Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Journal
- Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Volume
- 1 (1860)
- Issue
- 13 (26.10.1860)
- Date
- 1860-10-26
- Page
- Seite 98 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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—»» 98 e*— prän«mfrati«ns־(^inladung. Mit Schluß dieses Monats geht ein Vierteljahr seit dem Bestehen unserer allgemein beifällig aufgenommenen Zeitschrift zu Ende. Wir erlauben uns daher vor Allem unsere geehrten vierteljährige» AboNlltNttN aufmerksam zu macken, daß sie ihr ferneres Abonnement so früh als möglich bewerkstelligen möckten, damit die Zusendung des Blattes ohne Störung erfolgen könne. Für dieueintteteude sind nock vollständige Eremplare vom 3. August d. I. bis zur Zeft ihres Eintritts vorräthig und können auf Verlangen nachgesenret werden. — Ein Abonnement vom 3. August bis Ende Terember d. I. beträgt 3 fl. 34 kr. österr. Währ. DE" Besonders bitten wir gefälligst zu beackten, daß unser den ganzjährigen Abouueuteu zugesagtes Prfimieilblld, darstellend: ״IPir TOjäljrigt (£rbnrt5tag5frirr Kr. letsmürdrn des Demi (l>drr-Laddmers KlllllMlln £ RllDllflllrt" spätestens im Jänner 1861 zur Versendung an das 1\ D. Publikum gelangen wird. Halbjähriges Abounemeut fi. 4 — ganzjähriges fl. 8 österr. Währ. Bei der großen Verbreitung, die unsere Aeitsckrift seit dem kurzen Bestehen im In- und Auslande bereits gewonnen, eignet sich dieselbe vor׳ züglick für Inserate aller Art, und werden dieselben auf's Billigste berechnet. »—״״.״..u~ ״ר a ר v .. ״ *,*, i1״ ö(r yer-usgcder d-r ״All,. All»«״rk> >»1,<״, Arber die Hebung der Var-Mizwafeier von »r. A. Schmikdl, Rabbiner in Proßnitz. י־ד ־ג־ •::יאמר -אד זד. ר־עו ד\א כגר דיד דעי־־מיב אד־ דיר. מד;־:*:*. ״Manche« gibt'», davon man sagen möchte: Schau, da« ist wa« Neue«! ״Und doch war e« längst schon so in Zeiten, Tie vor un« gewesen." -obcleth 1, 10. Wenn es -Eines gibt, das geeignet wäre, das Her; des jüdischen Knaben mit ftommen Vorsätzen, mit gottinnigen Gefühlen und mit religiöser Freudigkeit zu erfüllen, ja, alle Poren seines Gemüthes so weihend zu durckdringen, daß die ins Knabenber; aufgencmmene Weche noch in der Greisenbruft fortleb« ') — dann ist es unstreitig die Bar-Mizwaseier. 2ie war es von jeher, die zu den festlicksten und ergreifendsten Momenten des jüdischen Lebens gehörte. Wenn der Knabe sein dreizehntes Lebensjahr zurückgelegt und hiermit seine religiöse Mündigkeit, seine Großjährigkeit im gottesdienstlichen Leben erlangt hatte *), und seine erste עי־“־־. ד-.-ד sein ״Emporsteigen zur Thora" feierte — wo er dann in Mitte der versammelten Gemeinte auf die Bima trat, in kindlicher Ehrfurcht seine kleine Hand auf die heilige Thcrarolle legte und mit lauter Stimme sprach: Gelobt seist Du Ewiger, König der Welt, der Tu ewählt hast Dein Volk Israel und uns ertkeilt Haft Deine Lehre der Wahrheit — worauf der Vater, neben chm stehend, sprach: Gottlob, ick habe diesem Kinde gegenüber das Meinige gethan, als Vater und als Jude meine Verantwortlichteil erfüllt*) — und die Mutter, droben in der Frauenhalle, in ein freudiges Sckluckzen auSbrach, daß nun auch chr Kind in die Gemeinschaft der gottverpstickteten Israeliten ausgenommen sei — und wenn dann der Knabe zu Hause, im festlicken Familienkreise, die Proben seiner erlangten Kenntniffe in einem kleinen Bortrag uiekerlegte, an reffen Schluß er das feierlicke Gelkbniß auSsprack, an dem Glauben seiner Väter festzubalten mit Gut und Blut und Leib und Leben, wobei dann wieder die Augen seiner Eltern in Thränen schwammen, —: ja, das war ein höchst wicktiger Moment, ein großer Aft im Leben des jüdischen Knaben. Eine neue Aera begann für ihn, ein ftisckes Blatt that sich in seinem Lebensbucke auf. Denn von dem Tage an trat die Kindheit mit ihren Tändeleien in den Hintergrund zurück, ein bisher nickt gekannter Ernst erwachte in seinem Herzen, fromme Enffchlüffe und Vorsätze zogen in seine Seele ein. Mit den Tefillin, die er nun jeden Morgen gegenüber dem Herzen, dem Sitze der Gefühle, und auf die Stirne, den Sitz der Gedanken, anknüpfte, knüpften unk drückten sick heilige Gedanken und Gefühle seinem Herzen und Geiste ein. — ) I .»CC « W . | J,, - - - * 7-7 , - ׳ . Brgl. Talm. Nidda p. 45 יי• Mir dem Eimrin in« 14. Lebeu«jahr wird, nach ralmudischer Lehre, der Knabe ein Schn der religiösen Verpflichtung; er hat Selbfterkenntniß erlangt und wird nun selbstverannrorrlich für sein Thun und Lassen. Brgl. Kereichirh rabda Zlbsch. 63: ׳:׳: :לבא; יא־־־ צ־־ך ש־אכל־r א י־ א־־עז־ צרי־ א־: ■ד,:•־ בבג־ ע־ •“נ So wußte sckon in alter Zeit das Judenthum begeisternd einzuwirken auf seine Bekenner, durch weihevolle Afte die Herzen der Seinigen zu heben und zu kräftigen im Glaubensbunde — in einer Zeit, wo die Blasirtbeit oder der religiöse Jndifferentismus noch ungekannte Begriffe im Leben und im Wörterbuche des Judcnthumes waren; in einer Zeit, wo die jüdischen Herzen einem Zunder glicken, den das kleinste Fünkcken, das hineinfiel, in Helle Flammen religiöser Begeisterung zu setzen im Stande war. Wie notk tbur es nun erst jetzt, solche weihevolle Acte, die geeignet sind, mit nackhaltiger Kraft auf das Leben und Denken der jüdischen Familien einzuwirken, festzuhalten! Bon dieser Voraussetzung ausgehend, hat auch der Schreiber dieses der Hebung der Bar-Mizwaseier in seiner Gemeinde ein vorzügliches Augenmerk gewidmet. Diese Hebung und Veredlung aber glaubte ick durch ein dreifaches Moment zu erzielen. a) All das, worauf der Mensch tagelang vorher schon sich vorbereitet und zu deffen festlichem Empfang er schon im Vorhinein weihend sein Gemüth stimmt, das imponirt dann bei seinem Erscheinen den Menscken uni somehr, erscheint ihnen dann größer, ehrfurchtgebietender, glorreicher. Wenn Fürsten ihre Länder bereisen, dann pflegen die Bewohner der Städte, dahin sie kommen wollen, ihre Vorbereitungen zum feierlichen Empfang mehrere Tage vorher zu treffen. Schon diese tagelange Spannung und Erwartung erhöht um vieles den Nimbus deS Kommenden. Daher als das höckste Gnadengesckenk Gottes Israel zu Theil werden, als die Fürstin des Lickts, die Lehre vom Sinai, im Lager Israels einkehren sollte, mußten auck sckon drei Tage früher auf den feierlicken Empfang derselben die Gemütber i» erhöheter Teelenstimmung weihend und heiligend sich vorbereiten. Nun die Bar - Mizwafeier wird schon von altern Scribenten (so in einigen Stellen deS Sohar) zu dem Feste der Gesetzgebung geglichen. Der Knabe soll da im Geiste am Fuße des Sinai stehen, von deffen rauckenden, Gipfel herab die erhabene Stimme vernehmend: Ich bin der Ewige Dein Gott, und da ebenso in heiliger Scheu auSrufen: Alles, was der Ewige gesprochen, will ich befolgen. Was daher vor Allem da noth thut, ist hier eben die Vorbereitung, die wcchende, in höhere Seelenstimmung versetzende Vorbereitung, die aber da nickt Tage, sondern Wochen früher zu beginnen hat. Der Knabe soll, womöglich bei dem Rabbiner der Gemeinde, einen Monat früher einen hkhern Religionsunterricht erhalten. Er soll da mit Len wichtigsten Lehrsätze» des Iutenthumes innigst vertraut werden, daß ihm die innere Vorzüglichkeit, die allseitige Vernünftigkeit der jütischen Lehre klar werde, damit er mit freudigem Selbstbewußffein als Bekenner dieser Lehre sich fühle nnd dem Zweifel unk der Versuchung stets Red' und Antwort zu geben im Stande sei. — ES sollen ferner die großen Erscheinungen unsrer Vergangenheit an den jugendlichen Geist des Knaben vorübergeführt werden, damit er's inne werde, daß Israels Glaubenshelden, Israels GeisteSheroen zu dem Herrkicksten gehören, davon die Gesckichte unS Kunde bringt, und daß die Blätter unsrer Vergangeubeit, wiewohl nock feuckt von unzähligen Blutunk Thränenspuren, dennoch durch Glaubensmutb und Seelengröße wahrhaft verklärt und verberrlickt werden. — Endlich soll der Knabe, je nach dem Maße