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Allgemeine illustrirte Judenzeitung · 1861-03-01 · 9 (1.3.1861) · p. Seite 71

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Journal
Allgemeine illustrirte Judenzeitung
Volume
2 (1861)
Issue
9 (1.3.1861)
Date
1861-03-01
Page
Seite 71 (sequence 7)
Language
German
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Seit einiger Zeit scheint der Druck eine« bösen Alp» ans ״Pesti Hirnök" zu lasten. Er sieht alle Dinge in einem äußerst trübm Lichte. Seine Denk- und Sprechweise ist derart, daß er mit Allen um sich herum in einen brklagenswerthrn Konflikt gerälh. Da» ist jedenfalls rin sehr ominöse» Zeichen! Tie böse Welt will wissen, daß das von ihm oft eitirte ״Wodianer'sche Blatt", vulgo ״Magvarorszig“ eS ihm angetban habe; indem reffen Entstehe» mit der empfindlichen Abonnentendürre, an welcher- ״Hirnök" leidet, in nicht allzuferner Beziehung steht. Der Umstand nun, daß Wodianer Jude ist, verleitet ״-Hirnäk" dahin, alle» zu hassen und zu verdammen, waS diesen Namen trägt. Zufällig aber ist der um die Sache der Ungarn verdiente und zu nicht geringer Anerkennung im Auslande gelangte Horn auch Jude. Dieser läßt es sich einsaUen, an ras ״Wodianer'sche Blatt" eia Schreiben zu richten, worin er. neben einigen unbefangenen Ansichten über, das Land im Allgemeinen bcireffenve Angelegenheiten, auch die Sache seiner GlaubenSbrüder in warmer Weise vertritt. - Ist es da ein Wunder, daß ״Pesti Hirnök" in fiebrische Aufregung und Wallung geräth und daß er in diesem Anfall von ParoriSmu» all diesen Juden den ersten besten Unsinn an den Kopf wirft, der ihm eben durch vaS erhitzte Gehirn fährt? Wie der vom bösen Geist heimgrsuchte König, will er den Dolch der Vernichtung gegen den wehrlosen David schleudern und siehe da, er trifft die starre Wand. Aimcr beklagrnswerther ״Hirnok"!: — Von wie vielen mannichfachen Standpunkten der ״Hirnük" auch die Judensache auffaffen mag, findet er immer Hindernisse gegen ihre Gleichberechtigung heraus. Die Humanität, die socialen und politischen Verhältnisse bis auf die noch in ihrer ersten Entwickelung begriffene Staatsökonomie, alles verschwört sich gegen die Gleichberechtigung — deS Wovianer'schen Blattes und rer übrigen Juden. Vorerst, meint ״Hirnök", müßten bedeutende Aenderungen in unfern Derhälinissrn einireten. Zu diesen zählt er die Einführung der bürgerlichen Ehe und solche Vorkehrungen, daß kein Grundbesitzrr jemals zum Böres eines Juden herabsinke. — WaS die bür. gerliche Ehe betrifft, so will ״Hirnök" bestimmt davon wissen, daß diese Einrichtung in allen Staaten 0?) der Emancipation voran, gegangen. Woher er das erfahren haben mag! — So irre und wirre kreuzt sich der Jdeengang de» nicht blos Hirn-, sondern auch sonst da und dort verbrannten ״Pcsti Hirnok." — Wir wünschen ihm eine baldige Genesung. Ein Symptom der wiederkchrenden Gesundheit wird es sein, wenn er es klar und veurlich erkennen wird, daß ras Wodianer'sche Blatt eigentlich ״Magyarorsztig־׳ und daß dessen Retactcur Pompvrv heißt. — Diese Be-- griffsverwirrungrn, so unscheinbar sie auch an und für sich sind, hängen auf'ö innigste mit seiner Ansicht über die Angelegenheit der Juden zusammen. — Wir rathen ihm überhaupt weniger Rücksicht auf seinen Geschäfisrivalen, als auf daS uns über Alles theure ״Magyar orsztig" zu nehmen. F-n. Lorrespondenz. Großwardein» Ende Frbr. Glühende Schamröthe überläuft mir das Gesicht, die Hand sträubt sich gegen den ihr zugemutheten Dienst, unv ich wäre jetzt lieber nicht Ihr Eorrespondent. da ich Ihnen und Ihrem zahlreichen Leserkreise von dem Sieg der Unwissenheit über das Licht, von einem Akte der schimpflichsten Selbstschändung und Srlbstverunglimpfung Bericht erstatten soll. Unser Vorstand, der einem Fahrzeug gleicht. an dem zwei Gespanne, jedes in entgegengesetzter Richtung ziehen, hat in seiner letzten Sitzung die Aufhebung der hiesigen sclassigen Knaben- und Märchen-Hauptschule beschlossen, und diesem Beschluß gemäß den Lehrern sofort auf Ostern aufgekündigt, über daS Local aber gleich so zweckmäßig verfügt, daß cs seiner frtt, Hern Bestimmung ja nicht mehr wiedergegeben werde, unv nach den Localvrrhältnissen ja die Schule nicht, wieder aufleben könne. Diese unerhörte Unlhat benöthigt keines ferneren Commentars. in den Augen der ganzen Welt sind solche Vorsteher verurtheilt, verdammt und gebrandmarkt als Feinde rer Aufklärung, Beförderer der Verdummung, des Rückschrittes, und als die Derräther und die gefährlichsten Widersacher ihrer Gemeinde. Der Präses, eben so willenals einsichtslos, rin blindes Werkzeug, ein verächtlicher Spirlball seiner Eollegen, ließ sich vom laqpg überrasihen, und Unterzeichnete ohne viel Widerrede eia BeraichtungSurthell über eine Anstalt, für deren wärmsten Freund er immer gelten wollte, und welch' affectirter Gönnerschaft er auch seine unverdiente Erhebung verdankte. — Nicht au» obigem Anlaß — Gott bewahre — auch nicht au» noch tiefer liegenden Gründen, sondern auS sehr oberflächlichen und durckmus unlöblichen, hat eine beträchtliche Anzahl Gemeindemitßlieder — unter ihnen viele Wohlhabende und Gebildete — ihren Austritt aus der Gemeinde erklärt, und zu einer neuen Gemeinde, einer ״«* formirten, ungarisch-jüdischen" sich constituirt, deren Statuten auch bereits im Druck erschienen, dir ich Ihnen nächstens eiasenden werde. Es drängt sich einem wohl dir Frage auf. en quoi reformirt, eu Muoi Magyar? und Eingeweihte behaupten, daß die ncue Gemeinde keines von Beiden sein wird, und daß das ganze Unternehmen grunduuv bodenlos wie eS ist, schon im Entstehen den Keim der Derwcsung und der Auflösung mit sich bringt, und ein Capitel mehr in der an Albernheiten so unerschöpflich reichen Geschichte der hiesigen Gemeinde bilden, unv bald al» kurze Episode, als ein amüsirendes Intermezzo in die Vergangenheit sinken wird. Die Herren haben sich in eine Sackgasse hineinverrannt, die keine. Aussicht auf einen schöne« ׳ Ausgang bietet, wo beim Vorwärtsschreiten die Gefahr, sich die Nase anzuschlagen, bei einer Umkehr aber die, schrecklich auSgelacht zu werden. ihrer harrt. — Der von hier zur Judercurial-Conferenz beigezogene Handelsmann und Vicepräfivent deS hiesigen Handelsgremiums Herr Albert Michelfy ist Jude von — reinstem Wasser, oder vielmehr vom reinsten Herzen, feurig, anhänglich seinem Stamm und treu seinem Glauben. In der Geschäftswelt! als vollendeter Kaufmann hochgeachtct, ist seine sehr reich ausgestattete Handlung nicht blos Bude, sondern Vereinigung- - Salon der höchsten Notabilitäten, wo der höchste GerichtShof in Modesachen gehalten, nnd auch in Hoher Politik viel gemacht wird; Herr M i h e l f y war auch Vorsteher der Gemeinde, unter dem abgetretenem Regime Ausschußmitglied unserer Stadtrepräsenianz. und hat sich in allen Kkeisen die allgemeine Achtung erworben. — .X—t'. P.— ״ ' Pest, 25. Febrnar. Geehrter Herr Redakteur! Ge« stützt auf daS Princip, welche» Sie in Ihrem geschätzten Blatte verfolgen, darf ich wohl hoffen, daß Sie diesen Zeilen, womit ich lügenhafler Anschuldigung und schnöder Berläumvung öffentlich entgegen trete, die Aufnahme nicht versagen werden. Der ״Magyar izraelita" brachte in Nr. 7 einen Artikel aus der Feder seines Kaposvarer Correspondrnten li., worin sich derselbe auch über die KeSzihelyer Gemeindezustände solgrnkermaßen vernebmen läßt: ״KeSzthely bildet eine Gemeinde von 135 jüdischen Fa- ״milien, welche einen prächtigen Tempel unv eine ordentliche 3-klaisige ״Knaben׳ und eine abgesonderte Märchenschule baben. — Aber leider ״sind diese Gebäude nur leere Mauern, den» eS schmückt den Tempel ״weder ein Seeliorger noch ein zeitgemäßer Cautor, und die Schule ״wird nicht durch einen Fachgelehrten, sondern von einer ,Prager'schen" ״Brüter-Verwaltung dirigirt, welche mit ihrem etwaigen materiellen ״Reichthume und ihrer Geistes-Armuth die Berufung eines zeitgr- ״mäßen Rabbiners verhindern, und so fällt die heiligste Angelegen- ״heit (der Synagoge und Schule) diesen meist eigennützigen Jnvivi- ״vuen zum Opfer re." Bevor ich nun hierauf entgegne, will ich die Bemerkung vor. ausschicken, daß ich den Verfasser dieses Cchmäh-Artikels ganz genau kenne. — Ich lüfte sein Visir und nenne seinrn Namen ״Roder", wie ich mich demselben nun ebenfalls, als Sohn, rrsp. Hesse der Beleitigten zu erkennen gebe. — Ich frage nun den Herrn Roder, ob die Behauptung, daß mein Vater die Berufung einezei-gcmäßen Rabbinerverhindere, nicht eine grelle Lüge? Hat er es vergessen, oder wollte er cs nicht wissen, daß eben mein Vater derjenige war, der die Aufnahme eines Rabbiners zuerst und zumeist befürwortete, und welche Schwierigkeiten sich ihm da entgegenstellten. da die Gemeinde von Partcispaltnngen unterwühlt war, und die Mehrheit entweder gar keinen oder nur eine»

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