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Allgemeine illustrirte Judenzeitung · 1860-12-21 · 21 (21.12.1860) · p. Seite 167

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Journal
Allgemeine illustrirte Judenzeitung
Volume
1 (1860)
Issue
21 (21.12.1860)
Date
1860-12-21
Page
Seite 167 (sequence 7)
Language
German
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167 1— tote erforderliche Bildung nicht ausreichen, und bewegen sich also in einem ewigen eireulo vitiosv: ״Jüdische Schulen werden in Böhmen nicht besser organisirt, weil keine Schüler für höhere Klassen vorhanden sind; eS sind keine Schüler für höhere Klassen vorhanden, weil sie baldmöglichst in die christlichen Lehranstalten Eintreten; sie treten in christliche Lehranstalten, weil die jüdischen für ihre Ausbildung nicht ausreichen; diese reichen darum nicht aus, weil sie nicht bester dotirt und organisirt werden." Dem allen Ware mit jenen 300.000 fl., welche im Berhältniffe zur jüdischen Bevölkerung Böhmens den ungarisch-jüdischen Schulfond an Ergiebigkeit bei weitem übertreffen, oder durch die rühmlichst bekannte Opferwilligkeit der Gemeinden leicht abgeholfen. So lange die jüdischen Schulen Böhmens nicht so dotirt sind, wie die Ungarns, wo doch alle Lebensbedürfnisse wohlfeiler sind, und wo Gehalte von 600 und 700 fl. nicht zu den Seltenheiten gehören; in so lange muß jeder junge böhmische LehramtScandidat von Talent, wie er allein der Schule zum Frommen und dem Lebrerstande zur Ehre gereicken kann, als ein Sünder an seiner eigenen Zukunft betrachtet werden. Was übrigens die Forderung musikalischer Ausbildung betrifft, muß ich gestehen, daß ich das Verfahren deS Prager Präparandie-Direktorates und Ihrer Gemeinde durchaus nicht misbillige. Ich sehe nicht ein, warum sich das Anit des Vorbeters mit dem deS Lehrers nicht eben so gut und bester vereinigen ließe, als mit dem des Schächters, und warum der Jude in Böhmen, besonders bei der modernen Organisation des Gottesdienstes nicht eben so sang- und klangreich werden sollte, als sein christlicher Mitbürger. Schließlich danke ich Ew. Hochwürden in meinem und vieler Landsleute Namen für manche angenehme Nachricht, die wir Ihren ״Signalen" entnehmen, und ich bitte, mit gütigem Wohlwollen hinzunehmen die Versicherung vorzüglicher Hochachtung Ihres ergebensten Kecskemst, 10. December 1860. David 31t e 11 b f. Literarisches. Yisahang Br. Raktiisteln Llpotnak a’ magyar Izraelita czimfi rupiratara irta Nagjr J. — Wiederhall auf die von Dr. Rokonstein unter dem Titel: ״der ungarische JSraelite" veröffentlichte Flugschrift von «t. Nagy, Pest, Engel & Mandello 1860. (-g-) Nachdem der in der ungarischen Literatur rühmlichst bekannte Verfaffer eine bisher wenig beachtete, unverkennbare Gleichheit in den nativnalen Geschicken des ungarischen und jüdischen Volkes nachweist» spricht er vom Standpunkte der Billigkeit und der Humanität die Hoffnung auS: ״daß der Geist der Auftlärung wie einst die Posaunen von Jericho sich erweisen werde, vor deren mächtigem Schall die Scheidewand, welche die beiden Völker so lange auseinanderhielt, vollends zusammenstürze. Dies müsse im Jntereste beider Völker geschehen! Im Jntereste der Juden, in wie ferne sie dadurch der allgetneinen Menschenrechte theilhaftig werden; aber auch im Interesse der ungarischen Nation, welche sich dadurch um eine halbe Million treuer Mitbürger verstärkt, und den Vorwurf von sich abwälzt, daß ״ein Theil der Nation" deS GlaubenSbekenntnisteS halber, den Vollgenuß der bürgerlichen Rechte entbehre. — י Außer diesen rein moralischen Vortheilen werden auch noch die materiellen entwickelt, die sich durch die Vereinigung für beide Theile ergeben. ״Ich will nicht behaupten," heißt es daselbst, ״daß die Klug-' heit dem Schwächer» gebiete, sich dem Stärkern zu nähern; noch kann ich eS in Abrede stellen, daß die Billigkeit unV der Zartsinn dem Starkern die Pflicht auferlege, die Annäherung nach Möglichkeit zu erleichtern. Aber was ich in bestimmtester Weise zu behaupten wage, ist, daß nur gegenseitiges Vertrauen und gegenseitige Nachgiebigkeit jenes heilsame Ergebniß zu erzeugen vermögen, welches die Besseren beider Parteien herbeizuführen sehnlichst wünschen." Nach Kundgebung so wohlwollender, freundlicher Absichten, wie sie sich in den angeführten Stellen und noch in vielen andern kund geben, wird eS uns natürlicher Weise sehr erschwert, eine schärfere und eingehendere Kritik gegen das Schriftchen in Anwendung zu bringen. Dennoch können wir nicht umhin, uns bezüglich zweier Punkte eine unbefangene Bemerkung zu erlauben. Die etfle betrifft die vom Verfaffer gestellte Anforderung, daß die Ju- > den sich der Orthodoxie (?) und der gewohnten Abgeschloffeuheit entledigen möchten. Eine solche Anforderung wurde noch in keinem civilisirten Lande, weder in Frankreich noch in England, Belgien rc. gestellt und ist auch bis jetzt in keinem dieser Länder allseitig in Erfüllung gegangen. Die Orthodoxie ist jedenfalls eine daS Äudenthum zunächst betreffende GewiffenSsache, die mit der staatlichen Berechtigung in keinerlei Zusammenhang gebracht werden darf, ohne gegen daS Princip der Humanität in schroffster Weise zu verstoßen. Eine weitere Bemerkung betrifft die vom Verfaffer angedeutete Weise, in welcher wir die von der ungarischen Nation zu gewährende Gleichstellung aufzufaffen hätten. Wir gestehen, daß dem Judenthum keine äußeren materiellen Mittel zur Erlangung und Geltendmachung seiner bürgerlichen Rechte zu Gebote stehen, und daß wir demnach die Gewährung derselben dankbaren Herzens anzuxrkennen haben. Nichts desto weniger ist eS wahr, daß daS Verlangen deS Judenthums nach völliger Gleichstellung eine Forde» rung des Rechtes, so wie die Gewährung desselben eine Anerkennung deS geheiligten Menschenrechtes bildet. Im Uebrigen drücken wir dem geehrten Herrn Verfaffer unser» herzlichsten Dank auS, und wünschen seinem in edelster Absicht geschriebenen und dem jüngst erstandenen ״Israslita Magyar egylet" gewidmeten Werkckien die weiteste Verbreitung! — Dir Juden in Damaskus. Unter dieser Ueberschrift theilt ״Jew. Chron." folgendes an den Redacteur gelangte Schreiben des für daS Wohl seiner orientalischen Glau» bensbrüder unerntüdlich thätizen Herrn Albert Cohn mit: Ich habe so eben ein eigenhändiges Schreiben von Abdel Kader erhalten, den ich um Mittheilung seiner persönlichen Ansichten ersucht hatte über die Ereignisse, in welche man boshafter Weise unsere dort angesiedelten, und nicht, wie etwa die Katholiken von Frankreich oder die Griechen von Rußland geschützten, sondern ganz vertheidigungSlosen Glaubensgenossen zu verwickeln bentüht gewesen. Es lautet in buchstäblicher Uebersetzung folgendermaßen: ״Ruhm Gott allein! Unserem vielgeliebten, hochgeachteten und verehrten Chef deS isr. Wohlthätigkeits-Comitö'-S zu Paris. Möge Gott ihn ewiglich beschützen!" ״Wir kündigen Ihnen an, daß wir Ihre geachteten Worte erhalten ן haben, und daß uns zur Hand gekommen ist Ihr geehrter Brief, worin Sie jener falschen Gerüchte erwähnen, welche in Betreff der jüdischen Gemeinde von DamäscuS auSgestreut worden, als hätten Einige davon sich je»«p Ungeheuern beigesellt, welche die Flamme der Feindschaft gegen dis Christen-Gemeinde angezündet und jene schrecklichen barbarischen Thaten verübt haben, die Gott aus unserem Gedächtnisse verwischen möge.^ — ״Pon der jüdischen Gemeinde der Stadt Damaskus insbesondere zu sprechen, so kann ich in Bezug darauf kein genaues Zeugniß geben, weil ich zur Zeit dieser Bewegung außerordentlich beschäftigt war um zu retten und zu schützen, soviel ich konnte, unglücklicher Weise nur zu Wenige. WaS ich aber sagen kann ist dies: Ich habe nichts gesehen und nichts gehört, waS gegen die Juden ׳wäre. Möge Gott Sie unter seinem Flügel schützen! Der welcher, so ann er ist, auf den allmächtigen Gott vertraut Abd- El-Kader, Sohn deS Mahi-Edden. Den 5. Tag, 2. Rebeh -il-bani 1277 (18. October 1860)." AuS Jerusalem habe jch ein vom 24. October datirteS Schreiben deS Chacham Baschi Abulaffia, dessen Sohn gleichfalls in Damaskus eingekerkert gewesen, erhalten, worin sich folgende Worte finden: ״Gott ״sei gepriesen! In Damaskus sind Alle wieder frei! Sobald als Fuad ״Pascha Ihr Schreiben erhielt und nach Damaskus zurückkehrte, setzte ״er alle Jene in Freiheit, welche ungerechter Weise an den Ort de» ״Schrecken» und der Finsterniß gesetzt worden waren. Der welcher die ,.Ursache dieser Ungetechtigkeit gewesen, wurde in'S Gefängniß gesendet." _ . äföert Lohn. vermischte Nachrichten and Notizen. A In der ersten Conferenz - Sitzung am 18. d. M. in Grau sprach Graf Joh. Bärküczi gegen jene Bestimmungen der Landtags- Artikel vom Jahre 1848, wonach 350,000 Staatsangehörige, die JSrae» liten, vom Wahlrechte ausgeschlossen sind. — Die Abwesenheit de« Herrn S. W. Schoßberger von der Conferenz hat nach den ״Neuesten Nachrichten" darin ihren Grund, daß die Einladung an ihn bloS vom Hof» kanzler und nicht vom Kardinal-PrimaS gerichtet war.

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