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Allgemeine illustrirte Judenzeitung · 1860-12-14 · 20 (14.12.1860) · p. Seite 159

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Journal
Allgemeine illustrirte Judenzeitung
Volume
1 (1860)
Issue
20 (14.12.1860)
Date
1860-12-14
Page
Seite 159 (sequence 7)
Language
German
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! —-»« 159 m Unterrichtes entbehrend, gänzlich verwahrlost. Der Energie und rastlosen Thätigkeit unseres Vorstehers, Herrn Adolf Scheiber, gelang eS im Bereine mit den Gemeindegliedern, die Renovirung und prachtvolle Einrichtung des Gotteshauses mit einem Kostenaufwande von 6000 fl. zu beiverkstelligen. — Eben demselben, so wie unserem greisen Rabbiner, Herrn Abraham Freuder, ist die Organisirung einer zweckmäßigen Lehrschule im eigenen Hause zn verdanken, an welcher 2 tüchtige, geprüfte Lehrer angestellt sind, für deren Wirken die alljährlich im Beisein des hoch». Herrn Dechanten Schauer und der löbl. Schul-Direcsion abgehaltenen Prüfungen glänzendes Zcngniß ablegen. Die ärmeren Schüler erhalten die Schulbücher von den, Talmud-thora-Verein gratis, und zahlen blos die Hälfte deS Schulgeltes. — Mil Bedauern sehen wir den durch den Tod seiner treuen Gattin vcranlaßten Rücktritt deS genannten ehrenwerthen Vorstehers; und in dankbarer Anerkennung seines ersprießlichen Wirkens wünschen wir ihm Gottes besten Segen! W. )sauber«, prakt. Ar» und Schnlauksehcr Baja, 7. Decembcr. Im Verlaufe der jüngsten Tage hat eS die Herzender Israeliten unserer Stadt und Umgebung freudig erregt, daß Sc. Excellenz der kaiserl. Hof-Conimiffär, FML. Graf MenSdors von Pouilly, testen Aufgabe eS ist, die Meinungen hervorragender Persönlichketten Betreffs der Annexion der Woiwodschaft an das angestammte Mutterlaut Ungarn entgegenzunehmen, auch den hiesigen Ober-Rabbiner, Hern! Moses Nascher, als Vertrauensmann zur Stimmabgabe über die erwähnte Frage zu der am 2. December d. I. zu M. Theresiopcl stattgehabten Versammi luug geladen hat. — Die rege Strebsamkeit der hiesigen iSr. Jugend zur Hebuiiz und Förderung jüdisch - wiffenschaftlichen Intereffes verdient öffentliche Würdigung; und dies um so mehr, da wir, nächst dem segensreichen Wirken , unseres geehrten Ober-Rabbiners, einzig und allein dieser die Entstehnng! cmcs Vereines zu danken haben, desseS schönes Ziel eS ist, mittellose Talmud-! jünger mit HilsSbüchern und andern Mitteln zu unterslüvcu, um somit echt ' Mischen Geist;» stärken und zu erhöhen und Gottgefälliges Sttebcn tu kräftigen. — S. M. ~\Y. Warschau. Am 14. November d. I. begingen wir in Warschau eine Feierlichkeit, welche fast unbeachtet blieb, jedock für die israelitischen Polen eine gewiffe Wichtigkeit hat. — Mit diesem Tage begann hier ein Verein junger Israeliten das zweite Jahr seiner Existenz. Der Zweck dieses Vereins ist unbedingt edel und er verdient deshalb, daß wir seiner hier mit wenigen Worte» erwähnen. Der Verein junger Warschauer Juten will mit i allen Kräften dahin wirken, daß vor allen Dingen seine Mitglieder sich j weiter bilden und besonders ihre eigne Geschichte und Literatur kennen ler- 1 ncn. Außerdem hat sich der Verein die Aufgabe gestellt, - die Kinder der! ärnicren Klaffe, wenn die Eltern dieselben bilden wollen, zu unterstützen und ihnen mit jeder möglichen Hilfe beizuspringen. Wir muffen nur bedauern,; daß sich diese Gesellschaft erst so spät gebildet hat, wollen jedoch denjenigen > Leuten, welche vor einem Jahre den Verein gründeten, zu diesen, schönen! Vornehmen das beste Gedeihen wünschen. Heute zählt der Verein bereits! :>2 Mitglieder. Die Zahl ist zwar klein, aber der Wille gut, und wenn! auch nicht alle Mitglieder auf einer gleichen Höhe der wiffenschaftlichen Bitrung stehen, so muffen wir doch zur Ebre Aller sagen, daß jeder eifrig an ׳'einer Fortbildung arbeitet. Im Laufe reS vergangenen Jahres wurden bei- . nabe 200 Vorlesungen gehalten, unter denen einige (überhaupt die des Herrn K.» j sogar reifen, Männern alle Ehre machen würden. Außerdem wurden auf Konen des Vereins zwei Hülfsschulen gegründet, i» welchen Kinder unbemittelter Eltern Correpetitionen, Schulbücher, Hefte und jede »,?gliche Hilfe! unentgeltlich erhalten.! Wir muffen hier benierken, daß der Verein auf Anregung des hiesigen i Predigers des Herrn Dr. Jaslrow entstand. Diesem Manne also, der unter Mitwirkung einiger vcrnehineu Männer unserer Gemeinde de» Verein mit ] Rath unk Thal unterstützt, verdanken wir den Impuls, welchen unsere geistige j Entwickelung erhalten hat. — j Wanderungen auf dem Gebiete der mährischen Gemeinden. > Die sechs Kreise Mährens haben nunmehr nur geographische Bedeu- | innz, ihre Verschiedenheit in politischer Beziehung hat mit de», 15. Nov. j ansgehört. Ick erhielt auch von dem Herrn Kreishauptmanne vor seiner Treu- 1 I nung folgendes Abschiedsschreiben: Euer Wohlgeboren? Da mit dem h«tigen Tage die Wirksamkeit der Krcisbchörden ein Ende nimmt, so drängt cS mich auch Ihnen, geehrter Herr Rabbiner für Ihre Hingebung für das Gemeinwohl und die stets bereitwillige Unterstützung kreisbehördlicher Maßnahmen meinen wärmsten Dank auszusprechen. Empfangen Ew. Wohlgeb. die Versicherung meiner vollkommensten Hochachtung. Hradisch, am 15. Rovember 1860. Der k. k. Statthaltereirath und Kreishauptmann Winklern Wir haben nunmehr eine Statthaltern und Bezirksämter, egibt in administrativer Beziehung keine Kreise mehr. Ich kann demnach meine Wände» rung frei, ohne die Feffel der Kreise, unternehmen. Begleiten Sie mich nach (kibenschitz. Dort steht ein herrlicher Tempel, in welchem ei» geregelter Ehor die Herzen der Andächtigen zu Gott erhebt» und die Andacht befördert und erhöhet. Dieser Tempel wurde im Jahre 1851 erbaut. Die Gemeinde zählt 200 Fauiilien. War sie ursprünglich so groß? Im Jahre 1618, in welchem der blusige 30jährige Krieg begann, war E. eine winzige Gemeinde von 19 Familien. Aber schon diese kleine Gemeinde brachte, nach der Chronik im Gemeindehause, Opfer für daS GotteShauS, eS wurde verschönert und verbeffert. 1727 wurde die damalige Synagoge ganz zeitgemäß renovnt. E. hat auch eine blühende hebräisch-deutsche Schule, in welcher der sehr gebildete Herr Sborowitz, ein Mann, der nebst tüchsiger pädagogffcher Gewandtheit auck klassische Bildung besitzt, mit der Leitung betraut ist, zu seinem und zum Ruhme der Schule. Der dortige Friedhof hat ebenfalls seine Merkwürdigkeiten; unter einem GrabeShügel ruht die Asche eine« RabbinerS, der vom Christenthume zum Iudenthume überging. Sein Epitaph V. bezeichnet ihn als einen 2; אב-הב אבינו, er starb Vo'r. Dort schlummert auck der Vater des verfolgten HeroS deS TalmudiSmuS Jonata« Eibenschiver, der lange Zeit in E. Rabbiner war. Die Vereine, welche in E. blühen, gereichen der Gemeinde zur Ehre. Ein Be, ein will daS Torastudinm unterstütze». Ob sich Jünger finden, welche sich im Torastudium unterstütze» lasten wollen, ist eine andere Frage. In den meisten Gemeinden müßte man mit ״Nein" antwoncn. Wir haben in Mähren weder Jeschiwah noch Seminar, weder Jünger der Tora noch Beförderer derselben. Wozu auch diesen Ballast? Protection und Mimik bei der Predigt sind die wesentlichsten Anforderungen der Neuzeit an den Rabbbiner. lieber eine Sage will ich noch berichten, die in E. zirkulirt. Es soll nämlich auf dem Grabe eines berühmten Rabbiner-, welcher im vorigen Jahrhundert dort starb, eine Weinrebe emporgewachsen sein, weil dieser Rabbiner so eiftig gegen dje eingeriffene Sünde von נב" zrz predigte. Diese Sage hat einen geschichtlichen Hintergrund. In den mährischen Gemeinden war die Ansicht gang und gäbe: die den Wem betreffende Beschränkung!ist veraltet, indcn, die talmudische Motivirung derselben in der Gegenwart alle Bedeutung verloren hat. (Der al ha Mizw. 19, si.) Ja selbst Jsserle« erklärte offen, daß der mährische 118118 bedeuteure Autoritäten für sich habe. (R. G. A. 124.) Die später» Rabbiner mußten daS Weinverbot wieder einschärfen, S. B. Chan. II. Jahrg. II. Heft. Da soll sich nun der E. Rabbiner im Eifer für diese Satzung ungemei» ausgezeichnet haben, und die freigebige und phantasiereiche Sage schmückte zum Lohne dafür sein Grab mit einer improvisirten Weinrebe. Ich setze nächstens meine Wanderung fort. Bis dahin leben'Sic wohl. C»ava, :iO. November 1800. ' Dr. JH. Du schab, vermischte vachrichteo »ad Rochen. t'. Wie die ״Arader Ztg." aus Arad berichtet, hat der dortige Ober- Rabbiner Herr Steinhardt am 8. d. M., als am Vorabende de- Feste« der Teinpelweihe eine ebenso zeitgemäße als begeisterte Predigt in ungarisch» Sprache vor einen! zahlreichen Auditorium gehalten. — Nachdem er auf ״dir erhabenen Makkabäerkämpser für die Aufrechthaltung ihrer ererbten Nation«- lität" hingewicsen und die Gemeinde zur aufopfernden Anhänglichkeit für den väterlichen Glauben erniahnt hatte, ging er auf daS ungarische Vaterlanv über, und zeigte die auffallende Uebereinstimmung der Bestrcbunge» in damaliger und jetziger Zeit nach! — ״Adja isten" — rief er begeistert a״s — ״liogy e rokonsorsusü״ mindkit oldalon kutfeje a ro konerzelcmnek legvvn!" ״Wolle Gott, daß diese Derwandffchaft de« Geschickes nach beiden Seiten hin zur Quelle einer Gesinnung-verwandt- , schaft werde" und daß man die volle unverkümmerte Berechtigung den» , •4 .

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