Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Journal
- Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Volume
- 1 (1860)
- Issue
- 18 (30.11.1860)
- Date
- 1860-11-30
- Page
- Seite 142 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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—•י» 142 ״-— Sein besseres Bewanrniß hat es mit den Eentral-Instituten und mit den Forderungen nack Consistorien und Seminarien. Weiß Herr K-n nicht, daß die Ersteren eigentlick schon gericktet sind und die darauf ׳zielenden Wünsche einem, wie man zu sagen pflegt, längst überwundenen Standpunkte angehören. — Tie Konsistorien sind gerichtet, als unrerträglich mit rer Frecheit des Geistes, der Lehre und der Gemeinde überhaupt; als ein rem innersten Wesen des Iudenthumes gänzlick fremdes Institut, und endlick als ein« Pflanze, wofür der Boden unserelieben Vaterlandes am allerwenigsten geschaffen wäre. Weiß Herr K-n so wenig von den Kämpfen und Bewegungen innerhalb der ungarischen Synagoge, daß er es für gar leickt hält ein Consistcrial-EinschacktelungSsystem hier heimisch zu machen, in welchem Preßburg, Eisenstart, Maltersdcrf,- St. Weißcnburg, Rechnitz, Szegerin, Arad und Grcß-Kanisa in messtaniscker Friedseligkeit Platz neben einander finden würren. Oder hält er etwa Pest für den alles ausgleichenreu Mittelpunkt. Allen Respect vor ren perfönlicken Neigungen des Herrn K-n, die ihn gerate jetzt zum Fürsprecher der Centralbeb orte machen; ein unbefangener Blick aus Sachlage und Stimmungen dürfte ihn die llnausfübrbarkeil seiner. dieSsälligen Ansichten leicht erkennen lasten. — Toch tbut das Alles keinen Abbruch der Eompetenz, welche Herr K-n rücksichtlick der Beurthcilung kiesiger Zustände in meinen Augen besttzl: unr wirr gewiß Niemand anftehen, den Wunsch nack Bessergestaltung, nack Hebung und Veredlung des GemeindewesenS mit ihm zu theilen. — 3SärU5׳. s. Tie Reorzanisirung des unter dem Namen ״I/.raclira ma^var neu ins Leben tretenden ehemaligen )lax)׳aritö-o--vlct ist bereits zu einem crfteulichen Abschluß gediehen und wir können zuversichtlich hoffen, - daß die zu seiner definitiven Erstehung nöthigen Einleitungen bei der hohen Behörde in Bälde geschehen werden. w. Tie bekannten Religion^-Lehrbücher des Herrn M. Zil; für isr. Volksschulen sollen nächstens _En ungarischer Sprache erscheinen. — Auch gedenkt der genannte geschätzte Katechet, vom kommenden Sommercurse angefangen, den dazu geeigneten Schülern seineu Vortrag in uugar. Sprache zu halten. — m. Ter wegen seiner pädagogischen Leistungen geschätzte Instituts- Borsteker, Herr llr. I. L. Fischer in Pest, ist in Folge des von ihm herauSgegebenen Werkckens: ״Das ungarische Tiefland," welches in competenten Kreisen gerechten Beifall erworben, zum Mitgliede des ,,Siebenbürgischen Vereines für Naturwissenschaften" in Herrmannstadt ernannt worden. ' l. Temnäckst ersckeint von ren vortheilhaft bekannten Schulmännern Herren.׳ Samuel Kohäny, und Emanuel Schütz ein ungarisch deutschhebräisches Lautir- und Lesebuch für Sckul- und Hausgebrauck der isr. Jugend; die Zeitgemäßheir des Unternehmens bedarf keines besöntcrn Nackweises. — f. In einen! Leitartikel des ״Pesti Hirnök" vom 28. d. M. sinder sich die frcimülhige Aeußerung: daß eine allgemeine Gleickberechtignng ohne Unrersckicd der Nationalität unr rer Eoufefsion ini Interesse der Eintracht res Landes wünschenswerth sei. Taß riefe Aeußerung in diesem Organe Raum gefunden, ist um so beachkenswerlher, da ״Pesti Hirnkk" am allerwenigsten der Ueberstürzung geziehen werden darf. --kie»- Lorrrlpondenz. Wien. I,. Wenn schon das hier bekannt gewordene Sendschreiben j reS Vorstandes der Pester Gemeinde an die Gemeinden Ungarns, nicht eben | die günstigste Deutung erfahren hat, sc mißbilligt man toch allenthalben auf j die entschiede!!!!« Weise das Vorgehen einer — hoffen wir es — geringen! Anzahl von Gemeindemitzlieccrn, die ihrem Unmuthe im Sprechfaule des ן Lloyd Ausdruck gaben. Ist wirklich die Mehrzahl der Pester Gemeinde der I Meinung, die in jener Erklärung ausgesprochen ist, so möge sie den Muth > haben, wenn sie es überhaupt geeignet findet, in derartiger Weise gegen > ren Vorstand einer Cultusgemeinde vorzugehen, mit ihren Namen für ihre > Anücht einznstehen. Ist renn aber ein Inserat in! Sprechsaal des Lloyd ן klick der geeignete Weg um das von jener Erklärung tendirte Ziel zu \ erreichen? Und ist denn die Abdankung des Vorstandes eine conckitio sine | •jita non? Wenn jeder Vorstand wegen einer begangenen Taktlosigkeit, die j!ג nur einzig und allein vorgeworfen wird, restgniren müßte, - so dürfte sjrbe Nr. 17. es bald schwer sein in den Gemeinden die zu Vorständen tauglichen Jndivituen herauszufinden. Ucberhanpt ist ja der Begriff Taktlosigkeit sehr biegsamer und relativer Natur, und oft trifft eS sich, daß, was von den einen als taktlos auSgeschrieen wird, von anderen als in den Grenzen des Erlaubten und Schicklichen sich bewegend angesehen wird. Wir hier wissen nicht» welche Taktlosigkeit denn die Herren eigentlich zu dieser so geharnischten Erklärung veranlaßt hat; und die ganze Angelegenheit, weil eben nnr intcrner. Natur, liegt uns überhaupt viel zu fern, um uns eines Weiteren hierüber auszulassen. Das aber möchten wir uns erlauben unseren Glaubensbrüdern in Pest zur Erwägung anheimzugeben, ob wohl die Zeiten danach angethan sind, um Zwietracht und Hader in den Gemeinden zu säen und ob es nickt gerade jetzt hie heilige Pflicht eines jeden -Israeliten sei, aus allen Kräften an der Erhaltung des Friedens in der Gemeinde zu arbeiten. Ist es ehrenhaft Akte des Vorstandes der Oeffentlichkeit als conlpromittirende zu dcnunziren, und ist es klug dieses in einer so aufgeregten Zeit, wie die jetzige, zu thun? Diese Frage richten wir an die Verfasser jener Erklärung. Die hiesige öffentliche Meinung hat bereitdieselben, und wahrlich nicht zu (Gunsten jener Herren, beantwortet. — Bayern. K. (Schluß.) ^). Ihr Correspcndent besuchte neulich eine Ge» gend wieder, in tvelcher er vor 30 Jahren lebte und wirkte, und kann den Eindruck der fortgeschrittenen Bildung unserer ländlichen jüdischen Bevölkerung bezüglich res Schul- und Synagogenlebens, so wie des öffentlicken Lebens über- Haupt, davon wiever geben. Die zeitgemäße Schule, daznmal als aufgedrnngen unr verderblich allgemein angesehen, wird jetzt als eine Wohltha* betrachtet, die man fick um keinen Preis inehr nehmen ließe. Die Lehrer derselben, vielfach angefeindet und bekänipft, sind jetzt allgemein beliebt, wen» gleich immer noch pekuniär sckleckt gestellt. Tie Synagogen, sonst schmutzig und zerfallen, sind überall zeitgemäß restaurirt und der Gottesdienst von den gröbsten Mißbräuchen gereinigt, die man nirgends zurückwünscht. Auch Sinn für deutsche Predigt und Gesang isr da, aber die Zahl der Nabbinate hat man schmählich herabgedrückt. In einen! Umkreis von circa zehn Stunden sind in etlichen Jahren fünf Rabbinate eingegangem, deren Gemeinden, bis auf eine, von dem Rabbinat AnSbach annektirt wurden. Freilich hat die allgemein beliebte Persönlichkeit, wclcke dermalen das Rabbinat Ansbach bekleidet, viel zu diesen freiwilligen Anschlüssen beigettagen; und hälfe das viel näher gelegene Rabbinak Trencktlingcn, dem sich nur Pappenheim anschloß, einen tüchtigen Rabbiner, es würde sick gewiß vom Lccalrabbinat erhoben haben. Aber immerhin bleibt es bcmerkcnswerth, wie rasch unsere Landgemeinden, welche doch auf die Frömmigkeit ein ausschließliches Privilegium vor den Städtern zu haben vermeinen, nach Absrerbcn ihrer Rabbiner die Ueberflüssigkeit eines solchen thatsächlick behaupten, und um nur die größere Ausgabe zu ersparen, auf das Anbringen der ״Sckaaloth" und waS drum und dran hängt, verzickten, zufrieden, wenn der fern wohnende Rabbiner jährlich einmal zu einer Predigt und, wie sie, jedoch vergeblich, - wünschen, zur Bemaßregclung des Lehrers :c. re. bei ihnen ersckeint! — Aus einigen dieser Gemeinden will ich Ihnen noch einzelne bezeichnende Details mitkheilcn. In Heidenheim war ein Mädchen aus ehrbarer Familie von einem Christen zum zweiten Mal Mutter geworden, und als verlautete, das Kind solle getauft werden, eilten die Verwandten am Tage vor der anzeordnctcn Beschneidung des Kindes zum protestantischen Pfarrer des Ortes, der ihnen versicherte, er wisse nickts davon und es werde nickt ohne ihr Wissen geschehen. Aber gerade als die Gemeinde am andern Tage beim Gottesdienst zur Beschneidungsfeier eilte, kam die Nachricht dahin, es werde so eben die Tanfe des KindeS im jüdischen Haufe vorgenommen. Dem geschah auch also, trotz aller Prvtestationen, und die nachmalige Beschwerde des Rabbiners wegen Verfaffungsverletzung blieb erfolglos. Allen! weitern Aergerniß machte der Täufling selbst durch seinen nach wenigen Tagen erfolgten Tod, und sein Vater durch Verlassen der Mutter, ein Ende! In Berolzheim wollte ein der Gemeinde früher angehörigtt reicher Mann ein Kapital von 1000 fl. zur Aufbesserung der dortigen Schulstclle aussetzen. Tie Gemeinde aber beschloß, das Kapital anzunehmen, jedoch die Zinsen nur zu ihrem Vortbeil und nickt zu rem besagten Zweck zu verwenden. In Folge' dessen zog der reiche Mann sein Kapital wieder zurück. Dabei muß erwähnt werden, daß Berolzheim auf seiner mit 200 fl. dotirten Rcligions-