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Allgemeine illustrirte Judenzeitung · 1860-12-14 · 20 (14.12.1860) · p. Seite 156

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Journal
Allgemeine illustrirte Judenzeitung
Volume
1 (1860)
Issue
20 (14.12.1860)
Date
1860-12-14
Page
Seite 156 (sequence 4)
Language
German
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156 *— Sold)« durch wahre Xugent, Einfachheit unt Pietät gekräftigte Pfeiler der mcternen betrohten Familie;u sein, sei die Ausgabe unserer Frauen; sie für einen solchen erhabenen Beruf zu erziehen, ist die Aufgabe unserer Zeit. Möge es uns gestattet sein uns nächstens über die zeitgemäße Erziehung der weiblicher? Jugend eines weiteren auszulasien. Sit jäiifditti Jtiufikattttn. . / An des Jurenhauses Fenster schimmern heut der Lickler acht, Glänzen wie «in klares Sternbild durd> die Helle Winternacht; Tenn es ist die Weih'rracht kommen, wo der Makkabäer Ruhm 'JUcb zweitausend Zähren freudig, feiert noch ras Zudenthum. Zm Gemack, wo tonst dir Sorge ihre Woknung ausgeschlagen. Sieht man, licht wie Morgenröthe, selt'nen Frohsinn heute tagen; Freudig hüpft die munt're Zugenk, beiter lächelnd blickt dir Greis, Wunderliche Musikanten treten in den lauten Kreis. Schwach, verwittert ihre Leiber, Elend in dem Angesicht, Doch es strahlt ihr Feuerauge wie der Sterne reines Lickt; Ihre dürft'gen Hüllen zeugend von der Armuth bitter'm Drang, Dock die Brust gar stolz gehoben von dem reichsten Lied erklang. Hehr wie Svbärenliedes Echo tönt's durch die bewegten Saiten, Dumpf erdrkhnt's rarein wie Klage längst geschicd'ner Seligkeiten: Herrlich, wie"aus Adlerfitt'gen Gott sein Bolk durch Wüsten trug. Mächtig, wie rer weise Hin« aus dem Fels die Quelle schlug. Doch sie künden nur Bergang'nes, srüh'rer Größe Kraft und Fall, Nur Eutschwund'nem weiden Jacobs Söhne ihrer, Lieder Schall; Ach, für gegeuwätt'ge Wonne, gegenwärt'gen Siegeslauf Hingen sie an Babels Weiden längst die müden Harfen auf. Brausend hat das Lied geendet, und den Dürftigen zur Labe Reicht mit lbränenfeuchtem Auge, mild der Hausherr eine Gabe: Und die Künstler schreiten^leise grüßend zu der Thür hinaus, ... Ihrer Lieder Schätze tragend also fort von Haus zu Haus. Also gingst du, Bolk Zeschurun! durch manch' trauriges Jahrhundert, Unbeachtet deine Tkaten, deine Opfer unbewundert; Nahmst die wen'gen Erdenfreuden wie ein mild Almosen an. Trugst der Vorzeit heil'gc Kunde muthvoll auf rer Tornenbahu. Da»ii> Mendt. Dir Makame Jmmanntrs, das in die Makame von der Hölle und dem Himmmcl. Ueberietzr von Dr. A. K, sJmmanuel ben Salomo sgeb. 1272) au« Rom/verfaßte mehrere wenig verbreitete grammatikalische und andere Schriften, etwarb sich vorzüglichen Rubm durch die unter rem Namen Makamen oder Mechabrcth bekannten Dichtungen, welche glückliche und reizenre Nachbildung des arabischen Dichters Hariri (1U54—1124), ihrem Inhalte nach eben so ergötzlich als lehrreich, religiösen Eifer und wissenschaftlichen Ernst mit kühner und geistreicher Satyr« oft paart, unk hiedurch dem Dichter eine ganz eigenthümliche Stelle in der mittelalterlichen Literatur der Juden sickert. — Immanuel nimmt oft auch Tante zum Muster; besonders bemerkenswerth ist in dieser Beziehung das Schlußcapitel seiner Mechabroth, die 2H. Makame, eine Art hebräischer Divina coinmedia, wovon hier eine Uebersetzungsprobe folgt. — Vielen unserer Leser wirk es wohl bekannt j sein, daß I>r. Geiger und Luzzato in dem von mehreren Zeitgenossen als Freund Dante's öfter erwähnten Manoello eben unseren Immanuel erkennen, in dessen Daniel sie wieder eine Anspielung aus Tante erblicken. — Die ״Meckabrcth" Jmmanuel's wurden zuerst in Brescia 1491 gedruckt. — Red.) spricht der Uerlaller -Immanuel, •Solju des •Safomo gesegneten Angedenken-?. Nrchrem von meinen Lebensjahren — sechzig vorübergegangen waren, — und rascher mir entgegen kamen des Todes Gefahren — da beschloß plötzlich sein Leben — eul kräftiger Mann voll rüstigem Streben, — einer aus der Heiligen Gemeine — und sein Alter war kleiner als das meine. — Als ick dies erfuhr, überfiel mich Schrecken — und ich sprach: web' mir verstocktem Gecken, — muß nicht Schmach und Schande mich bedecken — da ich Fehler und Sünden begangen habe, — gefrevelt und »ergangen habe. Im Schlamme der Zeit versenft — Hab' ich Gott und Menschen gekränkt — und mehr gethan des Bösen — als alle die vor mir gewesen. — Wie, wenn ich plötzlich gerufen nach Oben werde — und auf die Schultern emporgehoben werde — und die mich kannten, mich suchen und nicht finden auf der Erde — was ist die Zehrung mit der ich mich rüstete — für den Tag da meine Seele scheidet, die verwüstete? — Was werk' ich sagen, wie mich rechtfertigen — was kann ich Hessen und gewärtigen — wenn mir nickt entgegenkommt die Huld — dessen, der verzeihet die Schuld? — Und wie ich mir dies vor die Seele führte — da spürte — ich, wie sich mein Inneres rührte — und die Schleuß«״ meiner Thräneu erschlossen sich — und meine Äugen ergossen sich — wie Bäche, mich überfiel, — eine tiefe Trauer — wenn ich dachte an mein Ziel, das der Verdammniß Schauer — sein würde — weil ich meinem Schöpfer ward zur Bürde — und ich ries: Wo bist du Daniel, Mann der Zierde — wo ist deine Weisbeit, — o könnt' ich dich finden — könnt' ich ergründen — deine Stelle — | daß tu vom Quelle — deiner Weisheit mich nährtest — daß ich dich srüge! und du mir Antwort gewährtest — das Maaß meiner Tage mich lehrtest —! und den Ort mir zeigtest an — wo ich soll werden hingethan. Indem ick ' so versunken lag in des Kummers Tiefen — und die Thräneu stromgleick [ aus den Augen mir liefen — unk von Gram und Sckmer; — gesättigt : war mein Herz: — da ward ich plötzlich von did)ter Nacht umhüllt — und es zeigt sich mir ein Traumgebild. — Mir war's. als stände ich an des Ulaistroms Gestaden — mein Herz zuckle auf und nieder, wie Blitze ׳ sich entladen — und ich erhub meine Augen und sah einen Wind — der ן anschwoll mit Macht, und herbeiflog geschwind — der Berge zerspellte — 1 und Felsen zerschellte -- und nach dem Winke erhob — sich ein Erdstoß,! darob — mir die Ohren zu gellen begannen — und aus meinen Augen J Thräneu gleich Quellen rannen — und nach dem Erdbeben sd)lug eine! Flamme empor —: und ein sanftes Gesäuse! traf mein Ohr — und ein siebenfach Lickt strahlte hervor — vor welchem die Sonne an Glau; ver- 1 lor. — Und siehe da, eines Greises Gestalt — von einem weiten Gewände umwallt — sah ick an mir vorübergeh'n — wie ein Engel Gottes war er anzusehen. Bei seinem Anblick ward mir angst und bang — daß ich verstummend zu Boden sank. — Als er sah, daß mir die Kraft gebrach —; begann der Mann und sprach — was liegst tu so erschlafft — ich binS : ja. rer dir Frieden verschafft. — Steh' auf, nicht dieser Ort — ist der Ruheport — heute lasse ich dich Rettung finden — und Gram und Kum> mer sollen schwinden. — Bei diesen Worten fühlte ich mich ermannt — und ick faßte das Gewand — des Geistes beim Rand — ich umklammerte! seine Füße, und küßte deren Staub — und sprach mit Verlaub — mein Herr, wenn ich Gunst in deinen Augen fand — so nenn’ mir deinen Namen unk deinen Stand — da sprach er: ich bin Daniel, der Mann der Zierde genannt — den du angerufen unter Seufzern und Zähren — beim Beginne des Gebets ward mir der Auftrag dick zu lehren — Räthsel und Musteren — t’rum sollst tu heute durch mich erfahren — viel des Hohen und Wunderbaren. — Oessne deine Augen und sckau — merk auf die Dinge unk Erscheinungen genau — denn deinetwillen ward ich gesandt und ging deinetwillen — dich mit Kenntniß zu erfüllen — kam ich hieher! — t’rum stelle kein Begehr — so hock oder tief wie immer; denn eilen — muß ick und kann nimmer weilen — da sprach ick: Mein Herr, ich fleh' dick — an, führe mich gnädig — dahin, wo ohne Ende die Seligkeit ist — und wo für den Bösen von jeher die Hölle bereit ist — zeige mir die Stelle, wo ich wohnen soll, wenn ich verschieden — welches Haus man mir bauen wird, welcher Ruheort mir beschicken — leite mich, ick will hinter dir geben — da sprach er: wie du wünschest, so soll es geschehen — d'rauf fragte er, wohin sollen zuerst wir wandern — und ich sprach: fürS erste in die Hölle, ins Eden zum andern. — Und er sprach: Fasse mein Kleid beim Zipfe — gib acht, daß er dir nid>t entschlüpfe — und daß unS beide — kein Windstoß scheide, — denn der Ort, den wir besuchen, ist ein Ort voll Grausen — wo Gespenster und Unholde Hausen — sein Name ist Leichenbausen. — (Fortsetzung folgt.)

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