Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Journal
- Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Volume
- 1 (1860)
- Issue
- 21 (21.12.1860)
- Date
- 1860-12-21
- Page
- Seite 164 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/4884143-5427047-5427099--205-4884328- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Odesa 4× ep/1000834
OCR text
—1* 164 י willigkeil dasselbe erftanten ist. In ter Thal verdient es die isr. Gemeinde von Odessa, deren Ursprung vom Jahre 1803 tatirt, und deren zeitgemäße Reorganisation erst 1823 erfolgte, daß wir in ihr ein seltenes Beispiel des schnellen Fortschritts und der geistigen Veredlung anerkennen. Ter Herzog von Richelieu, vcm Odessa seine Entstehung zu verdanken ^hat (1796), hatte mit richtigem Takte seine Aufmerksamkeit auf die in den umliegenden Städten und Marktflecken zerstreuten jüdischen Bewohner gerichtet, um fleißige, die Blüthe der. hoffnungsvollen Eolonie befördernde Bürger beranzuziehen. Namentlich waren es die zu Khadju-Bey am schwarzen Meere ansäßigen Juden, die er, so wie die übrigen, durch Verleihung mehrerer nickt unwichtigen Privilegien und durch Befreiung von Steuern und Municipalabgaben zur Anstedlung bewog. Er räumte ihnen unentgeltliche Grundstücke auf den besuchtesten Plätzen ein, und bewilligte ihnen sogar Vorschüsse, die zu Len ersten Niederlaffungskcsten erforderlich waren. Diese cdelmütbige Unterstützung erwies sich in der Folge ebenso heilsam für die jüdischen Cclonisten als auch für den Staat, welcher sich durch deren fleißiges Streben einen der reichsten und blühendsten Stappelplätze des russischen überseeischen Handels verschaffte. Im Jahre-1855, also nur ein halbes Jahrhunden nach der ersten Niederlaffung, zählte die jüdische Gemeinde, wie wir den damals erschienenen ,,Notices hi.'-toriques et characteristiques sur les israelites d’Odessa", von I. Tarnopcl, entnehmen, bereits 17.000 Seelen, worunter 7 Familien als Negccianten der ersten, 28 der zweiten, und 442 der dritten Gilde sich befanden, während die als Bürger von Odessa eingeschriebenen Familien die bedeutende Zahl von 1517 (mit 7712 Seelen) betrugen. Die übrigen waren als Fremdeansässig. Ferner gab es bereits drei isr. Rcgierungsschulen, zwei für Knaben und eine für Mädchen; außerdem 27 Privatschulen ersten und zweiten Ranges, eine Thalmud-Thoraschule für Arme und Waisen, ein Versorgungshaus für Märchen mit der Gcsammtzahl von 1908 Zöglingen. Als bekannte Schriftsteller wiesen sie auf: in hebräischer Sprache Eichenbaum, Pinsker und Werbet; in russischer, O. Rabinowich, Kinkel und Brntensohn; in deutscher, Stern, Wolfssohn und I. Hurwitz; in französischer, E. Löwensohn und I. Tarnopol; in italienischer Derblich und Wahltuch. Ferner besaßen sie ein Spital mit 75 Betten, die bei außerordeutlichem Krankenstand auf 90 vermehrt werden. Endlich bestanden außer der Chewra-Kadischa noch sechs Wohl- IhätigkeilSvereine für verschiedene milde Zwecke. , Odessa zählte bis zum Jahre 1851, 4 Synagogen und 34 kleinere Bethäuser von denen die älteste seitdem als baufällig demolirt wurde, um dafür eine andere, in jeder Beziehung würdigere zu errichten. ״Diese Synagoge" (dieselbe, welche wir heute unfern Lesern vorfüh- . ren), heißt es in dem vorbenannten Werke, das uns als Quelle unseres Berichtes dient, ״ist nach einem schönen Plane construirt, der in Odessa entworsen und in St. Petersburg genehmigt worden; in Bezug auf Schönheit der Formen und der Festigkeit-des Materials ist sie eines der schönsten Gebäude, die zur Zierde der Stadt gereichen. Beim Eintritt wird man von Pietät und Ehrfurcht durch den Anblick der erhabenen Wölbung und deren kunstreichen im orientalischen Geschmacke gehaltenen Construction bewältigt; namentlich durch das schöne Peristyl und die majestätischen Säulen und Herrlichen Kapitaler." Sonst zeichnet sich dieses Gotteshaus noch durch tadellose Ordnung und zeitgemäße Einrichtungen und seit jüngster Zeit auch durch seinen trefflichen Prediger aus, den es in der Person des, Herrn Dr. Schwabacher aus Lemberg gewonnen. _ . . Prlt. bZur Organisaticnsfrage der Pester Gemeinte.) Zuvörderst kann ich nickt umbin der Tendenz des in der letzten Nummer dieser geschätzten Zcitschrift^georackreil Artikels über die hiessge Geiiieiudevertretunz meine Anerkennung zu zollen. Jedenfalls hat RI. taS Verdienst, die so sehr vernackl.ißigte, wunde Seite nissers Gemeindelebcns, die einer rationellen aus Erfahrung gegründeten Radiealeur neck immer enrgegenbarrt, offen darzulegen, und gewisse Mängel in der bisherigen Vertretung anschaulich :11 machen. In eine nähere Prüfung des Planes will ich jedoch nickt eingehen. Einer der geistreichsten neueren Schriftsteller Frankreichs, Ernst Renan, sagte jüngst: ES sei ungeschickt für Zustände, die man nicht geschaffen, unaufgefordert Anträge zu stellen. Wenn ich auch in dieser. Allgemeinheit seinem Grundsätze nicht beipflichten kann, so gibt es doch gewiß Fälle, wo derselbe beherzigt zu werden verdient; zumal wo man sich keinen gedeihlichen Erfolg seiner Arbeit verspricht. Man kann aber im Voraus überzeugt sein, daß von allen möglichen Gemeindeordnungen gerade die veröffentlichten Vorsckläge am wenigsten Aussicht haben, angenommen zu werden, weil Jeder nur seinen eigenen Plan, oder den er für den Seinigen ausgeben kann, für zweckmäßig und annehmbar erklärt, alle anderen aber mit vornehmer Geringschätzung abfertigt. ' Auch in Bezug auf meinen im diesjährigen Winter'schen ״Jahrbuch für Israeliten" erschienenen Vorschlag zur Reorganisation der hiesigen Gemeinde vom October 1859, beschränke ich mich auf nachstehende Bemerkung. Da nach dem jetzigen erfreulichen Umschwung der Dinge, die Rücksichten, welche ich dabei auf dasjenige nehmen mußte, ״was man unter den damaligen Umständen zu erreichen hoffen durfte," wie es im Vorworte (T. 47) ausdrücklich heißt, gänzlich wegfallen; so könnte die Vertretung der Gemeinde auf eine breitere liberalere Basis gegründet, ynd mit Hinweglaffung der aufgestellten drei Steuerklassen der geringste Ecnsus (§. 24) für alle Stimm- und Wahlberechtigten allgemein gemacht werden. Dadurch würde auch das Wahlverfahren vereinfacht, und das Jnslebentretcn der neuen Gemeindeordnung um vieles erleichtert׳ werden. In eine weitere Auseinandersetzung will ich auch hierüber und aus demselben Grunde mich nicht einlassen. Ich bin es aber der Wahrheit schuldig zu erklären, daß mir von achtbarer Seite die Versicherung zugekommen ist: die Angabe in der geschichtlichen Einleitung ('S. 43) über die stattgefundene Wahl, namentlich über die Erhöhung des Census sei nicht ganz genau. Obgleich ich nichts ohne innere und äußere Gründe, wie sie mir nur bei der damals beobachteten Heimlichkeit zugänglich waren, angeführt habe; so nehme ich doch um so weniger Anstand, diese Berichtigung bekannt zu macken, , da es im Grunde einerlei ist, ob gewisse Ungehörigkeiten wirklich statffanden, oder nur hätten stattfinden können, um zu deren Beseitigung durch geeignete Mittel anfznfordern, und es mir nicht um Personen und Tbatsachen der Vergangenheit, sondern einzig und allein um Feststellung von Regeln für die Zukunft zu thun war und ist. Hierbei möchte ich aber nicht so mißverstanden werden, als ob ich auch bei den nach Umgestaltung der Gemeinde vorzunehmenden Wahlen des Vorstandes auf den Character der Personen keinen Werth lege. Vielmehr glaube ich, daß man wohl von den übrigen, thcils nothwendigen, theils wünschenswerthen Eigenschaften, als Religiosität, Kenntniß der religiösen Satzungen, wissenschaftliche Bildung, Kenntniß der Landessprache, reiferes Alter und praktischen Verstand, hervorragende Stellung, Popularität und Leutseligkeit, nöthige Muße u. s. w. die sich selten oder nie in einer Person vereinigt finden — manche uachsehen kann, wenn sie nur in der ganzen Körperschaft in gehörigem Verhältnisse hinlänglich vertreten sind, so daß sich die Mitglieder des Vorstandes in allen Erfordernissen einander ergänzen. Den sittlichen Eharacter hingegen, und die uneigennützige Hingebung für daS Wohl der Gemeinde halte ich für unerläßliche Bedingungen, die von einem jeden Wahl-Candidaten gefordert und durch nichts ersetzt werden können. Pest, den 17. December ,860. L. R. Landau. /X Die Generalversammlung des ״Magyar egylet" soll am 25. d. M. stattfinden, wenn, wie zu erwarten steht, bis dahin die Statuten deS Vereines sankticnnirt sein werden. In dieser Generalversammlung wird zur Wahl eines definitiven Ausschusses geschritten werden. 0 Von Seilen des ״Izr. magy. egylet" sind im Pester Easino zur Errichtung eines Petöfi-Denkmals 100 G. ö. W. erlegt worden. — <5 orre spunden). Aus Mähren. 1. Dezember. Wer einmal schon als Fremder in eine Gemeinte gekommeu ist unv nur im Geringsten seine Absicht zu erkennen gegeben hat, mit den Verhältnissen dieser Gemeinde vertraut zu werden, -wird gewiß die Eriabrnng gcmackk haben, daß Jedermann es sich zum besonderen Vergnügen niackt, diesem Fremden als E'eerone dienen zu können; mit einer oft . an Zndriugl!chkcil grenzenden Bereitwilligkeit werden