Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Journal
- Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Volume
- 1 (1860)
- Issue
- 16 (16.11.1860)
- Date
- 1860-11-16
- Page
- Seite 122 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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—•י* 122 ««.— Drümtt»entt>'ons-Eml!läung. Mil Anfang des laufenden Monats hat ras zweite Quartal unserer während ihres kurzen Bestehens allgemein beifällig aufgenommenen und einer weiten Verbreitung im In- und Auslände sicb erfreuenden Zeitsckrist begonnen. Wir erlauben uns daher unsere geehrten Vierteljährigen Abonnenten aufmerksam zu macken, daß sie ihr ferneres Abonnement baldigst bewerkstelligen möcktcn, damit die Zusendung der Blätter ohne Störung erfolgen könne. Auck müsien wir Diejenigen I\ T. Herren Abonnenten, die mit dem Abonnementsbetrage im Rückstände sind, -ringend ersuchen, die Ernzablung desselben so bald thuulich veranlassen zu wollen. Für Neneinlrcteilöe sind nock wenige vollständige E^cmsllarc vom 3. August d. I. bis zur Zeit ihres Eintritts vorräthig und können auf Verlangen nackgesendet werken. — Ein Abonnement vom 3. August bis Ende Ttrembcr d. Z. beträgt 3 st. 3-4 kr. östcrr. Währ. Besonders bitten wir gefälligst zu beachten, daß unser den ganzjährigen Abonnenten zugesagtes Prfimieilbild, darstellend: TOjälirigr <£rbnrt5tag5frirr?r. (fbrimirörti des Dem! (0brr־l\flbbmrr5?nlaman I. Ha^ngort״ spätestens im Jänner 1801 zur Berscndung an das-1'. '1'. Publikum gelangen wird. Halbjähriges Abonnement fl. 4 — ganzjähriges fl. 8 östcrr. Währ. Bei rer großen Verbreitung, die unsere Zeitsckrist seit rem kurzen Bestehen im In- und Auslande bereits gewonnen, eignet sick dieselbe vorznglick für Znscratk aller Art, und werden dieselben auf's Billigste berechnet. ״ . , Pest, im Aovenwer!*,;׳>. Der Herausgeber der ..Mg. ^llnüritten Mrnzeitnug." töw Schwab. Liographilchc Skizze »o» IV 8. FoM'etzunq. ' War auch Schwab aus seinen beiden bisherigen Posten gewobnl in ansgerebnrerem Maste tbätig;u sein, als die bis dahin herkömmlichen Anixrücke an die Rabbiuen reichten, und mockte er auck bei Annahme des Rufes nach Pest im Borbinein aus eine noch größere Anspannung aller -strafte gefaßt sein: so übertrasen dock die Anforderungen, welchen er in seiner neuen Stellung und dem neuen Wirkungskreis« zu genügen hatte, alle die Vorstellungen, die er vielleicht darüber mitgebracht; -7- und nur der männlichen Vollkraft des störpers, in der er stand, nur der Frische, Vielseitigkcit. und Elasticität des Geistes, die ihm stets eigen war, konnte es gelingen, der Aufgabe in dem Grade Herr zu werden, als er es in der That gewesen. — Er mußte aber auck seine volle Persönlichkeit, sein ganzes Selbst bingeben und gab es treu und eifrig hin; er durste nunmehr nicht sich selber^äugehören, und erfuhr erst dann wie aufreibend seine Thätigkeit gewesen, aufreibend durch ihre Fülle wie durch ihre heterogene Beschaffenheit, als die Zeichen res Alters vorzeittg eintraten und die unterwüblten strafte, den auch von Außen kommenden Stürmen nickt mebr zu trotzen vermochten. Es würde den Leser wenig interessiren, wollten wir von den Gesckäften reden, die zur eigentlichen Berussthätigkeit des Rabbiners von jeder gehörten und nur durch Menge und Dimension, in welcher sie in Pest vopkommelf, sick auszeichneten: von den zahllosen Prozesien, die zu einer Zeit, da die rabbiniscke Autonomie hierlands legal und factisck noch bestand, tbeils die praktische stlugheit und Menschenkenntnis des Friedensrichters ver- ' langten, theils das Wissen und den Scharfsinn des Legistcn in Anspruch nahmen; von den Hunderten Familien- und häuslichen Angelegenheiten, die : sein eindringliches und versöhnendes Wort vermittelte und von den Ehestrei-; tigkeilen, die nur im Scheitungsacte ihre traurige Lösung fanden; von den; niannigfacken Nuancen, die -bezüglich deS Letzteren zum Vorschein kamen, 1 von den Sublilitäten über Namen- und Ortsschreibung angefangen bis zu; den kühneren und coniplicirteren Fragen über ״Zumittlung durch Post",! Irrsinns- und polygamische Fälle; endlich von den tausend und tausend! Anfragen, Beschwerden und Belästigungen aller Art, die nur Zeit rauben j und strafte abnützen. — Wir heben nur einiges heraus, was von allge-- : meinerer Bedeutsamkeit, und in dem Leben der Pester Gemeinde oder in dem : Schwab's gleichsam ein bezeichnendes Moment abgibt. — Es gibt wohl kaum eine nenneuswertbe ersprießliche Institution in dieser Gemeinde, wobei Schwab nickt anregend oder fördernd gewirkt, mn deren Entsleben oder Erhaltung er nickt wesentliche Verdienste sich erworben ' Iv'ttt. Zwar war S. kein Mann der Initiative, in dem Sinne, um täg- > lich mit einem anderen halbreifen Projecte aus den lauten Markt hinauszutreten, und, unbekümmert um Zweckmäßigkeit und d'cbcnssäkigkeit und wei- ' cKb> ')ix. 1 — r»? 10, 11, 1 >. n u. 1.־>. tere Ausführung, sich das Verdienst der That leichten Kaufes zu vindiciren: | er sah ferner wohl ein, wie untbunlich, bei der in seiner Geineiude bis vor stürzen! stets herrschend gewesenen straffen Centralisation durch den Gemeindcvorstand. jedes Streben ohne Einvernehmen mit Letzterem sei; er kannte endlich zu wohl den Einfluß kleinlicher Schwächen und der Eitelkeit auf die Gesinnungs- und Handlungsweise mancher Menschen, um nicht öfter : — nur die Sache und-g««. sein Ich im Auge haltend — die Ehre den Vorschlags willig Andere» zu überlassen. — Aber still und prunklos den Samen in die Gemüther zu westen, ihn dort zur Blüthe zu bringen! und zur Frucht zu reifen,-und allem Gutem und Nützlichen fördernden; Beistand zu leisten durch klugeu Rath und unverdrossene That, durch feierj licke Rete oder durch gemüthlichen Zuspruch, das betrachtete Schwab stets! für seine heilige Aufgabe, die er nie außer Acht ließ. — Gleichzeitig mit dem Beginnen, seiner übrigen Amtsthätigkeit trat er : an die Spitze der bereits bestehenden vom Gemeindevorstande eingesetzten > Schul-Commission; welche unermüdliche Thätigkeit er in dieser Eigenschaft entfaltet, ist sowohl den Mitgliedern dieser Körperschaft als den an der Sckule im Lause dieser 21 Jahre wirkenden Lehrern gewiß in lebhafter l Erinnerung. — Im Jahre 1834 unter Ullmann'scher Verwaltung reorgani-! sist, mußte die Sckule auch das Odium tragen, welches in den Augen eine!׳ i beträchtlichen Parthei an allen Schöpfungen jenes Vorstandes haftete, und ward die Schule gleichsam als Zwillingsgeschwister des EhostempelS angesehen. — Anderseits litt sic in der That, trotz des Vereines tüchtiger daselbst beschäftigten Kräfte, sckon der Anlage nach an wesentlichen Mängeln. Schwab mühete sich nach straften letztere zu beseitigen, ohne durch brüsken Tadel die Gegner der Schule zu ermuthigen. Er drang auf möglichste Er- Weiterung des hebräjschen Unterrichtes, auf Entfernung manchen äußerlichen Flitterwerkes; die Ueberzeugung, die sich den Lehrkräften bald aufdrängte, welchen wahren väterlichen Freund sie an Schwab in allen Verhältnissen und gegen alle Anfeindungen unk Anfechtungen haben, machte sie auck geneigt seinen Rathschlägen und Bemerkungen williges Ohr zu leihen und darin nichts weniger als bloße Tadelsuckt oder hierarchisches Gelüst zu erblicken. — Auf sein Betreiben ward 1840 die stleinkinder-Bewahranstalt errichtet, für welche er sogar seinen ausgesprochenen Widerwillen gegen alle Journal-Polemik so weit überwand, um einen Angriff auf das neue Institut, in Fürst's ״Orient" zurückzuweiseu; -4־ und aus seiner Feder ginge» die Masse schriftlicher Arbeiten hervor, welche das Ansuchen um die kön. Sanclion der Schule, worüber die Verhandlungen nahezu 4 Jahre (1839—1843) im Zuge waren, erforderlich machte. — So hegte und pflegte er mit warniem Herzen die Sckule während all' der mannigfachen Phasen, die sie durckmacken mußte, in der Zeit freudiger Blüthe unk in den Tagen sckwerer stämpfc; wehste ihre Auflösung ab, als der drohende Zerfall der Ge meinre eine Redustion nöthig machte, und arbeftete an der Wiederherstellung als die verändesten Umstände es wieder ermöglichten. So bcwäbste er sich auck stets als treuer Freund und Ratbgeber der Lehrer, anregend durch