Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Journal
- Allgemeine illustrirte Judenzeitung
- Volume
- 1 (1860)
- Issue
- 11 (12.10.1860)
- Date
- 1860-10-12
- Page
- Seite 82 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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—■n 82 r« Föw Schwad. Lt«graphische Skitzze von D. 5. ~ gcrticCung.) *. Mit der Emsenrung eines anderen Berichtes war der Streit erledigt^ die Nenerung bestant unangefochten weiter: in Trebitsck' Gemüth blieb aber ein unverlöschlicker Groll gegen die Proßnitzer Gemeinde und Schwab zurück. Ihn gegen jene oder riesen thatsäcklick zu äußern, fanr sich während der 2 Jahre, die Sckwab neck in Mähren verlebte, keine Gelegenheit mehr, und nur rie annen Canricaten und Hatarah-Werber mußten ihn fühlen, denen gegenüber Trebitsck nun von Tag zu Tage medr mit der Anfcrteru»g rem .,Deutschen" unr rem ״Bück,erlesen" zu entsagen berausrückte. Erst als Sckwab zum Bedauern unr unter Glückwünscken seiner zahlrrickwn Freunde unr Bcrchrer seine Gemeinte unr sein Geburtslant aut im- »,er verließ, ra wähnte Trebitsck rie Zeit gekommen. Proßnitz die ganze Wucht seiner oberhirtlicken Gewalt fühlen zu lassen.-Tock gar kurzsichtig ist der Sterblicke, eitel seine Berecknung unr wunrerbar die Fügung rer!,oberen Mackt! An jenem frostigen Ianuartage res Jahres als Sckwab bei seiner Uebersiedelung turch Nikolsburg reiste unr ein dortiger Iescktwa-Jün oor rer dessen Bekanntsckaft macken wollte, sick nur verftohlen vcm Sckiur!oegsckleicken mußte, um ihn zu sprecken: als Trebitsck in seiner Sckiurstube darüber laut-frohlockte, den Mann, in den! er einen Feinr sah, der aber dock höchstens nur ein unbequemer Gegner gewesen, nun bald ferne von Mähren zu wissen, unr im Stillen sckcn sick weitete an ten Temütbigun׳ gen, die er rer Proßnitzer Genieinte zu bereiten im Begriffe stank; — ta abme Tr. wohl nickt, welches sckwere Herzleir ihm jetzt erst bevorstehe, daß stall vermehrten Glanzes unr Ansehens nur Sckwäckung unt Herabwürri gung teS Lantesrabbinates, stan res Sieges unr rer Machtbesestigung nur Niederlage unr Temüthigung rer AuSgang eines Kampfes sein werde, den er eben durch Nichtanerkennung rer Wahl Fassel's in Proßnitz unr Neuda'S in Losckitz begonnen und woran sein Her; gebrochen. — - Wir sind mit dieser Bemerkung dem Zeitpunkte, wobei wir in rer Dar- ' stellung von Schwab's Leben standen, etwas vorausgeeilt. Da außerdem auch nicht die detaillirte Geschickte des mähr. Landesrabbinals in unserer Absickt liegt, so verweisen wir unsere Leser zum näheren Berstänkniß des Tbi- I gen wieder aus tie sckon früher, Seite 5!>, erwähnte Darstellung in den ״Wiener Blättern" v. I. 1851, unr wollen noch Einiges über Sck'wab's Leden unt Wirken in Proßnitz nachtragen. — Ta ras LänreSrabbinat in der Regel das einzige Lrgan war, bei , welckem die Regierung Ausschluß über jüdisch-religiöse Fragen einholte, so kamen tie Localrabbiner nur selten in die Lage theologiscke Gutachten abzugeben. Dock fehlte es nicht an Fällen, wo Sckwab, unr wahrscheinlick auck neck einige wenige Rabbiner größerer Gemeinten, zu derartigen Meinung«- äußerungen aufgefordert worden. Eines der besten unt interessantesten Gutackten, welches auch mit besonderem Lobe ausgenommen wurde, arbeitete er üoer tie, anläßlich einer in Galizien vorgekommenen Eidesverweigerung gestellte Frage: ob es rem Israeliten gestattet sei in den Bußtagen, zwischen dem Neujahrs- und dem Versöbnungsieste, einen ihm gerichtlich zuerkannten Eit abzulegen? — Trotz der vermehrten Berufsgeschäne lag Schwab in Proßnitz eben so wie in Gewitsch der Lehrthätigkeit an der Ieschiwa ob: unr nock össer als auf seinem früheren Posten hielt er BoNräge in der Svnagoge. Wir glauben, daß er tamals seine Meisterschaft tn der Derascka erreickl bat, rie idm auch sckon einen ')kamen weit über tie Gränzen seiner Heimatb verschasst hatte. Ein Berlangen nach rer sogenannten Prekigr, neuerer Form, gab sick in seiner Gemeinte nock nickt kunr. — Er selber balle bereits vnrck Lektüre — aber nur turck Lektüre — einige Bcrrraulbeil ramit erworben: außer den Reren rer beiten tamals im Bcllzlanz stehenrcn Diosturen am jüriscken Prekigerbimmel, Salomon unr Manbeimer, waren eS einige wenige Protestant, Kanzelredner, vorzüglich Zollikoser, Dräfeke unt Reinbart, die er kannte unr mit Eifer gelesen batte. — Es ist uns nickt unbekannt, welckeS Nasenrümpsen unr veräcbtlickes 2iib' 'X~. >, א ,5 ,4 ,3 ,׳-־ u. n». ב• H«aemväni.k einer rer gelehrtesten Rabbiner in Ungarn. Achselzucken heute, besonders unter unseren jüngeren, genialen, echt jüdisch sein wollenden Predigern bei Nennung dieser Namen gang und gäbe ist, und i daß das Symbolisiren und Allegorisiren — mit und ohne Witz — und daS Zmprcvisiren — mit und ohne Talent — bereits längst die sogenannten pedantisch ausgeaibciteten Predigten nach ״verscholleiwr Protest. Manier" verdrängt bat. Wir wissen dies, so wie auch daß wir als Laien uns nickt ani maßen dürfen ein Urtheil in diesen Dingen abgeben zu wollen. Hier haben; wir nur zu berickten und dabei der Wahrheit die Ehre zu geben, auch wenn eine ׳ Schwäche oder Beschränktheit blos gelegt wird, und müssen demnach gestehen:! daß Schwab, der anerkannte Meister der Derascha, der so vertraut mit den Schätzen der Hagada unr den -Quellen des Midrasch, der so witzig, geistreich unr virtuos in der Auslegung und im Symbolisiren, dennoch an den genannten, seinem eigenen Boden so ferne stehenden Protest. Musterpredigern großes Wohlgefallen fand lind sie als nachahmungswürdige Borbilrer ansah. — Daß der witzige, in seiner Exegese gewissermaßen an den Magic mahnende Träseke ihn angcsprochen, würde uns wenig wundern: sonterbarer Weise war es Reinhard, welcher auf Sckwab einen Eindruck hervorgebrackt, der sich bei dessen späterem Hervortreten als Prediger augenfällig bemerkbar mackte. Da nur die wenigsten unserer Leser mit der bomilctischen Literatur — namentlich der nicktjüdiscken — vertraut fein mögen, wollen wie zur Ebarakterisirung dieses berühmten Predigers seine Ansickten über Beredsamkeit, unr Kanzelberetsamkeit insbesontere, anführen: (י ״So ist denn die wahre Beredsamkeit etwas ganz anderes als ״Schönrednerei; etwas ganz anderes als ein Tändeln mir Gegensätzen ״unt witzigen Spitzfindigkeiten, etwas ganz anderes als poetische, cter wie ״Kant sie sehr ricktig nennt, tollgewcrdene Prosa: etwas ganz andres ״endlich als jener Sturm und Drang, als jenes Spruteln nur Sckäumen, ״als jener Bombast und Schwulst, der den großen Haufen in Erstaunen setzt, ״reck er bewuntert, weil er ihn nickt verstebl, — Könntest Du, sagte ich ״mir, also auf der Kanzel sprecken, raß keine Rede aUezeit ein streng ge» ״ordnetes, in allen seinen Theilen fest verknüpftes und in der natürlichsten ״Qrdnung fortschreitendes Ganzes wäre... könntest du jeren Gedanken ״immer in die Worte kleiden, die ihn im ganzen Schatz der ,Sprache am ״richtigsten unr treffendsten bezeichnen: könntest tu folglich beim Lehren im- ״mer den faßlicksten, beim Beschreiben den anschaulichsten, beim Ermabnen ״dzp^räftigsten, beim Warnen den erschütterndsten, beim Trösten den berubi- ״gendsten Ausdruck finden ... könntest tu endlick deiner Rete eine Fülle ״ohne Wortschwall, einen'Wchlklang ohne erkünstelten Rhvtmus verschaffen; ״so würde das die Beredsamkeit sein, die sich für rie Kanzel schickte, rein ״Vortrag würde deutlich für ten Verstand, behältlich für das Getächtniß, ״erweckend für die Empfindung, ergreifenr für das Her; sein: du würdest ״von der Religion mit der hoben Einfalt, mit der edlen Würde und mit rer ״wohlthätigen Wärme sprechen, mir der man von ihr sprechen soll." Dieses ״allezeit streng geordnete, in allen Theilen fest ver- ״knüpfte und in der natürlichsten Srdnung fortsckreitenre Ganze," welches dem Kenner in Reinhard's Predigten so vorzugsweise 1 entgegentritt, war eben das Moment, welche- Sckwab so sebr ansprach unr ihm R. als mustergiltig hinstellte. Hatte S. selber dock verstanden so viel als möglich die Derasckab zu solch Ganzem zu gestalten, rer rech ankere Factoren den Werth verleihen, welche ein loseres Gefüge nickt nur gestatten sontern fast beringen! — Wir werte» später, wc wir Sckwab als Prc diger begegnen, wohl nock taraus zurückkcmmen müssen. — In Proßnitz beschränkte sich — wie bereits erwähnt — seine Vortragsweife noch aus Drascka: am 28. März 1835 dielt er zum ersten Male eine förmliche Predigt: ״eine Trauerrede auf den Tor Sr. Majest. Franz I." über Spr. 20. T. — Diese erste in einer mähr. Svnagoge von einem Rabbiner gesprochene Predigt ward aus Kosten rer tort. Gemeinrc veröffentlicht, unr zog unter rer Unzahl-der aus selbem Anlaß gehaltenen unt veröffenr׳ lickten Reren rie Aufmerksamkeit Vieler aus sich. Sie bilret auch in Schwab's Leben einen wichtigen Abschnitt, denn an sic knüpft sick orer wenigstens in engem Zusmmmenhangc damit stcbt eine Wanrelung in seinem Geschick, — seine Ausnahme in Pest. — > fferneonng iotqi. * Geitänrnine, Kitte Bildung z.tm Vrektger betreff«», in Briefe» von l»r. ffr. B. Reinbart, Zulzbbch 1*11.