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Allgemeine illustrirte Judenzeitung · 1860-10-26 · 13 (26.10.1860) · p. Seite 104

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Journal
Allgemeine illustrirte Judenzeitung
Volume
1 (1860)
Issue
13 (26.10.1860)
Date
1860-10-26
Page
Seite 104 (sequence 8)
Language
German
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stürzte und ehe Cie Juten sick's versahen waren sie umringt und ein gefürchirrer Trusenhäuptling Mahvmee ben Islam, gebot ten Männern zu fliehen, tie Tochter als Psant in seinen Händen;u lassen, widrigenfalls sie sterben müßten, sie sollten ferner schwören, gegen Niemanden als Kläger beim Pascha aufzutreten. Vergebens betheuertcn die Juden, daß sie in einer ganz andern Absicht ten Pascka zu sprechen suchten. Die Szene endete mit einem Blutbade, die beiten Männer wurden ermordet und daS Mädchen gefangen sortgeschleppt. Tie Nachricht von der Ermordung der Aelteften verbreitete Angst und Schrecken in Damaskus, La man nämlich die Leichen aussand, dielt man dafür, die beiten Abgesandten seien von den Leuten Fuad Paschas ermcrtet Worten. Es war gegen Abend in den letzten Tagen des Monats September, als Fuad Damaskus erreichte. Tie Juden feierten den Meujahrstag und waren in ihrer Synagoge versammelt. Niemand getraute sich das Gottes- Haus zu verlassen, aus Furcht niedergemetzelt zu werten, denn bereits hörte man von den Straßen her den schweren Tritt der Soldaten. Endlich mußte man sich doch entschließen, nach Hause zu gehen; auf diesem Gange wurden mehrere Hunden ter angesehensten Männer gefaßt utA in die Kerker geschleppt. Der Oberrabbi hatte mit Fuad um Mitternacht eine llntenedung, Fuad ließ ten gefangenen Greis vor sich, hört« ihn ruhig uud gelassen an, und bewilligte, daß ein Berzeickniß der berhastNcn Personen allsogleich entworfen mit die minder KompromittiNen auf freien Kuß gelassen werden, unter der Bürgschaft des Rabbi, daß kiese also begnadigten Männer nach dem Neulahrestage sich beim Muschir persönlich melden und ihre Haft antreten sol- «en. Bis dahin sollte der Rabbi als Geißel gefangen gehalten werden. Der Rabbi willigte ein, er wurde in's Gefängniß gebracht und am selben Abende wurden zweihuntert Verhaftete ihren Familien wietergegeben. Fuad Pascha zeigte sich großmüthig, er entließ mit Tagesanbruch auch den Rabbi, damit er rem Gottesdienst« vorstehen könne. Nach dem Neujahrsfeste meleeten sich sänimtliche Freigelassene mit Ausnahme zweier, welche entflohen waren, diese wurden jedoch einige Stunten später ausgegriffen und in einer Kaserne erschossen. Das Jutenviertel ward von den Soldaten umzingelt uud eine genaue Untersuchung in den Häusern angestellt. Mehr als 80 schwer beladene Wagen, meistentheil« Kostbar leiten und werthvolle Gegenstände enthaltend, waren die Beute, welche tie Scltaten tes Sultans in dem Jutenviertel machten, zudem wurde eine große Kontribution ausgeschrieben, welche um so sicherer vor Sonnmunter» gang zu entrichten war, als sonst taS Ooartier mit Anbruch ter Nacht der Plünderung der Soldaten Preis gegeben werde sollte. Diese enffetzliche Lage verhinderte jedoch nicht, daß die reichern Glaubensbrüder sich der Aermeren annahmen und Brod und Wein unter dieselben vertheilen ließen, da der Hunger bereits einige Opfer gefordert hatte. Auch in dieser Lage bewies sich Abt-el-Kater als edler Menschenfreund, er nahm sich der Unglücklichen an, und ließ Kleider an die Nackten, Mundvorräthe an die Darbenden vertheilen. Auch Kuad'S strenger Sinn erweichte sich vor solchem Elende, er verlangen« die Frist zur Abzahlung ter Kontribution und ließ 20 Personen jütischen Glaubens ftei. Wer je das belebte Judenquartier von Damaskus gesehen, würde es in diesem Augenblicke nicht wieder erkennen, die Gaffen sink menschenleer, und was der Fanatismus der Trusen verschont hat, das bat tie Gerechtigkeit der Türken zerstört. «Fom'chr.) ־ - -- ■דvermischte Nachrichten nab Roche». O Konstantinopel. (lie Outen in Damaskus.) Tie Frage über tie Schuld der Juten in Damaskus währent der Greuelthaten, ist eine der heikelsten. Der ״Levant Heralt" unk Las ״Journal te Constantiuople" witerrusen, was sie früher gesagt, unt scheinen sogar zu widerrufen, taß Fuad Pascka den Juten 4 Millionen Strafgelder auserlegt. Jetzt besagen dieselben Blätter, taß von ter in Damaskus eingezogenen ״kleinen" Zahl der Juden ter größte Theil als unschuldig entlassen worden und tie übrigen neck nicht zum Verhör gekommen, taß währent der Greueltharen und unmittelbar darauf in tie Häuser ter Juten Geraubtes hineingeworfen worden und der Rabbiner nach Ankunft Kuad'S sogar Gelder demselben gebracht habe. Es scheint fast, als wenn tie ganze Sckuldftage der Juten sich nur darauf beschränken kann, ob sie geplündertes Christen-Eigenthum wissentlich oder mit Willen bei sich ausgenommen oder wider ihren Willen, wie behauptet wird, solches in ihre Häuser geworfen worden; ob ferner Andere, tie schuldig waren, gern auf diese Weise die Rache und Strafe auf die allerseits mishandelten armen Hebräer testen wollen. DaS Eine ist so gut möglich, wie das Andere. o Münster. Mehrfache mit Beziehung auf die in Lei Ausführung begriffenen Wahlen zum Provinzial-Landtage erhobene Beschwerden, welche die Ausschließung der Juden von den Listen der Wählbaren im.Stande der Städte betreffen, haben den Oberpräsidenten der Provinz Westphalen veranlaßt, neuerdings die königlichen Laudrathsämter in einer Circular-Berfügung auf den allerhöchsten Erlaß vom ^3. Mai d. I., die rechtliche Stellung der Juden in den preußischen Staaten betreffend, hinzuweisen, wodurch anerkannt worden ist, daß nach Lage der Gesetzgebung den Juden die Ausübung ständischer Rechte auf Kreisizpd Provinzial-Landtagen nicht versagt werde« könne, insbesondere dieselben daher bei den jetzt vorzunehmenden Neu- und Ergänzungswahlcn nicht auszuschließen seien. O Herr A. Lederer, bisher provisorischer Director derk. k. israel. Musterhaupffchule zu Pest, ist nun definitiv zu dieser Stelle ernannt worden. 8. Wie wir vernehmen, wird Herr Or. A. Schmiedl, gegenwärtig in Proßnitz, als Rabbiner nach TemeSvrir berufen. — * Rr. Ritßer ist in Hamburg zum Obergerichtsrath ernannt worden; das erste Beispiel in Deuffchland, das ein Jude zu einem höheren Richter- Posten berufen wird. — (Pest dloyt. Wocht»-Lale«der. «freitag 26. Oct. — 10. Marcheschwan Sonnabend 27. שגי* פ‘ לד לך ״ .11= ״ Hast: Jes. c. -IQ, v. 27 - c. 41, v. 11;. Nkontag 29. ״ .13 ״ Fast. IL Donnerstag 1. Nov.= 16. ״ ״ V. Lraoo»ge« im irraelitischk« Lottos-Tcmpcl z« Pest. 21. October: F. Joscfine Spitzer — H. Sigmund Janowitz. F. Josefine Lichtenstein — H. Leopold Fischer. F. Catharina Wisinger — H. Moritz Gottlieb. 23. ״ F. Antonie Kohn — H. Ignatz Schönberger. 24. ״ F. Johanna Diener — H. Josef Guttmann. Eigcvthümcr, vcrLmtwortlübcr Redactrur und Herausgeber: J—ef K&mtann. INSERATE. Bei C. U. Friysche in Leipzig ist erschienen und durch alle Buchhandlungen zu beziehen: Hebräische Gesänge, metrisch nachgebildet von Dr. Moritz Bappaport. Elegant broschirt. fft Nengroschen. Echte Perlen orientalischer Poesie sind hier in sorgfältiger Auswahl und getiegener, fast worttreuer metrischer Nachbildung gesammelt. Diese Sammlung meist uralter Dichtungen dürfte daher nicht blos fiir das jüdische Publikum, sondern für alle Freunde wahrhaft klassischer Poesie überhaupt von besonderem Interesse sein. In der Berlagshandlung von Robert LüMpel in Pest am Statthausplatz ist erschienen, und in allen soliden Buchhandlungen zu haben: ״L f) a r a ft t e r --.3} i f ö e r“ aas der jüdische« Geschichte. Bon der Erbauung des zweiten Tempels bis auf die neueste Zeit. Herausgcgeben von Ignatz Friedmann. Erste« Heft, nachstehende Persönlichkeiten enthaltend: Esra und Nehemia, Juda Makkabi, Simon Thassi, Simon bei! Schetach, HerodeS und Mariamne, Bar-Kochba, Juda Hanassi. Ter Preis des ersten Heftes ist Nkr-, im ftämieubanb 1 fl. ö. W. Pen 18#*. Truck von Earl Werfer, ober« Tonauzeile, Nako'sche« Haus Nr. 10.

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