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Allgemeine illustrirte Judenzeitung · 1861-01-04 · 1 (4.1.1861) · p. Seite 7

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Journal
Allgemeine illustrirte Judenzeitung
Volume
2 (1861)
Issue
1 (4.1.1861)
Date
1861-01-04
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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und Geist regen eriren, die Sabbate und Hauptfeste; e» hat feine politisch» nationalen Feste, die durch wichtige Ereignisse der vaterländischen Vorzeit hervorgerufen wurden, Chanuka, Purim; eS hatte seine reinen Volksfeste, welche unmittelbar au» dem Bedürfnisse des Erheiterung suchenden Volke» hervorgingen, die Erntefeste, der Schluß des BersöhnungStage«, der 15 Tag des Monates Schebat. Nur hat das Judenthum das Eigenthümliche, daß eS seiner ursprünglichen Bestimmung gemäß allen Institutionen ein theokratischeS Gepräge aufdrückt, und eine religiöse Färbung verleiht, daß die Volksfeste auch wie religiöse Feste auSsahen. (Schluß folgt.) Briefe aus Polen. Zweiter Brief. Warschau, 7.!^chrmber. Es fiel mir unlängst eine Broschüre in die Hand, welche den Titel führt: ״Dritte und letzte Folge der Christenanwort auf die Judenfrage," von Coustantin Ritter Cholewa v. Zawlikovski. Wien 1860. Ich betrachte Inhalt und Titel — Titel und Inhalt und.machte nun eine großartige Entdeckung, daß nämlich die Buchdruckerkunst schon ihrer Erfindung gekannt sein mußte. Beweis — die eben erwähnte ״Christenantwort auf die Judenfrage;" auf deren Titel nur ein Druckfehler ist, da die Jahreszahl augenscheinlich 1260 sein soll, in welchem Jahre so gedacht, geglaubt und gesprochen wurde, wie die Broschüre denkt, glaubt und spricht. — Lassen wir jedoch den Herrn Ritter in Ruhe, sprechen wir nicht mehr von Broschüren, Lectüren und Entdeckungen, gehen wir zu anderen Objecten über. Ick glaube, daß^ich meinen Lesern nicht eben mißfallen werde, wenn ich, als Israelit, von unfern Bethäusern zuerst spreche. Meiner Ansicht nach könnte dieser Gegenstand gerade sehr geeignet sein, um unsere Phhsiognomie zu beleuchten. Wenn wir unS nun so in den großen und größten Städten des ContinentS und der Inselwelt gut umsehen, so sehen wir im Allgemeinen nur eine bescheidene Anzahl von Gotteshäusern. Wir wollen nun keines» Wegs den Bewohnern dieser Städte den Vorwurf der GotteSvergeffenheit machen, auch nicht einmal sagen, daß. sie nicht fromm sind; aber daS lassen wir unS nicht abstreiten, daß Warschau die größte Anzahl von Bethäusern besitzt. Wir sind also fromm, ja sehr fromm, wir haben einige Hundert Synagogen, weil — eine Synagoge gar nicht zu den schlechten Geschäften gehört, und, unter nns gesagt, sollte mir der Himmel einst gnädig sein, so möchte ich mich fast selbst entschließen eine Synagoge zu errichten. Ich bitte meine lieben Leser nicht darüber zu lächeln, die Sache verhält sich nämlich wie folgt: Es wird ein Local gemiethet, in dem ich mich ganz gemüthlich einrichten kann, da bloS ein kleines schmales Zimmerchcn dem eigentlichen Gebrauche überwiesen wird, zeige das Geschehene vermittelst eine» ״SchanreS" nieinen Glaubens- oder besser Gesinnungsgenossen an, und dieselben müssen monatlich oder dreimonatlich einen gewissen Theil der Miethe für meine Pseudo-Frömmigkeit zahlen. Da ick aber noch unvorhergesehene Ausgaben baden könnte, so sehe ich mich natürlich vor, indem ich am Vorabende des BersöhnungStageS eine׳ Collecte unter dem bescheidenen und fromm klin» genden Namen ״Schulgeld" sammle. Es ist also klar und deutlich, daß bei einem solchen Geschäfte doch etwas Reinertrag bleibt! Ich muß noch, einer zweiten Spcculation erwähnen, die werth ist den Nachkommen tradirt zu werden. An den hohen Feiertagen, wenn die Gesetzrolle vorgelesen und ein Theil der Anwesenden hierzu aufgerufen wird, licitirt man in plus, ganz wie bei einer Auction, um die Ehre beim Vorlesen zu affistirrn; man ruft mit einem eigenthümlichen Tone: zum ersten, zum zweiten und — und — zum dritten Male. Es trifft sich auch sehr häufig, daß wenn Einer Ehrgeiz im hohen Grade besitzt, er wie bei jeder andern Licitation, den gefährlich, sten Mitlicitirenden ein gewisses Abstandsgeld giebt oder wenigstens verspricht und hierdurch natürlich als Meistbietender verbleibt. Sie sehen also, daß sich unsere öffentlichen Verhältnisse in diesem Acte klar wiederspiegeln, die Erziehung und daS Leben machen sich, selbst in den religiösen Kreisen geltend, und wir fürchten, daß sich diese Arten Schwindels, wenn wir'S so nennen dürfen, noch sehr lange bei unS erhalten, da bi» jetzt noch blutwenig zur Bekämpfunng derselben gethan wird. — Jene unserer Glaubensgenossen, welche die Religion von einem hö- Heren Standpunkte aufgefaßt haben, die deren erhabene Bedeutung fühlen und kennen, haben hier zwei Gotteshäuser, deren innere Einrichtung der Bestimmung entspricht. Da» erste dieser Bethäuser ist auf der Danielewitsch'er Straße, errichtet im Jahre 1842, da« zweite befindet sich auf Nalewki, datirt auS dem Jahre 1858. Beide sind der Versammlungsort der bessern Klasse unserer Gemeinde, welche auch schon daran gedacht hat, ein würdigeres GotteShauS zu errichten. — In diesen beiden Synagogen würden meine geehrten Leser, wenn sie dieselben besuchen wollen, sich ganz heimisch fühlen. In einen wird die Predigt deutsch, in der andern polnisch gehalten, da» Gebet, wird in beiden mit Begleitung eine» ChorgesangeS verrichtet, mit einem Worte, eS sind die einzigen Synagogen welche, unter unS gesagt, diese» Namen» würdig sind. Da wir nun einmal schon dieser Gebethäuser gedacht haben, so glauben wir auch verpflichtet zu sein, Dessen zu erwähnen, dem wir ihre ursprüngliche Stiftung verdanken, der aber nicht mehr zu den Lebenden gehört. Anton Eisenbaum, s. A. war Begründer und lebenslang Vorsteher der hiesigen Rabbinerschule (die seit dem 26. November 1826 ihre Existenz datirt) und hat als solcher viel LobenSwertheS geleistet. DaS ganze jüngere Geschlecht vom Streben nach Bildung und Licht beseelt, verdankt ihm allein den bessern Geist. Die Verdienste diese» Mannes sind um so größer, mit je mehr Widerwärtigkeiten er zu kämpfen hatte, welche ihm nicht allein von fremden Confessions-Berwandten, sondern in noch höherem Grade von den lichtscheuen Glaubensgenossen allerseits bereitet wurden. Trotz allen diesen Schwierigkeiten, welche der Edle zu bekämpfen hatte, gelang eS ihm doch eine Synagoge zu gründen, an der Rabbinerschule den Gesangunterricht einzuführen und er machte hiermit den ersten Schritt, dem Jene unsererer Gemeinde, welchen der Fortschritt ihrer GlaubrnSbrüder noch am Herzen lag — folgten. Außer diesem verdankeu wir dem würdigen Manne noch sehr Vieles, und da wir in Zukunft noch miteinander über den zu früh Verstorbenen sprechen werden, so können wir unS heute mit dieser kleinen Skizze begnügen. <£. Makdeub-rg. Literarisches. Tii ■agrar külteaenj. lrta egy ■8M0 nagyar. ״Zehn ungarische Gedichte.von einem jüdischen Ungar." Pest, Johann Herz 1860. F-n. Es ist dies ein herrlicher Liederkranz, der sich durch warme Empfindung und echt patriotische Begeisterung anSzeichnet! Der ״jüdische Ungar," überwältigt von dem allgemeinen Jubelruf über . daS glückliche Wiedererstehen deS theuern Vaterlandes, läßt keinen noch so leisen Ton der Klage wegen unbefriedigter Wünsche von seiner Seite erklingen. Er erblickt vertrauensvoll und hingebend die günstige Lösung seines Geschickes in der deS Vaterlandes. Er beweist hiedurch seine unerschütterliche Hoffnung auf den Gerechtigkeitssinn der ungarischen Nation und dieses beredte Schweigen ist für beide Theile gleich ehrend. Wir sprechen dem jungen strebsamen Dichter unsere vollste Anerkennung und herzlichste Theilnahme für diese ebenso zeitgemäße als würdige Gabe auS. Eines dieser Gedichte, dessen gelungene Uebertragung wir der Güte des Herrn M. Hatschek verdanken, mag zur größern Anempfehlung hier Raum finden: In der Verbannung. Weit in fernen Ländern sah'n einander Sie, — und bald sie warme Freundschaft schlossen, Ew'gen Bund mit heil'grn Eiden schwuren, Als die Becker schäumend Überflossen, Wie der Humpen unter ihnen kreiste. Dacht' ihr Geist an die entschwund'nen Zeiten, Rief zurück die wohlbekannten Bilder, Schweifte in den heiniathlichen Weiten. Düster nun erhebet sich der eine, Gramgefurcht daS Antlitz scheint deS ZecherS; Jetzt auch wie er spricht mit leisem Flüstern, Thränen träufeln in daS Naß deS Bechers. ' ״Meine Mutter", spricht er düst'ren Tone», ״Nicht vermocht' den Gram sie zu verwinden, ״Und eS brach ihr Herz als ich entflohen, ״Möge sie den ew'gen Frieden finden!" Und nach ihm erhob sich rasch ein Jüngling, Feuer strahlt aus seinem Blick — dem kecken^

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