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Allgemeine illustrirte Judenzeitung · 1861-03-01 · 9 (1.3.1861) · p. Seite 66

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Journal
Allgemeine illustrirte Judenzeitung
Volume
2 (1861)
Issue
9 (1.3.1861)
Date
1861-03-01
Page
Seite 66 (sequence 2)
Language
German
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Aochumls ״Pesü Pmwk" u. d. Auden-EmMtixstion. M. E» iß öeAnnWch »o» vielen Seiten AeHnrge, otze^viAmehr dße LlaDe awsWsprßche» worden, daß jener Theil der u»gar<- sche» Tagespreffe, dessen Aufgabe es l»äre^ über die Judenftage die Stimme zu erheben und. getreu den anderweitig kundgegebenen Tendenzen, die Emancipation der JSraeliteu zu vertreten, mit einer einzigen AuSnabme sich in ein tiefeS Schweigen darüber hüllt und je׳e Meinungsäußerung faß mit einer gewissen Aengstlichkeit zurückhält. Don diese« Borwurfe der Schweigsamkeit weiß sich hingegen ein anderer Theil der Ungar. Journalistik frei zu erhalten, indem er keine Gelegenheit verabsäumt, fein Müthcheu au den Juden zu kühlen unk einen gewissen Stolz darein setzt» über die EmaucipatioaSfrage höh» nisch den Stab zu brechen und die Mißachtung der öffentlichen Mcinung des gebildeten Europa zur Schau zu tragen. — Unsere Leser werden leicht begreifen, daß wir hier zunächst den Pesti Hirn ük" und ressen süagste Auslassung über die Emancipationsfragc im Sinne haben. — Horn in Paris bat, wie in Nr. 8 d. Bl. zu lesen, die Anfchauung eines Franzosen in dieser Frage im ״^lagyarorsrag" wiedergegeben, rer geehrte Redakteur des letztgenannten BlatteS hat in einer beigefügten Note die Hoffnung ausgedrückt, daß der nächste Landtag die politische Gleichberechtigung der Israeliten aussprechen werde. — ״Wodianers Blatt" und Juvenemancipation! — ist daS nicht genügend um den Herrn Redakteur des ״$. H." in die galligste Stimmung zu versetzen? diese ergießt sich auch, Nr. 45, in folgender Erklärung!: ״Wir unsererseits und in Bezug auf unser Vaterland ״sehen in einer solchen Reform (Emancipation) nicht blos eine hu- ״manitäre, eine religiöse und social-politische und auch nicht bloS eine ״nationale Frage, sondern auch eine national-ökonomische. — Und in ״allen diesen Beziehungen bedarf es erst namhafter Vorkehrungen, ״ehe die Juden -Emancipation nur aufs Tapet ״kommen kann. So z. B. ist bisher allenthalben die Lin- ״führung rer Civil-Ehe der Emancipation vorangegangen.— Bei ״unS wären außerdem noch Maßregeln bezüglich der Boden- und der ״Geldverbältnisse nöthig, weil wir nicht wünschen, daß d»r Juden ״halber die Grundbesitzer, wie dies in den oberungar. Comltaten ״der Fall, zu BoreS herabsinken; und halten wir die Emancipation ״für unmöglich, so lange der ungar. Kredit nicht von der Wiener ״Bank und den jür. Wucherern unabhängig gemacht wird rc. — Und ״endlich hängt, wenn nicht Alles, doch sehr vieles auch von der Hal- ״tung der Juden, selber ab." — Ist dies nicht betrübend und niekerschlagend, so mit einem Male jede Hoffnung auf Besserung unserer Lage iu unabsehbare Ferne gerückt zu sehen? mag mancher jüdische Leser klagend ausrufen, der hinter dem Revacteur des ״P. H-" eine Partei, und in dessen, mit solchem Splomb und staatSmännischem Air vorgetragenen Erpec'oraüon die Ansicht gleichgesinnter, maßgebender Autoritäten vermutbet. Glücklicherweise belehren uns die Aeußerungrn fast sämmtlieber übrigen ungarischen Organe eines Besseren darüber, was von ren Orakelsprüchea des Herrn TSrök zu halten, und wie es mit rer Anerkennung und Würdigung bestellt ist, deren sich dieselben Ln der öffentlichen Meinung zu erfreuen haben. ES ist daher auch nicht nötbig, mehr als einige flüchtige Bemerkungen seinen AuSIassungen entgegen zu stellen. — ״Die Einführung der Civil-Ehe ist allenthalben der Juden- Elnancipation vorangegangen." Sollte man cS glauben, daß dem Red. des ״P. H." unbekannt ist, was jeder Caffeebaus - Politiker weiß, daß die bürgerliche Ehe noch heute in Preußen eine schwebende Frage ist. deren Einführung, so oft von der Regierung beantragt, ,rdesmal vom Herrenbause abgelehnt worden? Aber nicht blos in Preußen, sondern auch in Holland, in Dänemark :c. :c. sind die Juden cmancipirt worden, ebe man an Civilebe gedacht. Und welchen nolhwenrigen Zusammenhang haben denn diese beiden Angelegenheiten? Das in rem Grundsätze ,.nihil de nobis sine nobis״ begrüncete Recht. für jene Versammlungen, wo über Angelegenheiten der Communen, der Comitate oder des Landes, und somit auch über Gur uns Blut des Juren bcrathei« und beschlossen wirr, auch seinerseits den Mann zu bezeichnen, den er dazu für den tüchtigsten und > «Srdigßen hält; daS Recht an diesen Berathungen selber gar Lheil zu nehmen, so er »urch Charakter und Hitzigkeit da» Ver Waue» Heiner Mitbürger gDwtznnM Attx v»S D> jedes Uerußöspßlire «irken zu dürfen und chrr^StarOtss»Szei1W»unI sich M »fre»n, so er Lurch Keantniß und Takrnt dazu gewütAlgt wivd; — diese «nd ähnliche Rechte sollen davon abhängen, ob ein reiche- Judenmädchrn einem hrrabgekommenen Christen mit seiner Mitgift aufhelfen kann? — denn das und nur raS haben Herr T ö r ö k und Consorten, welche diese conditio sine qua non aufstellen, im Auge. — Es scheint übrigens wohl interessant, Herrn T ö r ö k als Fürsprecher der gemischte» Ehe und aller damit zusammenhängenden Bestimmungen, wie z. B. daß die in solchen Ehen gezeugten Kinder, nach Uebereinkommen. auch in der jüdischen Religion erzogen werden dürfen, zu «sehen. Doch nein! so weit verfteigt sich H. T. nicht: cr meint nur daS Geld und de» muthmaßlichen Ue brr tritt des jüdische- Theils. — So möge er denn lieber gerade heraussagen: ״Die Juden werden rmancipirt, wenn sie übertreten", aber das wissen wir schon lange. — Wir müßten nur hundertmal Gesagtes hier wiederholen, wollten wir auf Herrn Török's quasi national-ökonomisches Raisonnement und.auf seinen Ausfall gegen jüdische Wucherer eingehen. Er weiß eS selber so gut als wir, daß die Lage des BodenbesitzerS von ganz anderen Faktoren bedingt ist, daß sie die befriedigendste ist, trotz Juden und jüdischem Wucher, wenn die geeigneten Verhältnisse obwalten, und daß da- Herabkommen des Bauernstandes da wahrzunehmen ist, wo nicht einmal Juden wohnen. Er weiß eS auch, daß seine angebliche Furcht vor dem Abhängigwerven des Grundbesitzers vom Juden eine unbegründete und lächerliche ist, und weiß endlich wo überall noch Wucher zuHause ist. — Warum gebrrdct sich denn H. T. als ein so wüthiger Gegner der Emancipation? Darüber glaube ich Dir, lieber Leser, Aufschluß geben zu können. — Hast Du nie davon gehört orer, wenn Du in Jahren vorgerückt bist, es nicht erlebt, daß nach dem Juden, wo er sich blicken ließ, mit Steincn geworfen oder Schmähunv Schimpfworte ihm nachgerufen worden? Das geschah nicht wegen seines Separatismus, nicht wegen seiner antinattvnalen Gesinnung, nicht wegen seines Wuchergeist's, sondern aus ehrlichem Haß und Abscheu gegen den verfluchten Ketzer, der va leiden, verfolgt und verhöhnt werden müsse, weil seine Väter einen gotteslästerlichen Frevel begangen haben welcher Haß und Abscheu durch Staat unv Kirche, durch Schule unv HauS genugsam genährt worden. — Der Wahn ist wohl so ziemlich geschwunden; aber dir Mißgeburt, das Vorurtheil, daß unsere Ausschließung und unsere Zurücksetzung ganz in der Ordnung feicil. ist geblieben; und da man eS nicht mehr auf den alten Grund stützen mag, so muß ein neuer dafür ausfindig gemacht werden. So ist es denn der Separatismus, der Wuchergeist, die ganzliche Verderbtheit der Juden, die man geltend macht; in welch' Allem im Grunde nichts Anderes als daS alte Vorurtheil liegt, worüber man aber sich und Andere zu täuschen sucht. — Dieses Vorurtheil spricht aus Herrn Török und Gesinnungsgenossen; dcr Stein, der ehemals gegen den Kopf des Juren geschleudert wurde, hat sich bei ihnen in Journalartikel verwandelt und alle ihre national-ökonomischeu Deklamationen sind nur eine Paraphrase jener Schrltworte, die dem Juden vor Zeiten zugerufen worden. — Denkende Patrioten, Staatsmänner und Publicisten, haben Gott sei Dank, dieses Vorurtheil überwunden, und wo es etwa noch im Hintergründe ihres Herzens sich birgt, da wird es zum Schweigen gebracht durch ras Gebot, auf die Stimme rer Zeit und auf die Meinung dcr gesammten gebildeten Welt zu achten. Wenn Herr T ör ö k seinen journalistischen Gegner ob ressen ängstlicher Rücksicht auf die Meinung des Auslandes höhnt; so steht er mit dieser seiner Rücksichtslosigkeit ganz allein. — Die Leitcr des ״Pesti Hirlap" im I. 1844 waren wohl eben so gute Patrioten und nicht minder degeistert für daS selbstständige Verfassungslrben Ungarn's als Herr Török; aber als die Pariser ״Presse" damals, aus Anlaß eben auch dcr Jurenfrage, von in Ungarn noch herrschenden ,,Mittelalterlichcn Borurtheilen" sprach, da führte ״P. Hirlap" vom 4. Oct. 1844 die Aeußerung des französischen Blattes an, mit dem Bemerken, daß das Urtheil der ״Presse" ein strenges aber gerechtes, fand es zumeist beklagenswerth, daß gerade ein strengconscrvatives Blatt

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