Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Journal
- Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Volume
- 2 (1861)
- Issue
- 1 (4.1.1861)
- Date
- 1861-01-04
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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2 M— Dninumerrrtions - Öf inlattottjg. Mit heutigem Tage beginnt der zweite Jahrgang unserer bis jetzt in den weitesten Preisen beifällig aufgenommenen Zeitung. Unverändert in Tendenz, Format und Ausstattung soll der neue Jahrgang, doch in Bezug auf Reichhaltigkeit deS Stoffes, rasche« und umsicktige« Eingehen auf die wicbtigsten da« Judenthum aller Staaten und Länder, namentlich aber unsere« enger» ungarischen Vaterlandes betreffenden Tagesfragen und Angelegenheiten einen sichtlichen Fortsckritt bekunden. Diesen Zweck zu erreichen, haben wir eS abermalan Mühe und Opfern nicht fehlen kaffen, neue und anerkannte literarische und artistische Kräfte für unser Journal zu gewinnen, während e« un« gelungen ist, die!bisherigen Herren Mitarbeiter zu fleißiger«, gesteigerten Leistungen für die Zukunft zu veranlaffen. Solcherweise kann e« keinem Zweifel unterliegen, daß die folgenden Blätter an Werth und Mannigfaltigkeit de« Inhaltes den bisher erschienenen nicht nur nicht nacknehen, sondern sie nocb um Vieles überbieten werden. Aus diesem Grunde rechnen wir auf eine, fortgesetzte Geneigtheit und warme Theilnahme des I*. T. Publikums, das wir zur baldigen Anmeldung deuevell AboNllkMkUts hiemit höflichst auffordern. Tie ״Aügememe Jllvsttirte JudeNZeitAIlg" erscheint nach wie vor jeden Freitag einen Bogen Großformat. Ganzjähriges Abonnement 8 fl. österr. Währ. — Halbjähriges 4 fl. österr. Währ. Für diejenigen?. T. Abonnenten, deren Abonnement mit letztem Jänner 1861 zn Ende geht, ist der Pränumerations-Bettag: ömonatkich (Februar — Ende Juni) 3 fl. 34 kr. österr. Währ.; — llmonatlich (Februar — Ende December) 7 fl. 34 kr. österr. Währ. Pest, im Jänner 1861. Der Herausgeber der ״Ällgemeinkn ^llnstrirte« Illdenzeitong." 1 Znm »irrten Jänner. S1>. Am Sterbetage res ״Weisen aus Deffau" ttitt der zweite Jahrgang dieser Blätter an Las Tageslicht. ES ist nicht bloße Pietät für den unsterblichen Namen, welche uns heute denselben in Erinnerung bringt und unsere ersten Worte in diesem Jahre an ihn knüpfen läßt. Wir gedenken seiner in Erwägung de-, für unsere Entwickelung und unseren Fortschritt nach : innen und nack außen, so hockwichtigen Zeitabscknittes, an dem wir stehen; j —wir gedenken seiner in Erwägung der hochheiligen Aufgaben und Pflichten,! die unS obliegen; ja als ungariscke Israeliten, die wir dem ungari» | scheu Vaterlande anhangen mit jeder Empfindung und jeder Regung unseres Herzens, und von dem kindlicken Verlangen beseelt sind, ihm ganz und gar anzugehören, als solche gedenken wir heute Mos. Mendelssohn's. — — Denn wo, in allen Landen unseres Welttheils, Israels Nachkommen aus der Abgeschlossenheit chres Denkens uüd Fühlen-, in welche sie seit dem Untergange der spanischen Kulturpoche versunken waren, herauSgctreten sind; wo sie Herz und Geist europäffcher Bildung erschlossen haben, wo sie den Begriff ״Vaterland" erfaßt und die sittliche Verpflichtung beherzigt haben, in Allem, was nicht Glauben und religiöses Leben betrifft, dem Vaterlande und seiner Wohlfahrt jede Kraft und jedes Vermögen zu weihen; wo sie deS HeimathlandeS Sprache, Tracht und Sitte sick angeeignet haben und an dessen Hervorbringungen in Kunst, Literatur und Wissenschaft sich zu erfteuen -und zu betheiligcn vermögen; — ist Lies unter dem Einflüße jenes heule vor fünf und siebzig Jahren verblickenen Weltweiscn geschehen. Er, der mit der chm eigenen liebenswürdigen Bescheidenheit die Tragweite seines Strebens gar nicht ahnen wollte, der nur für die ihm nabestehenden Angehörigen und vertrauten Freunde zu lehren und zu wirken vermeinte, ist dennoch der Lehrer seiner Glaubens- und StammeSgenoffen geworden, hat sie gleichsam von den Ufern des Euphrat wieder in die Auen europäischen CulturlebenS geführt; und wenn der große Königsberger Philosoph, Immanuel Kant, in Mendelssohn'S Jerusalem die ״Berkündigurg einer großen, wenn auch langsam fortrückenden Reform" erblickte, so ist Letztere in unseren Tagen, dem Himmel sei Dank bereits vollend« oder nahezu eine Wahrheit geworden. — Diese« Deutschthum Mendelssohn'-, nicht das alleinseligmachende der Herren Kolb, Altenhöfer und Orges in Augsburg, welche selbst die gesammte Culturwelt der romanischen Völker als eine schon völlig abgethane erklären und für die Beftrebungeu des ״kleinen Volke-" an der Donau und der Theiß Gestaden nur ein Hohnläckeln haben, ist es, welches . einem großen und besseren Theile der auch außerhalb Deutschland wohnenden Judenheit anhaftet. Es ist in Frankreich zu finden, wo' der Jude seit siebzig Jahren bereit« des Bollgenuffes bürgerlicher und politischer Rechte sich erfteut, und nahezu schon im Franzosenthume aufgegangen ist; eS lebt im ־ - ' ־די «׳ jüdischen Bewußtsein deS Italieners, wenn er auch der deutschen Sprache nicht mächtig ist, und es weht in den Blättern, die in englischer Sprache mtd im echt brttischen Geiste für unsere GlaubenSbrüver im Jnselreiche geschrieben werden. -- Denn Wissen, Bildung und Humanität, im edelsten Sinne des Wortes, fördern nur den innigsten Anschluß deS Israeliten an das Vaterland, das ihm die Vorsehung zugewiesen. — In diesem Sinne und Geiste wollen auch diese deutschen Blätter, welche zwar iu vieler Herren Ländern einen Leserkreis besitzen, zunächst aber doch an die heimathlicheu Glaubensbrüder sich wenden, zu den jüdischen Söhnen deS ungarischen Vaterlandes sprechen. Es ist damit zum Theil ihre Aufgabe bezeichnet, wie sie der Herausgeber erst jüngst in Nr. 18 de« vor. Jahrg. seinen Lesern gegenüber ausgedrückt hat: DaS Interesse und die Theilnahme an jüdischen Angelegenheiten wahren; den Fortschritt, den wahren uud berechtigten, im Cultus und in der Schule fördern; den heilsamen Autheil unserer Glaubensgenossen an der Verbreitung und Erweiterung des CulturlebenS vor Freund und Feind in'S rechte Licht setzen; daS gute Recht derselben im modernen Rechtsstaate, dessen unerschütterlicher Pfeiler die Gerechtigkeit ist, erkämpfen und vertheidigeu helfen; menschlicher Verbrüderung und nicht fanatischer und confessioneller Absonderung, friedlichem Zusammenstreben und nicht feindlichem Auseinandergehen das Wort reden; der Hebung des IndenthumeS nach allen Richtungen und dadurch den Interessen unseres theuren ungarischen Vaterlandes dienen; — daS sei unsere Aufgabe auch in diesem neuen Jahre, zu deren Erfüllung unS der Beistand Gottes und die fteundliche Theilnahme und Unterstützung der ge« neigten Leser verhelfen möge! — Z,r Msgyarisiruugs- 08b Gleichberrchtiguugsfragk der «Jude» i» Ungarn. H. So allgemein und natürlich auch die Liebe ist, die wir für das Vaterland hegen, für jene« Land, von dem der unsterbliche Dichter singt: Lölosckck az 8 majdan sirod is, Mely äpol 8 eltakar — ״DaS — deine Wieg' und einst dein Grab — Dich hegt und pflegt und deckt" — so gibt es doch gar viele Gradationen dieser Liebe, und zwei sittliche Motive sind e« vorzugsweise, wodurch diese« erhabene Gefühl lebendig und klar zum Bewußtsein gelangt und durch die ganze irdische Laufbahn — von der Wiege bis zum Grab — urkräflig sich erhält. Diese zwei Motive sind: Tic kindliche Angehörigkeit zum Lande und die brüderliche Gleichberechtigung mit den Bürgern desselben.