekenner reS mosaischen Glaubens sich im grgenwärtigrn Zeitpunkte beengt fühlen. — Die Schuld daran will er beiden Parteien theilweise;uschreiben. — Nach dieser allgemeine« Einleitung folgt eine eingehende Auseinandersetzung degesetzlichen Standes der Dinge in Ungarn. Cr geht auf den Landtag des JahreS 1848 in Preßburg zurück, wo es versucht worden, die Gleichstellung der Juden partiell durchzuführen. Durch die Demonstration der Preßburger Bevölkerung hätten sich aber die damaligen patres conscripti et circumspecti in ihrem edel begonnenen Vorhaben einschüchtrrn und beirren lassen. In Folge dessen wurde die EmancipationSftage bis zum 28. Juli 1849 in der Schwebe gelassen, wo in der allerletzten Sitzung die Nationalversammlung, einen Tag ehe sie zu rristiren ausgehört, dir vollständige Emancipation ausgesprochen. Auf die Zeit nach der Katastrophe von VilagoS übergehend, entwirft der Be» sasser des Schreibens ein düsteres Bild von dem Zustande seiner ungarischen Landes» und GlaudenSbrüver, unter Anderm dacontributionserpressrnve Vorgehen Hapnau's in ein gehöriges Licht setzend. Nach dieser, unserer Ansicht nach viel zu kurz behandelten Partie, deren Unvollständigkeit hinsichtlich der verschiedenen Phasen, welche die »ngelegenheiten rer Juden in der eilssährigen Zwischenzeit durchmachte, wir nur mit der seitherigen Abwesenheit Horn'S entschuldigen können, geht er plötzlich auf die Zeit des 20. Oktober 1860 über, wo Ungarn mehr oder weniger in den Besitz seiner politischen l Selbstständigkeit gelangte. — ״Das absolutistische und centralisirrnde System, welches seit mehr als 10 Jahren auf dem einst autonomem und freien Ungarn schwer lastete, ward durch die Hand deS Kaisers selbst gebrochen und eine Wiederherstellung des ehemaligen gesetzmäßigen Standes der Dinge angebahnt. Die Administration der Comitate und der Städte ist wieder in die Hände frei zu wählender Magistrate gegeben worden. Ein für den nächstkommenden 4. April zusammenbrrufener Landtag soll das Werk der gesetzlichen Wiederherstellung vollenden helfen." ״Die Israeliten", heißt es weiter, haben sich der frohen Hoffnung hingegeben, daß das wieder zur Freiheit gelangte Ungarn sich beeilen würde, gegen diejenigen seiner Bewohner Gerechtigkeit zu üben, welche mit ihm getreulich die Gefahren des Kampfes und die Leiden der Niederlage getheilt.... Diese Hoffnung ist noch nicht realifirt. Man hat sich hingegen beeilt (?.') den Jsraeliten in außergesetzlichem Wege Beweise der Achtung und Befriedigung zu geben, besonders dadurch, daß man sie zu Mitgliedern der Comitate macht e." Mit Bedauern müssen wir dem eben citirten Passus unsere Uebereinstimmung versagen, da die Wahl von Juden in die Comitatscongregationrn und die städtischen Vertretungen zu den allerauSnahmsweisesten zu zählen find, wohin auch die besondere Auszeichnung gehört, deren der Verfasser des Schreibens erwähnt, daß er zum Honorarmitglirde mehrerer ComitatScongregationen gewählt worden sei. Im Uebrigen finden wir es sehr begreiflich, daß er mit Schmerz über diesen nicht ganz zu erklärenden Umstand hinüber ging, was wir selbst recht gern thun möchten, wenn wir nicht fürchten müßten, daß eS von einigen Gegnern als Mangel an Selbstbewußtsein oder Feigheit ausgelegt werden könnte. — Als ob indessen Herr Horn seiner allzu beschönigenden Darstellung sich plötzlich bewußt worden wäre, findet er eS unmittelbar darauf nöthig, die Frage der politischeu Rechte der Juden in Ungarn eines Nähern zu erörtern. Der Standpunkt den er dabei festhält, ist ganz derselbe, den er in seinem neulichen Schreiben an den Redakteur de- ״Magyarorszäg" eingenommen. Er weist darauf hin, daß die Wiederherstellung des ehemaligen GesetzeSstandes es unumgänglich nöthig m^che, daß die Nation an den Bestimmungen von 1848 festhalte, was sie durch die Geltendmachung der Emancipation nur gefährden müßte, ohne der Sache der Juden im mindesten zu nützen. — Hingegen werde der nächste Landtag in entschiedener Weise das zur Wahrheit machen, was bereits vor 12 Jahren in extremis feierlich proclamirt worden. Im weitern Verlaufe beruft sich Horn auf die Kundgebungen der liberalen Presse und die Erklärung mancher Comitatsversammlungen in diesem Sinne. Auch sollen sich ihm gegegüber mehrere einflußreiche, an der Spitze der Bewegung stehende Männer im In- und Auslande in dieser Weise ausgesprochen haben. Trotzdem aber findet sich der Verfasser des Schreibens zu folgender Kritik veranlaßt. ״Selbst die schroffsten Männer des Gesetzessagt er, ״sind hie und da gezwungen, Akkomodirungen zuzulassen."... Das Fahrenlassen der Gesetzesanforderung von 1848, nach welcher der Genuß politischer Rechte an die Ausübung eines der recipirten Culte gebunden ist, j hätte keine so enorme und vereinzelt dastehende Ungesetzlichkcit gebil»

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