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Allgemeine illustrirte Judenzeitung · 1860-11-30 · 18 (30.11.1860) · p. Seite 143

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Journal
Allgemeine illustrirte Judenzeitung
Volume
1 (1860)
Issue
18 (30.11.1860)
Date
1860-11-30
Page
Seite 143 (sequence 7)
Language
German
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t — 143 und Vorsängerstelle iumier sehr tüchtige Lehrer hatte und auch dermalen einen solchen hat, mit dem es sehr znfrieden ist. Unsere Landgemeinden sehen immer in dem Lehrer gern noch den ״Meschubod", den man immer kurz halten müffe, damit er auS dem Abhängigkeitsverband ja nicht hinauskömmt. In einer andern dieser Gemeinden, in Treuchtlingen, hat die christliche Commune in Folge UebereinkommenS der israelitischen Schule ein Locale überlasten, das ganz das Bild der Minorität gegen die Majorität darstellt. Neben dem mächtig großen, zweistöckigen christlichen SchulhauS steht ein Hüttchen, ein Miniatur-Schulhaus, gleichsam ein Junges, das in zwei kleinen Zimmerchen kaum Raum für die einige und 20 Schüler zählende jüdische Schuljugend bietet. Die hiesige Genieinde sah sich nämlich wegen der geringen Leistungen ihres Rabbiners, als Lehrer, veranlaßt, neulichst einen eigenen isr. deutschen Lehrer anzustellcn, und es muß mit des Ersteren Leistungen wahrhaft schlimm gestanden haben, wenn sich eine Gemeinde bei unS zu einer solchen Anstellung freiwillig herbeiläßt. Für einen Schüler muß aber hier 16 bis 20 fl. jährliches Schulgeld deshalb bezahlt werden. — Die sonst vorgeschrittenere CultuSgemeinde Pappenheim kann keinen Vorsänger bekoinmen, weil sie ihrer Zukunft so wenig vertraut, daß sie keine definitive Anstellung bewilligen will. Es wird bald mit den Lehrerstellen nicht anders gehen, wenn sich die Gemeinden nicht überall zu besserer Besoldung und Verbindung des Elementarmit dem Religionsunterricht sammt Vorsängerei, welches alles zusammen erst einen Mann mit Familie ernährt, verstehen werden. Noch einen, den Grad der Volksbildung abspiegelnden Schauplatz be» suchte ich nach langer, langer Zeit an den letzten Festtagen wieder, — lächle nicht, mein Leser, wenn ich dies sage — den Ball der iör. jungen Leute einer Dorfgemeinde. Schon der Name Ball statt Tanz thut waS zur Sache. Sie bezeichnen damit schon den Ort, wo man sich anständiger/ feiner in Manieren und Reden geben muß, wo anständig gekleidete, hübsche junge Männer und schmucke, mit Geschmack gekleidete Mädchen, mit denen recht gut zu convcrsiren ist, und die züchtig in Wort nnd That. Kurz, ein erhöhter Grad bon Volksbildung, ein sprechender Zeuge fortgeschrittener Bildung und guter Sitte, ist in allen Stücke» unverkennbar zu erblicken. Gehet hin auf die gewöhnlichen Tanzplätze der christl. Jugend ans dem platten Lande und vergleichet! Der Ausdruck besserer Schulbildung, verändrrter ErwerbSarten und der Umgang mit der größeren Welt durch die neuen ComniunicationSmittel rc. findet alsbald bei unS entschiedenen Anklang, und solch' eine Erscheinung ist erfreulicher als Biele meinen, und spricht deutlicher noch und bedeutsamer, als statistische Zusammenstellungen! 0 Die'״Araber Zeitung" v. 25. d. M. bringt folgenden Nekrolog: Der gefertigte Lehrkörper erfüllt hiemit dir traurige Pflicht, dem Andenken eines Mannes, der 28 Jahre als Leiter der Schule Vorstand, und nach langjährigem schweren Leiden am 23. d. M., Nachts 10 Uhr, in ein bessercs Jenseits hinüberging, den letzten Scheidegrnß nachzurufen. Mit Herrn Lazar Skreinka, dirigirendem Senior und Katecheten rer hiesigen israelitischen Unterrcal- und Hauptschule wird eine Persönlichkeit zu Grabe getrageu, die nicht nur in unserer Stadt, in unserem Vaterlande, sondem weit über dessen Grenzen hinaus bekannt war, mit ihm schcidet ein ganzes Stück Geschichte unseres SchullebenS, mit ihm der erste und älteste Lehrer dieser Anstalt seit ihrem Bestehen, die ihm auck ihre erste Organisirung verdankt, mit ihm scheidet ein Geist, der vorzüglich auf theologisch-kritischem Gebiete mit nnverwüstlich schöpferischer Kraft, selbst bis zur letzten Stunde, unter den unsäglichsten Kkrperleiden unermüdet arbeitete, bis die Hülle zusammcnbrach. Eine große Zahl umfangreicher Aussätze in den verschiedensten wisse,,- sckaftlichen und vorzüglich theologischen Zeitschriften, so wie auch mehrere selbstständige Werke zeigen unverkennbar, daß in dem Verewigten ein Geist arbeitete, der niminer ruhen und rasten konnte, und der in dem nnablässigen eifrigen' Forscken und Ringen nach Wahrheit iinmer nur noch neuen Zündstoff fand, zu ncnen Beleuchtungen auf dem Gebiete der Wissenschaft in deren verschiedenartigsten Zweigen er als tüchtiger Gelehrter und Forscher lwimisch war. Leider konnte er die Vollendung seines lehrreichen größeren Werkes ״Beiträge zur Entwicklungsgeschichte des Jlidenthlims", das von den ersten Capazitätcn als eine hervorragende originelle Arbeit anerkannt wuree, nnd dessen letzte Bogen bereits u»ter der Presse sind, nicht mehr erleben. Haben wir die rüstige Thätigkeit des Verewigten, als Gelehrten und Schriftstellers, wenn auch nur in kurzen Umrissen zu schildem gesucht, so wird man unS die Darlegung seiner Leistungm auf dem Feld« des Nnterrichte« und der Erziehung um so eher erlassen, als mehrere Hunderte von Schülerü, die ihm ihr Wissen zu verdanken haben, als lebende nnd sprechende Zeugen, seine pädagogische Wirksamkeit mehr als alle Worte in'« klarste Licht stellen, und da eS wohl nur wenige, vorzüglich jüdische Amtsgenossen geben wird, denen der Name deS Lehrer-Veteranen SkktMka nicht ein geläufiger, wohlbekannter wäre. Möge daher dieser letzte Nachmf seiner Kollegen ihn zu jener Stätte fteundlich geleiten, wo daS Licht und der ewige Friede thront, und wo der Geist, der irdischen Fesseln entledigt, sich zum Urquell der reinsten Wahrheit und des unendlich Guten hinaufzüschwingeu vermag. — Friede seiner Asche! «rad, den 24. November 1860. Der Lehrkörper der hies. isr. Unterreal-, Haupt- und Mädchenschule. Vermischte Nachrichten an) Notizen. * Der ״AgSb. Allg. Ztg." wird auS Wien berichtet: Man glaubt daß die für Tirol, wo eS bekanntlich nur sehr wenige Israeliten gibt, au»- gesprochene Ausschließung dieser Glaubensgenossen vom Landtag nicht zur Anwendung kommen wird für Vorarlberg, daS in der Stadt HohenemS eine zahlreiche iSr. Gemeinde besitzt. * Lemberg. Der hies. Magistrat hat in der 2ten Hälfte deS vor. Mts. den im sogenannten ״unbefugten" Bezirk wohnhaften Israeliten, die Weisung zukommrn lassen, binnen einer bestimmten Frist ihre Wohnungen auszngeben, mithin in'S Judenquartier zu übersiedeln. — * Berlin. Die ״Nation. Zeitung" bringt folgenden Nachruf: Am 7. d. M. endete der RabbinatS - Verweser der hiesigen jüdischen Genieinde Herr Jacob Joseph Oettinger seine zeitliche Laufbahn nach zurückgelegtem achtzigsten Lebensjahre. Seit 40 Jahren hat der Dahingeschiedene in unserer Gemeinde gewirkt nnd seit 35 Jckhren das Amt verwaltet, zu welchem er wegen seines hervorragenden Wissens nach deitd^Äbleben deS seligen Vice- OberlandeSrabbinerS Weyl berufen worden war. Wie sein Leben stets voll Frömmigkeit und Sanftmuth, war auch sein amtsicheS Wirken bei strenger Festhaltung an den Glanbenssatzungen doch fern von jeder Unduldsamkeit und nach allen Seiten hin mild und versöhnend. Bei seinen Lebzeiten ward dem Verklärten von Jedermann in der Gemeinde ungetheilt die höchste Acktung gezollt und auch weit über daS Grab hinaus ist ihn! ein liebendes und ehrenvolles Andenken in derselben gesickert. Berlin, 14. Nevemb. 1860. . Der Vorstand der jüdischen gemeinde 0 Berlin. Am Tage der hiesigen Jubiläumsfeier ging dem Rector der Universität, Böckh, die Summe von 2000 Thalern von einem hiesigen reichen Kaufmann zu, mit einem Schreiben in welchem diese 2000 Thaler zu einer Stiftung bestimmt wurden, welche den. Namen Böckhstiftnng führen, und auS der am 15. October jeden JahreS zwei jüdssche Studenten die Zinsen mit je 50 Thalern als Stipendium erhalten sollten. Als Bedingung war ferner aufgestellt daß der Name des Geberverschwiegen bleibe. Der alte ehrwürdige Rector hielt letztere Bedingung nicht für gerecht. Er begab sich deßhalb zu dem Einsender dieses Geldes, und wußte diesen zu bewegen daß die Stiftung den Namen ״Böckh-Reicheuheim-Stistung" erhalten solle. Der Einsender des Geldes war nämlich der Commercienrath Leonor Reichenheim. Auch wurde bestimmt, daß nickt zwei jüdische Studepten, sondern ein christlicher und ein jüdischer Student mit dem Stipendium bedacht werden sollte. Die Genehmigung der Stiftung ist bereit« allerhöchsten OrtS nachgesucht worden. (Berl. Bl.) * Frankreich. Unter den neuenianntcn Professoren an verschiedenen Hk» Heren Lehranstalten sind folgende Israeliten: Weil», Prof, der reinen und angewandten Mathematik am kais. Lyccuin zu RheimS; Hinstin, Prof. d. Rhetorik am kais. Lvceum zu Lille; Hadamard, am kais. Lyc! zst Rimes. Bei der diesjährigen Berthcilnng der Preise am Lycüc Bonaparte war die Reihe des Vertrags au dem iSr. Prof. Eugöne Manuel. 0 Herr Salomen Levylier, Bruder deS Präsidcutcu des ConsistorinmS zu Rauch, welcher selbst als Präsident in der Admiuiftrativ-Commision deS Tempels fungirt, hat ciu Geschenk von 6000 Fr. zur Anschaffung einer

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