Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Journal
- Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Volume
- 1 (1860)
- Issue
- 15 (9.11.1860)
- Date
- 1860-11-09
- Page
- Seite 114 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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—-114 n י«־— DränumerÄionR-HnlMimg. Mit rem laufenden Mcnate beginnt das;weite Quartal unserer während ihres kurzen Bestehenallgemein beifällig aufgenommenen Zeitschrift. Wir erlauben uns daber vor Allem unsere geehrten vierteljähriges Abonnenten aufmerksam zu machen, daß sie ihr ferneres Abonnement so früh als möglich bewerkstelligen mochten, damit rie Zusendung des Blattes ohne Störung erfolgen könne. Sür Neueintretende sind noch vollständige Exemplare vom 3. August d. I. bis zur Zeit ihres Eintritts vorräthig und können auf Verlangen nackgeseuret werden. — Ein Abonnement vom 3. August bis Ende Tccembcr d. Z. beträgt 3 fl. 34 kr. österr. Währ. HW" Besonders bitten wir gefälligst zu beachten, daß unser den ganzjährigen Abonnenten zugesagtes Prämieilbild, darstellend: ,,M TOjäijnqr ^rbnrtstngsfrirr?r. (Lhrwürdm des Dkrm ^l1rr-l.xllkkmer5 Knlllmon t. NllpMMrt" lvärestens im Jauner 1801 rur Versendung an ras 1'. '1'. Publikum gelangen wird. Halbjähriges Abonnement fl. 4 — ganzjähriges fl. 8 österr. Währ. Bei der großen Verbreilung, die unsere Zeitschrift feit dem kurzen Bestehen im In- und Auslände bereits gewonnen, eignet sich dieselbe vorzüglich für Znseratk aller Art, und werden dieselben auf's Billigste berechnet. — .״ . . _ Pest, ,m November lE $tx yerausgeber der ״Mg. Mllkrir1en Mdenzeitung." Löw Schwad. L,«graphische Skizze von D. -8. ■׳ Forn'ktzunq. ') An! Sabbat ״Besckalach" — 30. Jänner 1830, sprach Sckwab zum ersten Male vor der versammelten Gemeinte in der Pester alten Svnagoge: am darauf folgenden Tabbat dielt er rie erste Predigt im neuen Gotteshause, häufig ״Chorsckule" oder ״Cultustempel" genannt; und batte so mit ״Drascka und Predig!" in ״Synagoge" und ״Tempel" als Rabbiner und Prediger" fiingirt. — t Wir haben die Worte berausgehobcn, weil in ihnen daS Cbarakteristische von Sckwab's Aufgabe in Pest zusammengefaßt ist; weil dieselben vor 25 Jahren fast allenthalben, zum Theile auck noch heute, schroffe, unversöhnlich scheinende Gegensätze bezeickneten und bezeichnen, und darin sich zwei Parteien mit ihren verschiedenartigen Anschauungen und Bestrebungen abprägten und aussprachen. — Viele unserer Leser nennen diese Unterscheidüngen bloße Aeußerlickkeiten und können fick eines Lächelns nicht erwehren, wie Israels Gemeinden sich darüber in zwei Lager theilen konnten. — Injeferne dieses Lackeln nickt vom religiösen Indifferentismus erzeugt ist, sondern von der klareren Einsicht, daß jenen Scklagwotten nickt ncthwendig ein principieller Gegensatz zu Grunde liegen muß, daß sie im Grunde mehr eine ästhetische als eine dogmatische oder überhaupt religiöse Differenz ausdrücken, muß die Verwunderung als eine erfteuliche Erscheinung angesehen werden. — Daß aber riese bessere Einsicht zur Geltung gekommen, verdanken wir großentheilS jenen Männern, rie, wiewohl oder weil auS der alten Schule hervorgegängen, an sich den vermeintlichen Widerspruch zur befriedigenden Lösung gebracht, die als gründliche Kenner der rabbinischen Wissenschaft daS bereiterwähnte herrschende Borurtheil, als sei ״Predigt" unjüdisck und der Prediger gar-ckein jüdischer Theologe, zu nichte machten, die durch daS unbestrittene HeimathSrecht, welches sie selber auf dem Gebiete des rabbinischen IudentbumS besaßen, der Kanzel und der Predigt und der damit zusammenhängenden Cultüsgestaltung, wenn nickt allenthalben die innere Zustimmung, so doch die Gleickberecksigung erzwangen. — In Ungarn war während deabgelaufenen Vierteljahrhunderts Sckwab der erste und hervorragendste unter diesen Männern; und hierin allein, in dem mittelbaren moralischen Einfluß seines Erscheinens, ganz abgesehen von seiner bewußten absichtlichen Thätigkeit und Wirksamkeit im Einzelnen, liegt schon die große Tragweite und Bedeutung seiner Aufgabe unk Bestimmung, rie er daselbst erfüllt, ausgesprochen. — Ter Erscheinung galt der erwartungsvolle fteudige Grußesrus bei seinem Empfange am 28. Jänner 1830, und ihr galten die Thränen und Weheklagen der weit überwiegenden Mehrzahl der Pester ISraet'ten, als er am 3. April 1857 den leeren Seufzer ausgebauckt harre. ES wäre ein vergebliches Bemühen, wollten wir den Eindruck beschreiben, welchen Sckwab aus rie Tausende der Hörer seiner ersten Tra- ' ■je״1 - 1 ״. I I. 12 u. 11! I i I scka!nackte. Das war für die aus den Besuchern beider Gotteshäuser bestehende Versammlung etwas nie Gehörtes und nie Geahntes, — diese Fülle eben so treffender wie tiefer Gedanken, diese blitzartig zündenden, eben so scharfsinnigen wie anmutbigen exegetischen Bemerkungen unk Midrascherklärungen, die aber alle sich zum schön geordneten Ganzen abrundeten und nur Bausteine und Ornamente zu dem Hauptgedanken bildeten, welcher, an IV. B. Mos. cap. 27, v. 10 ff. und an Ieremiah c. 3, v. 15 anknüpfend, das Bild des ״Hirten nack dem Herzen Gottes" tarstellte, und in erschöpfender Weise ras Gebiet in welchem, die Gesinnung mit welcher und die Mittel durch welche der von der Gemeinde berufene Lehrer seine Thätigkeit enffalten soll, erörterte. — Staunen und Entzücken malte» sich auf den Gesichtern aller Hörer; und nickt als banales Compliment, sondern mit vollstem Reckte konnte die in solchen Fällen bis zum Ueberdruß gehörte Phrase auf Schwab angewendet werden, daß er die Herzen aller Gemeindeglieder sich erworben und Personen, die seit langer Zeit, nicht etwa diesem oder jenem Cultus, sondern allem Gottesdienste enffremdet waren, an fick gefesselt hatte. — Gleichen Eindruck machte der zweite, eine Fortsetzung des ersten bildendc Antrittsvortrag, die an Spr. Salom. c. 22, v. 17 — 22 lehnende Predigt ״lieber die Bedingungen, unter welchen die Predigt des göttlichen Wottrs die rechte Wirkung üben könne;" — trotz der sichtlichen Befangenheit, die seinen äußeren Borttag noch eine geraume Zeit nachher kennzeichnete, damals aber durch das Bewußtsein, mit welcher Spannung man dieser ersten von einem Rabbiner in der Chorschule gehaltenen Predigt lausche, noch erhöht wurde. — Trotzdem aber wirkte die Mackt der Gedanken und die Kraft des Ausdruckes in überwältigender Weise; und als er in dem Schlußgrbete den Gnadenbeistand Dessen anrief, der zu ihm gesprochen׳ ״Ziehe hinweg aus deinem Lande, von deinem Gebuttsotte und von deine« Vaters Hause in daS Land das ich dir zeige;" und als er um Gewährung seines höchsten Wunsches flehte, sich nämlich — wenn zum letzten Male der Ruf erginge: ״Ziehe hinweg von dieser Erde, von deinem irdischen Gebuttsotte in das Land der Verheißung das ich dir zeige," — mit freudigem Rückblick« sagen zu können: ״Ick habe nickt vergebens gelebt, nicht um Eitles mich bemüht:" — da war kein Auge trocken in der dicktgedrängten Menge, die an jenem Sabbat den Tempel füllte, worunter Personen sich fanden, die dessen Sckwelle noch nie vorher betreten hatten. — Den inneren Werth dieser Predigt anlangend, glauben wir, daß Sckwab im Lgufe der späteren Jahre weit bessere und gelungenere gehalten: Meisterschaft in Anlage und Form bewähtte aber auch diese und einer der bekanntesten nnd geseiettesten jüdischen Kanzelredner, dem dieselbe durch Freundesband in Abschrift zugekommen war, schrieb hierübtt an Sckwab: ״Auf׳ ״fallend genug ist eS, daß es eben der Rabbiner ist, der im Punkte der ״regelrechten Form alle bisherigen'jütischen Prediger bei Weitem überttifft. ״Ick babe Ikre Vittuosität in diesem Punkte bereits an Ihrer Leichenrede ״auf den sel. Kaiser bewundert und hervorgehoben." — Wie durch fein öffentliches Auftreten in den beireu Gotteshäusern, gewann er auch durch seine persönliche Erscheinung, durch würdevolle und zugleich liebenswürdige Haltung so wie durck den Reiz seines Gespräches und Um׳