Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Journal
- Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Volume
- 1 (1860)
- Issue
- 14 (2.11.1860)
- Date
- 1860-11-02
- Page
- Seite 111 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/4884143-5427047-5427085--145-4884275- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
111 Indem wir Ihnen für die vielen der Schule sowohl als auch der Gesamtgemeinde seit einer Reihe von Jahren geleisteten, ersprießlichen Dienste unseren verbindlichsten, tiefgefühlten Dank aussprechen, erflehen wir vom Bater im Himmel den reichlichsten Segen für Sie und Ihre werthe Familie, und nennen unS mit der Versicherung der ausgezeichnetesten Hochachtung Ihre ergebensten Diener, Rechnitz re. re. Die Mitglieder der iSrael. CultuS-Vorfiehung. Waitztst, 28. October. In der Voraussetzung, daß Ihnen Berichte über den Stand der iSrael. Gemeinden nicht unwillkommen wären, erlaube ich mir diese kleine Notiz Ihrer ״Jllustrirten Iudenzeitung" zuzusenden. Unter Vorsitz des löbl. k. k. Stuhlrichter-ActuarS Herrn Polläk wurde am 10. d. M. eine Gemeinde-Vorsteherwahl abgehalten, und die Herren Gabriel Braun als Vorsteher; Joseph Reiser, Salomon HeiSman, Jacob Brüll als Beisitzer gewählt, — welche Wahl auch bereits hohen OrtS bestäsiget wurde. — Ich glaube diese Wahl eine glückliche nennen zu können, und man erwartet im Allgemeinen, daß genannte Herren die so vernachläßigten Gemeindeangelegenheiten ordnen, vorzüglich aber den so nöthigen Tempelbau mit Energie zur Ausführung bringen werden. — Als eine der ersten Anordnungen deS geehrten Vorstandes wird die Aufhebung des hier bestandenen (und bereits öffentlich getadelten) Brauches, daß man nur in gewiffe Tracht gekleidete Personen zur Thora rufen durfte, genannt, und wird hiedurch den gerechten Anforderungen der Jugend Rechnung getragen. — Die hiesige iSrael. Haupffchule wird auch von Kindern reformirten GlaubenS besucht, unter welchen auch zwei Knaben deS hiesigen reformirten Geistlichen, welcher genannte ehrwürdige Geistliche, einer der eifrigsten Beförderer der Schulbibliotheken, auch unsere Schulbibliothek öfter mit Spenden bedenkt. statjay Litszlü. Fürth, im October. Anknüpfend an meinen in Nr. 9. dieses Jour- »als erschienenen Bericht fahre ich in meinem Referat fort, welches deS Intereffanten Manches bieten dürste. Jni verwichenen September wurden in hiesiger Stadt, wie in sämmtlicheu Genieinden Bayerns, in Gemäßheit unserer konstitutionellen Einrichtungen, die Ersatzwahlen bei der Magistratur und dem Gemeinde-Collegium unter Leitung eines k. k. RegierungSkomniiffärS vorgenommen, waS eine Zeit von über 14 Tagen gewöhnlich erfordert. Zwei Parteien, eine die konservative und eine niehr daS demokratische Prinzip vertretende, stunden einander gegenüber und hatten demgemäß ihre Maßregeln getroffen, grüne und gelbe Zettel mit den Nanien der vorgeschlagencn Wahlniänner versehen vertheilt n. s. w. Obgleich nun Namen von Israeliten zum Scheine auf denselben figurnten, manipulirte man gleichwohl, Israeliten von der städtischen Verwaltung anSzusckließen, und nur der schon seit vielen Jahren im erwähnten Collegium sungirende, theoretisch und praknsch gebildete, Herr Salomo» Berolzheimer, seines Standes Kaufmann und darum auch beim Han» delsratbe als Mitglied beschäftigt, wurde wiedergewählt und sogar, seiner Vertrautheit mit ämtlichen Geschäften, seines Hellen Verstandes nnd seiner klaren Uttheilskraft halber von diesem Gremium zum Sekretär ernannt. Betheiligt an dieser Agitation waren vornämlich ein Conditor, desien glänzender Nahrungsstand in seiner jüdischen Kundschaft begründet war und ei» christlicher Buchdrucker und Redakteur des hiesigen TagblatteS. Kaum wnrde indeß deS Ersteni jutenfeindliches Treiben ruchbar, als sogleich von einer nahmhafte» Zahl jüdischer Familien der Entschluß gefaßt wurde, ihm fernerhin ihre Kundschaft zu entziehen. Alle von demselben vorgebrachten Entschuldigungen, persönliche Temüthigung und selbst eine im hiesigen Tagblatte veröffentliche Annonce — worin Dem 25 fl. Belohnung zugesichert werten, der den Urheber des dessallsigen Gerüchtes angäbe — halfen nichts, die Thatsache abzuläugnen nnd die Ueberzeugnng von deren Wahrheit zu alteriren. ״In der Noth rief er" — nickt die Gottheit sondern den Rabbinen an, und Dr. Löwy erbarmte sich sein und beschwor in einer verwichenen Feiertag gehaltenen Predigt mit beredten Worten sein Auditorium, ja an dem christlichen Bruder keine Rache zu üben, vielmehr BöseS niit Gutem zu vergelten. Eine Beweisführung von fanatischem Verfahren der Protestanten gegen Katholiken in Augsburg und umgekehrt in RegenSburg und dessen Folgen sollte dem Vortrage beffern Eingang in die Herzen verschaffen. Doch der Erfolg war ein entgegengesetzter und erregte Indignation gegen den ״menschenfteundlichen" Prediger. ״Nicht dem Christen — es sind viele Conditoren dieser Konfession hier — sondern dem Conditor L. kündig-; tot wir, weil er sich uns feindlich gegenüberstellte und sein Interesse thö-! richterweise selbst gefährdete, die Kundschaft; wa» hat demuach der Rabbine | eine Privatangelegenheit auf die Kanzel zu bringen und erst «ine kirchlich«, | Demonstration daraus zu machen?" — ״Da-, sagten wieder Andere, sei nicht Toleranz, sondern Kriecherei und Schönthuerei." Um aber auch den beregten Redakteur und Verleger deS TagblatteS seine begangene UebrreUung fühlen zu lassen, wurde der israelitische Buchdrucke! Herr Sommer dahier, auS dessen Offizin zahlreiche und prachtvolle hebräische Werke schon hervorgingen, jüdischerseitS angegangen, von der ihm schon vor Jahren ertheilten Konzession zur Herausgabe eineöffentlichen poliüschen Blatte- Gebrauch zu machen, und ein ״Abendblatt" erscheinen zu lasten. Da nun ein sehr gut qualifizirter Redakteur, tüchtige Mitarbeiter und eine sehr bedeutende Abonnentenzahl in kürzester Zeit gewonnen worden so wird daS ״Abendblatt" schon mit dem 1. k. MtS. erscheinen. Nach dem sofort auSgegebenen Programme stehet demselben, wenn eS anders, wie zu erwarten, mit Inseraten und Anoncen bedacht wird, eine schöne Zukunft, dem ״Tagblatt" hingegen Nachtheil bevor. , In unserer mittelftänkischen Kreishauptstadt AnSbach wurde der sehr beliebte, als scharfsinniger Jurist und beredter Bertheidiger. bei öffentlichen Schwurgerichtsverhandlungen rühmlich bekannte jüd. k. Advokat Or. Berlin mit Einstimmigkeit znm Vorstand deS Collegiums der Gemeindebevollmächtigten gewählt. Wir können diesen Bericht nicht schließen, ohne de« gesunkenen Ansehen» deS hiesigen iSrael. Seelsorger- oder geistlichen Amtes, wie mau dermalen die RabbinatSfunktionen zu nennen beliebt, Erwähnung zu thun. Der hiesige Rabbiner nämlich ging, wie MoseS zu Datan und Abiram, zu einigen religiös Indifferenten, die sich nicht entblödeten, ihre Verkaufsläden an den ersten Feiertagen offen zu halten, und ersuchte sie, angeblich weil er in einem anonymen Schreiben hiezu aufgefordert worden, am letzten Feste ihre Geschäftslokale zu schließen, um kein Aergerniß zu geben. Einige kamen auS ״Gefälligkeit"(?) gegen ihren ״geistlichen Vorgesetzten" diesem Ansinnen nach, einige aber blieben renitent, um den gerade zur Kirchweih-Meffe zu erhofsenden Profil nicht zu verlieren. Möchte der nur in einer geringen Zahl hiesiger Israeliten sich regende religiöse Geist den Gesammt-Gemeinde-Körper bald wieder beleben. Sch. Signale ans Böhmen von Rabbiner Lhrentheil!» Horic. II. Mit der frohen Aussicht auf baldige Verbefferung unserer zum großen Theil nicht eben blühenden israelitische» Schnlzustände auf dem Lande habe ick meinen ersten Bericht geschloffen und eS ist erfreulich für mich Ihnen heute schon berichten zu können, daß wir hier in Horic eben mit der Reorganisirung deS UnterrichtSwesenS beschäftiget sind und dabei die erfreuliche Wahrnehmung machen, daß der jüdische Familienvater kein Opfer scheut, wo eS gilt den Unterricht seiner Kinder zu verbeffern und deren Ausbildung zu fördern. — Daß dem Unterrichte in liebraicis vollkommen Rechnung getragen werden soll, dahin, glaube ich, gehl nicht bloS mein Streben, sondern — mit wahrer Befriedigung verzeichne ich es — jeder einzelne Faun lienvater hegt den Wunsch, sein Kind in die Schatzkammer jüdischer Lehre eingeführt und bibelfest zu sehen, und sind di: hie und da leider auftauchenden Gecken, die einen Stolz darein setzen, die größtmöglichen Idioten In hebräischem Fache zu sein, Gottlob hierzulande sehr seltene Erscheinungen. — Viel versprechen wir uns in dieser Beziehung von der Pester israelitischen Lehrerbildungsanstalt; — wir hoffen, daß dort ein wahrhaft jüdischer Geist die Tirection und die Zöglinge beseelet und daß unSvon dorther Lehrer kommen werden, die das jüdische Wiffen nicht etwa al« unnützen Ballast niitnehmen und dann im Amte wieder fallen lassen, sondern als conditio sine qua non in sich aufnehmen und im Amte zum Wohle der ihnen anzuvertrauenden Jugend anwenden werden. Sehr befriedigt hat mich in dieser Beziehung daS sogenannte Bethhamidrasch, die Gemeindeschule in Kollin, die zu besuchen ich vor ungcsähr 3 — 4 Jahren daS Vergnügen hatte. — Ein rationeller, auf naturgemäße Pädagogik begründeter Unterricht in allen Fächern, vorzüglich aber ein höchst zweckmäßiger, allen gerechten Anforderungen entsprechender Bibelunterricht, ein Bcrtrautsein der höheren Claffen mit Propheten und Psalmen,